Steht Bebauung am Kloster auf der Kippe?

Neue Erkenntnisse

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Vor allem die maximal mögliche Höhe von Haus D (links) unterhalb des Franziskanerklosters sorgt für Diskussionsstoff. Nun soll nachjustiert werden.

Füssen – „Wir sind klagebereit!“ Der Verein „Alt Füssen“ und die Münchner Anwaltskanzlei Wendler Tremml wollen eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan „Östliche Floßergasse“ vorbereiten. D

Das bestätigte Vereinsvorsitzender Magnus Peresson nach einem Treffen am Freitagabend auf Nachfrage des Kreisboten. 

Aber auch die Füssener Bauverwaltung ist weiterhin mit dem Bebauungsplan, der die heftig umstrittene Wohnbebauung unterhalb des Franziskanerklosters regeln soll, beschäftigt. Wie bereits am Samstag kurz berichtet, soll jetzt in Sachen maximaler Firsthöhe nachjustiert werden. 

Bei einem Treffen am Freitagabend haben sich der Vorstand des Historischen Vereins „Alt Füssen“ und Vertreter der Münchner Fachanwaltskanzlei Wendler Tremml darauf geeinigt, eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan „Östliche Floßergasse“ vorzubereiten. 

Dieser sieht wie mehrfach berichtet den Bau von vier Wohnhäusern unterhalb des Franziskanerklosters vor. Kritiker des mittlerweile heftig umstrittenen Vorhabens fürchten jedoch durch den Bau der Häuser um den sogenannten Quaglio-Blick, die Aussicht vom Franziskanerplatz über die Füssener Altstadt zum Hohen Schloss. 

Bauherren und Stadtverwaltung sind dagegen bislang der Meinung, dass die im Bebauungsplan festgesetzten Maximalhöhen die Sichtachse nicht beeinträchtigen. 

Sobald der Bebauungsplan rechtskräftig sei, erklärte „Alt Füssen“-Vorsitzender Peresson am Montag gegenüber dem Kreisboten, soll mit Unterstützung des Vereins und der Münchner Kanzlei vor dem Verwaltungsgericht München eine Normenkontrollklage gegen diesen eingereicht werden. Zu weitere Details der möglichen Klage wollte er sich aber nicht äußern. Die Füssener Bürger glaubt Peresson dabei jedoch aufseiten der möglichen Kläger. „Die Stimmung in der Bevölkerung ist absolut klar“, betonte er im Gespräch. 

Bürger rechnet nach 

In der Füssener Bauverwaltung hat man sich die bisherige Fassung des Bebauungsplans ebenfalls noch einmal genauer angeschaut. Denn zum einen haben die beiden Stadträte Lothar Schaffrath (SPD) und Michael Jakob (CSU) vergangene Woche beantragt, die maximale Firsthöhe von 803,35 Meter üNN auf 801 bis 801,5 üNN abzusenken (der Kreisbote berichtete). Über diesen Antrag sollen die Stadträte nun in der Oktober-Sitzung des Bauausschusses diskutieren und entscheiden. Bis dahin sollen auch die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen vorliegen. 

Zum anderen hat ein aufmerksamer Bürger nachgerechnet. Dabei ist er zu dem Ergebnis gekommen, dass die Satzung des Bebauungsplans für das vor allem umstrittene Haus D eine maximale Höhe von 1,88 Meter über dem Franziskanerplatz ermögliche. In den bisher dem Bauausschuss vorgelegten Plänen sollte Haus D aber nur 1,48 Meter über den Platz hinausragen. 

Bauamt bessert nach 

„Das haben wir möglicherweise übersehen“, bestätigte Füssens Bauamtsleiter Armin Angeringer die Diskrepanz zwischen den Angaben auf Nachfrage. „Wir müssen Nachberechnungen durchführen, denn die Planaussagen sind nicht ganz schlüssig.“ Denn Priorität habe nach wie vor der Erhalt der Sichtachse zum Hohen Schloss. 

Doch wie konnten die immerhin 40 Zentimeter übersehen werden? „Wir haben uns auf die Planer verlassen“, erklärte Angeringer. Um für Klarheit zu sorgen und Konfliktpotenzial auszuräumen, soll die Firsthöhe von Haus D nun von 10,50 Meter auf 10,10 Meter abgesenkt werden. 

Eine Absage erteilte der Bauamtsleiter – allerdings ohne bisherige Absprache mit Bürgermeister Paul Iacob (SPD) – dem Antrag von Schaffrath und Jakob, den das Bauamt nicht unterstützen werde. Dieser ginge in seinen Forderungen deutlich zu weit, da das Dachgeschoss dann nicht mehr voll nutzbar sei. Es gehe in diesem Fall aber auch um Vertrauensschutz für den Bauherren, betonte Angeringer. Allerdings könnte der Bauausschuss mehrheitlich zu einer anderen Auffassung kommen. Dann müsste die Satzung wohl doch geändert werden. 

Ein sogenannter Städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt und dem Bauträger soll darüber hinaus garantieren, dass die festgesetzten Höhen beim Bau der Häuser auch tatsächlich eingehalten werden, so Amtsleiter Angeringer weiter. Der Vertrag sehe eine Höhenkontrolle bei Fertigstellung der Tiefgarage und eine weitere bei der Fertigstellung des Rohbaus vor. Werde ein Verstoß festgestellt, müsse zurückgebaut werden, erläuterte der Füssener Bauamtsleiter. „Ziel ist, die Höhe einzuhalten!“

Matthias Matz

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