Wirtschaftstreuhänder Oldenburg stellt "5-Säulen-Konzept" für das Festspielhaus Füssen vor

"Ein Theater allein funktioniert nicht"

+
So könnte eine Variante des geplanten Vier-Sterne-Hotels auf der Ostseite des Festspielhaus aussehen.

Füssen – Vegetarisch frühstücken, dann eine Fotoausstellung anschauen und abends beim Open-Air-Konzert abfeiern: So könnte zukünftig ein Samstag am Festspielhaus ausschauen. Zumindest wenn im laufenden Insolvenzverfahren der Kaufinteressent den Zuschlag erhält, den derzeit Wirtschaftstreuhänder Hartmut Oldenburg vertritt.

Der Investor, dessen Name Oldenburg noch nicht öffentlich nennen möchte, hat ein „5-Säulen-Konzept“ am Festspielhaus geplant, das der Wirtschaftstreuhänder jetzt im Kreisbote vorstellt. Um eine Nachhaltigkeit für die kommenden 20 bis 30 Jahre zu gewährleisten, hat das Team rund um Oldenburg ein „5-Säulen“-System entwickelt.

Zentraler Bestandteil ist dabei ein Vier-Sterne-Hotel. Das sei „essentiell“, so Oldenburg. „Ein Theater allein kann nicht funktionieren.“ Ein Rädchen müsse ins andere greifen, um eine höhere Theaterauslastung zu erzielen.

Für sein Konzept hat sich Oldenburg nach eigenen Angaben Fachleute mit ins Boot geholt, die mit Herzblut an die Sache herangehen. Die erste Säule setzt sich aus Kultur und Theater zusammen. „Das ist die schönste Bühne der Welt mit dieser Location“, sagt Oldenburg. Hier sollen die bisherigen Veranstaltungen ausgedehnt werden. Man habe auch schon den geplanten Intendanten fest im Boot. Doch näher möchte sich Oldenburg noch nicht dazu äußern.

Auch der Spielplan bis 2020 liege bereits vor. In diesem seien 160 bis 170 Theaterveranstaltungen pro Jahr vorgesehen. Der Planungsgruppe schwebt hier neben Theateraufführungen sowie TV-, Bühnen-, und Theaterproduktionen aller Art, Konzerte von Rock bis zur Operette, Musicals, Talkshows, Komiker-Events und Kabarett vor.

Daneben soll es Volksmusik, Poetry Slam Wettbewerbe, Konzerte in der Reihe „Jugend musiziert“, den Publikumswettbewerb „Mein König Ludwig“, ein Richard Wagner Festival am See und Kooperationen mit internationalen Jazz-Festivals geben. „Aber natürlich entscheidet das der neue Käufer“, sagt der Treuhänder.

Platz für Ausstellungen

Die zweite Säule dreht sich um die Kunst. Im Festspielhaus habe man „Unmengen an Platz“, so dass man auch Gemälde- und Fotoausstellungen präsentieren könne, wenn beispielsweise das Veranstaltungshaus nicht belegt sei. Auch Kunstauktionen seien denkbar, so Oldenburg.

Die dritte Säule stützt sich auf die Erlebnisgastronomie mit Panorama-Restaurants. Hier werden Frühstückswelten angeboten. Neben einem Continentalfrühstück, soll es beispielsweise auch vegane und vegetarische Angebote geben. „Das gibt es in der Region noch nicht“, erklärt Oldenburg. Auch für Firmen könnten hier in der Mittagszeit kleine Drei-Gänge-Menüs für wenig Geld bereitgestellt werden.

Die vierte Säule steht unter dem Motto „Vier-Jahreszeiten-Events“: Darunter versteht die Planungsgruppe Open-Airs wie die diesjährigen „Königswinkel“-Konzerte. Nur statt vier Veranstaltungen pro Jahr denkt die Planungsgruppe an die 20 Konzerte. Schließlich hätten 10.000, 15.000 Besucher auf dem Areal Platz, sagt der Treuhänder.

Zentraler Bestandteil des gesamten Konzepts ist aber das Vier-Sterne-Hotel in Verbindung mit der höheren Theaterauslastung. Das Hotel soll auf der Ostseite des Festspielhauses entstehen. 160 bis 180 Zimmer mit 300 bis 360 Betten soll es bekommen, so Oldenburg. „Alle Suiten werden einen Blick auf die Bergwelt und die Königsschlösser haben.“

Daneben brauche es auch einen Parkplatz. Insgesamt könnten dabei 30 bis 40 neue Arbeitsplätze entstehen, so Oldenburg. Bei der Planung wolle man sich eng mit der Stadt Füssen, dem Landratsamt Ostallgäu und dem Wirtschaftsreferat absprechen. „Wir und der neue Käufer halten uns an alles“, erklärt der Wirtschaftstreuhänder, der nach eigenen Angaben auch ein „exzellentes Verhältnis“ zu Günter Döbler, Geschäftsführer der pleite gegangenen Musiktheater Füssen Besitzverwaltung GmbH, hat.

Dieser begrüße ebenfalls den Kaufinteressenten. „Wir wollen ein Gesamtkonzept mit der Stadt, der Gemeinde und dem Land“, so Oldenburg. „Bürgermeister und Landrätin sind die Namen alle bekannt, also auch der mögliche Käufer. Er kennt mittlerweile den Bürgermeister auch persönlich.“ Bei den Fachleuten und dem Käufer handle es sich um „renommierte“ Persönlichkeiten, die auch der Öffentlichkeit bekannt seien. „Und bevor eben nicht klar ist, welches Spiel der Insolvenzverwalter betreibt, müssen wir uns da zurückhalten“, sagt der Wirtschaftstreuhänder (mehr dazu auf Seite 3).

35 Millionen investieren 

25 bis 35 Millionen Euro werden wohl für das Hotel anfallen. In das Festspielhaus müsste der Käufer wohl um die sieben bis zehn Millionen Euro investieren. „Das kommt zum Kaufpreis dazu“, so Oldenburg. So müsse beispielsweise die Außenfassade verschönert und das Dach saniert werden. Daneben sollten die Energiekosten im Winter gesenkt werden, beispielsweise durch Geothermie oder Solarenergie.

„Solche Dinge wollen wir machen“, meint Oldenburg. Daneben sollen die Gläubiger bedient werden, „soweit das aktuell noch möglich ist.“ Auch die Mitarbeiter sollen übernommen werden. Ohne die geht es aus Sicht des Treuhänders gar nicht. Das Konzept sei „bis zum Ende durch gedacht“, so Oldenburg. Trotzdem sei man offen für weitere, neue Ideen.

Katharina Knoll

Meistgelesene Artikel

Proben für den Ernstfall

Pfronten – Weihnachten rückt näher und damit auch die Hauptsaison für die Skigebiete. Doch wenn sich viele Skifahrer und Snowboarder auf den Pisten …
Proben für den Ernstfall

Aller guten Dinge sind drei

Füssen – Im dritten Anlauf hat sich der Stadtrat auf den Bau eines neuen Kindergartens in der Dr.-Enzinger-Straße geeinigt. Bei drei Gegenstimmen …
Aller guten Dinge sind drei

Besinnliches im Klosterhof

Füssen – Mit einer Einladung zur inneren Einkehr hat Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier den Adventsmarkt im Klosterhof am vergangenen …
Besinnliches im Klosterhof

Kommentare