Überraschende Diskussion

Für Kontroversen sorgte die Architektur des geplanten Kaufhauses „Theresienhof“ am Dienstag im Bauausschuss. Foto: Archiv

Die Baugenehmigung für das Kaufhaus Theresienhof ist so gut wie durch. Der Bauausschuss gab am vergangenen Dienstag sein Okay und verlangte lediglich geringe Nachbesserungen am Entwurf. Dass das Landratsamt dem widerspricht darf als unwahrscheinlich gelten. Im März will die Firma Geiger dann anfangen zu bauen. Der Entscheidung ging jedoch eine Grundsatzdiskussion um den Gebäudeentwurf voraus, die ungewöhnlich emotional geführt wurde.

Der Theresienhof wird ziemlich genau dem Entwurf entsprechen, den die Firma Geiger als Holzmodell hat anfertigen lassen. Lediglich an der Ausführung des Dachs und der Gestaltung der Nordseite wollten die Räte mehrheitlich Nachbesserungen. Von Süden beziehungsweise Norden bieten sich dem Betrachter mehrere Satteldach-Spitzen, die sich von Westen beziehungsweise Osten her aber wie ein Riegel am gesamten Gebäude entlang ziehen. Hier forderte der Ausschuss Unterbrechungen. Die allzu spärlich gestaltete Nordfassade missfiel ebenfalls, auch Bauamtschef Armin Angeringer regte mehr Gestaltungselemente an, was der Ausschuss mehrheitlich ebenfalls forderte. Die Anregung, das Dach statt mit Blech mit Ziegeln auszustatten scheiterte jedoch an einem 5:5 Unentschieden nach Stimmen. Das Blechdach war einer der Zankäpfel in der Diskussion zuvor. Massive Kritik an diesem und an weiteren Elementen hatte Magnus Peresson (UBL) geübt. Ein Blechdach würde bei starkem Regen zu einer Lärmbelastung für die Nachbarn führen, fürchtete er. Zudem sagte er voraus, dass die Fassade über kurz oder lang schäbig aussehen werde, weil keine Vordächer vorhanden sind, die die Feuchtigkeit von den Dachkanten fernhalten. Den Anspruch der Architekten des verantwortlichen Büros „Degle.Degle“, sich bei der Gestaltung die Altstadt zum Vorbild zu nehmen, betrachtete er als verfehlt. „Der Entwurf geht nicht über architektonische Dutzendware hinaus“, urteilte Peresson, selbst Architekt. „Hätte ein Zimmermann früher so gearbeitet, hätte man gesagt, er wäre besoffen“, kritisierte Peresson die Vorderansicht. Harsch griff ihn für diese Wortwahl Günter Knauss (Bürgerblock) an. Der verantwortliche Architekt Theo Degle verteidigte anschließend seine Pläne. Bei Regen lärmende Blechdächer gehören seiner Aussage nach heute der Vergangenheit an, ein geplanter Dachüberstand von etwa fünf Zentimetern sei ausreichend als „Tropfnase“, die verhindert, das Feuchtigkeit hässliche Flecken verursacht. Ein Ziegeldach, so Degle, passe schlicht nicht zu dem Entwurf. Doch schon zuvor hatten etwa die CSU-Räte Franz Nagel und Martin Lochbihler die Fassadengliederung kritisiert, sehr zur Verwunderung von Christoph Ost, dem Vertreter des Bauherrn, der Firma Geiger. Er sei überrascht von der Diskussion, gab er an, zumal der Gebäudeentwurf und das Modell schon lange bekannt seien. Interessierte Mieter für den Theresienhof gebe es indes genügend. Die Supermarktkette Rewe, Textiler Charles Vögele und die Drogeriekette Rossmann stehen bereits fest, mit weiteren sei Geiger in Gesprächen, sodass die freien Ladenflächen schnell vermietet sein werden. „Wenn der Bebauungsplan steht, ist es eine Sache von ein bis zwei Monaten“, gab er an. Im März kommenden Jahres soll bereits Baubeginn sein. Dass Bauamtschef Angeringer konkrete Pläne zu der neu konzipierten Einfahrt darstellte, ging im Zuge der Debatte beinahe unter. Doch nun ist erstmals auch in den Plänen einer Anlieferzufahrt verankert, bei der die Lkws von Norden her einfahren, hinter verschlossenen Türen entladen und über die Theresienstraße vorwärts wieder herausfahren. Damit gebe es auch „keine Belastung der Schulhausstraße durch rangieren“, gab er an. Eine solche Einfahrt war zum Schutz der Nachbarschaft vor Lärm immer wieder gefordert worden.

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