Eine erste Bilanz

Der Ärger zahlt sich aus

+
Ein „klares und schönes Stadtbild“ war das Ziel der Sondernutzungssatzung. Aus Sicht der Stadtverwaltung wurde es erreicht.

Füssen – Ihrer Einführung gingen harte Kämpfe voraus, doch nach mittlerweile zwei Jahren hat sich die Sondernutzungs- und Werbeanlagensatzung aus Sicht der Stadtverwaltung bewährt.

„Wir sind der Überzeugung, dass die Satzung gut für Füssen ist“, sagte Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vergangene Woche im Rahmen eines Pressegesprächs im Rathaus. 

Doch es gibt auch nach wie vor kritische Stimmen – vor allem der Einzelhandel außerhalb der Reichenstraße ist nicht immer glücklich mit den städtischen Vorgaben. 

Bis 2013 durften die Geschäftsleute und Gastronomen in Füssen für ihre Produkte und Angebote weitgehend individuell werben. Vor allem sogenannte Kundenstopper warten bis dahin ein beliebtes Werbemittel, um die Kundschaft zu locken. Auf der anderen Seite führte diese Werbepraxis zu einem Wildwuchs an Schildern und Auslagen. 

„Es war ein Meer der Tafeln – immer größer, immer breiter, immer höher“, erinnert sich Carmen Settele vom Füssener Ordnungsamt. Um ein schöneres und einheitlicheres Stadtbild zu erzeugen, beschloss der Stadtrat schließlich die neue Sondernutzungssatzung, die für Ordnung im städtischen Erscheinungsbild sorgen sollte. 

„Das Ziel ist ein klares und schönes Stadtbild“, erklärte dazu Hauptamtsleiter Andreas Rist. Fortan durften Einzelhändler beispielsweise nur noch ein- bis zwei Drittel der Fassadenlänge versehen und in der Ritterstraße musste eine vier Meter breite Rettungsgasse freigehalten werden. Die Füssener Gastronomen hingegen mussten die Außenbestuhlung zum Teil deutlich zurückfahren. Beim Füssener Innenstadthandel stießen die neuen, strengeren Vorgaben aus dem Rathaus seinerzeit jedoch auf wenig Gegenliebe – zumal sie auch mit Kosten und Einbußen verbunden waren. 

Nicht wenige beklagten auch schon damals fehlende Kommunikation vonseiten der Verwaltung. „Es ist damals Unmut unter den Geschäftsleuten entstanden“, gesteht Carmen Settele ein. Unterdessen seien die Probleme aber ausgeräumt. „Man hat für jeden Geschäftsinhaber eine Lösung gefunden“, sagte sie vergangene Woche. Mittlerweile werde die Satzung „1:1 umgesetzt“, betonte sie. Vor allem die Füssener Gastronomie habe sich damals sehr kooperativ gezeigt, lobte Settele. „Alle haben mitgezogen.“ 

Auch Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier lobte den Einsatz der Gastronomen unter schwierigen Bedingungen. „Bei der Gastronomie ist der Prozess besser gelaufen als im Einzelhandel“, stellte er fest. Die Satzung selbst sei seinerzeit notwendig gewesen, betonte er. Denn Füssen müsse ohnehin schon mit dem Vorwurf des Massentourismus kämpfen. Daher müsse die Qualität gehalten werden, „sonst verkitschen wir“, warnte er. 

Lob von Hoteliers 

„Die Stadt sieht jetzt definitiv besser aus“, bestätigte auch der Sprecher der Füssener Hoteliers, Wolfgang Sommer vom Hotel Sommer, mit der Einführung der Satzung die richtige Entscheidung damals getroffen zu haben. Lob, aber auch Kritik äußerte dagegen Sabina Riegger, Noch-Vorsitzende der Füssener Werbegemeinschaft. 

„In der Reichenstraße funktioniert das“, sagte sie. „Aber zum Beispiel für die Brunnengasse müssen wir uns etwas überlegen“, so ihre Forderung. Das könnten beispielsweise „kleinere Lockerungen für Sonderaktionen“ sein. „Ein Tourist möchte Lebendigkeit. Die finde ich in fein säuberlichen Gassen nicht“, so Riegger weiter.

 Ihr Fazit: „Die Satzung ist für die Gassen nicht umsetzbar!“ Deshalb sollten sich alle Betroffenen noch einmal an einen Tisch setzen und nach Lösungen suchen. 

Gesprächsbereitschaft 

Einig war sie sich mit den Beteiligten der Stadtverwaltung darin, dass aber nicht die Satzung das Problem des Füssener Einzelhandels sei, sondern zunehmender Online-Handel und die hohen Ladenmieten. Dazu komme, dass sich immer mehr Franchise-Unternehmer großer Ketten in der Innenstadt ansiedeln würden. Bürgermeister Iacob sieht die Stadt mit der Satzung zwar „auf einem sehr guten Weg.“ 

Gleichzeitig stellte er Riegger aber in Aussicht, noch einmal über ihre Anregungen diskutieren zu wollen. Auch Hauptamtsleiter Rist und Carmen Settele wiesen daraufhin, dass die Geschäfte und Läden Sonderaktionen oder Ausnahmen jeder Zeit beantragen können. Diese würden dann im Rahmen der Satzung individuell, aber tolerant diskutiert. „Aber wenn keine Feuerwehr oder kein Sanka durchkommt, kann ich es nicht genehmigen“, betonte Settele

Meistgelesene Artikel

1649 Stunden im Einsatz

Reutte – Viel zu tun hatte die Freiwillige Feuerwehr Reutte im vergangenen Jahr. Das wurde bei der Generalversammlung der Wehr im Hotel „Goldener …
1649 Stunden im Einsatz

Arbeiten am Comeback

Füssen – Die Freien Demokraten von der FDP wollen im September zurück in den Bundestag. Der Kemptener Stephan Thomae als erfahrener Kandidat und der …
Arbeiten am Comeback

Eine vorsichtige Kalkulation

Nesselwang – Weniger Einnaben, geringere Schlüsselzuweisungen und gestiegene Kosten: 2017 wird wohl ein nicht so gutes Wirtschaftsjahr für die …
Eine vorsichtige Kalkulation

Kommentare