"Transparenz ist ein Grundsatz"

Bürgermeisterkandidatin Michaela Waldmann im Redaktionsgespräch mit dem KREISBOTE. Foto: Schuster

Noch gut sechs Wochen, dann wählt Pfronten ein neues Gemeindeoberhaupt. Von allen vier Gemeinderatsfraktionen nominiert wurde Michaela Waldmann aus Aitrang. Die macht sich derzeit unter anderem dadurch in der 13-Dörfer-Gemeinde bekannt, indem sie zu Ortsteilversammlungen einlädt. Im Interview mit dem KREISBOTE verrät sie, wie sie sich eine transparente Gemeinderatsarbeit vorstellt, wie sie Pfrontens Tourismuspotential einschätzt und warum es von Vorteil ist, von allen vier Gruppierungen gestützt zu werden.

Frau Waldmann, Sie haben nun ihre ersten Ortsteilversammlungen hinter sich gebracht. Was wünschen sich die Pfrontener von ihrem nächsten Gemeinde oberhaupt? Waldmann: „Viele Bürgerinnen und Bürger wünschen sich mehr Transparenz, in der politischen Arbeit wie in den Entscheidungsprozessen. Ich möchte, dass es mehr Dialog zwischen Politik und Gemeinde gibt. Der Gemeinderat sollte gut vorbereitete Sitzungsvorlagen mit kompakten Informationen und einem Beschlussvorschlag erhalten.“ Viele Themen diskutiert der Gemeinderat erst nicht-öffentlich, bevor die öffentliche Sitzung beginnt... Waldmann: „Auch das würde ich ändern. Transparenz ist auch ein Grundsatz der Gemeindeordnung.“ Finanziell und wirtschaftlich steht Pfronten sehr gut da. Was würden Sie tun, damit das auch so bleibt? Waldmann: „Ich finde es besonders wichtig, dass man ganzheitlich denkt und nicht einzelne Punkte wie Wirtschaft oder Tourismus für sich nimmt. Und man muss miteinander sprechen und die Gemeinde nachhaltig weiter entwickeln. Genauso wichtig, wie neues Gewerbe anzusiedeln, ist es, die Betriebe zu halten, die da sind. Ich war neulich beim Stammtisch der Einzelhändler, da hieß es durch die Bank: ,Wir wollen gehört werden’. Wir brauchen jemanden, der den Kontakt hält.“ Also einen Wirtschaftsreferenten in der Verwaltung? Waldmann: „Ja – eine geeignete Person, die die Klammer zwischen den Unternehmen, Handel, Gewerbe, Dienstleistung und dem Rathaus bildet.“ Da wir beim Thema Gewerbe sind – Ein dritter Anlauf der Firma Feneberg, auf das Gelände in der Meilinger Straße umzuziehen, könnte in die Amtszeit des nächsten Bürgermeisters fallen. Waldmann: „Es gibt den Bürgerentscheid vom November 2010, darin hat der Pfrontner Bürger seinen Willen klar ausgedrückt. Und es gibt einen Gemeinderatsbeschluss, der besagt, dass man diesen Willen respektieren will. Es wäre nicht klug, den in Frage zu stellen.“ Haben sie sich schon mit Tourismusdirektor Jan Schubert über die Tourismusstrategie unterhalten? Waldmann: „Ich bin der Auffassung, dass man sich als Tourismusort spezialisieren muss. Pfronten spielt im Allgäu eine wichtige Rolle: Es ist Etappenort der Wandertrilogie und liegt an der neuen „RadRunde Allgäu“, wir haben Gesundheitstourismus und Wintersport. Die Zugkraft des Allgäus muss verstanden werden, man muss das Thema aber auch in den Ort tragen und seinen Platz in diesem Gebilde finden. So wie Füssen und andere Orte es uns vorleben, so sollte es sein“. Jan Schubert hat im Gemeinderat gefordert, die Gemeinde müsse auch die Voraussetzungen schaffen und zum Beispiel Flächen für ein hochpreisiges Hotel auch für ein solches frei halten. Waldmann: „Da hat er völlig recht, der Ort muss städteplanerisch die Möglichkeiten schaffen. Aber es fehlt ein Gesamtkonzept. Man muss Schritte definieren und Vorgehensweisen. Da müssen die Leistungsträger – die Gastgeber – mit an den Tisch. Die Möglichkeit zum Meinungsaustausch muss gegeben sein.“ Sie haben bei ihrer Nominierungsveranstaltung gesagt, dass Sie sich als Moderatorin verstehen. Von einem Bürgermeister wird aber auch Führung erwartet. Wie gehen Sie vor, wenn Sie auf einen gespaltenen Gemeinderat treffen? Waldmann: „Ich glaube, man braucht eine fundierte Grundlage zur Entscheidungsfindung. In der Verwaltung gibt es sehr gutes, qualifiziertes Personal, das die Themen gründlich vorbereitet. Es müssen natürlich auch die Menschen zu Wort kommen, die etwas zu sagen haben. Dann sollte man in der Lage sein zu einer mehrheitlichen Entscheidung zu kommen. Ich denke, dass man bei einer überparteilichen Nominierung sachlicher arbeiten kann. Denn man ist keinem verpflichtet.“ Stellen Sie sich vor, Sie werden am 18. November gewählt und wir ziehen nach 100 Tagen eine erste Bilanz. Von welchen Punkten wollen Sie dann sagen können, „die habe ich auf den Weg gebracht“? Waldmann: „In 100 Tagen kann man noch keine großartigen Dinge realisieren. Die Aufgabe wird erst einmal sein, sich intensiv einzuarbeiten und zu schauen, wie komme ich mit dem Gemeinderat klar und wie kommt der Gemeinderat mit mir klar. Dann muss man sich die Ortskernentwicklung anschauen, die vielfältige Aufgabenstellungen birgt. Auch zur Zukunft des Wintersports in Pfronten müssen grundlegende Gedanken her. Hier sehe ich ein großes Entwicklungspotential, aber auch einen großen Entwicklungsbedarf. Wir müssen uns die Frage stellen, was wir falsch machen, dass wir dort zu wenig Gäste haben. Die authentische touristische Entwicklung Pfrontens wird insgesamt ein wichtiges Thema sein.“ Frau Waldmann, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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