Deutschlandvertreter der Lions treffen sich mit Präsident Joe Preston in Schwangau

"Kiga-Tiger" und Inklusion

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Lions-Präsident International Joe Preston mit Ehefrau Yoni (rechts) und Verena Bentele, Behindertenbeauftragte der Bundesregierung.

Schwangau – Anlässlich des Besuches von Joe Preston, Präsident der Lions International, trafen sich die Deutschlandvertreter des Serviceclubs jetzt in Hohenschwangau.

Dabei wurden verschiedene Projekte der Clubs aus Füssen und Kempten-Buchenberg vorgestellt. 

Bei den meisten von uns dürfte die Schulzeit, vor allem die erste Klasse, weit zurückliegen. Wenn Sie diesen Text jetzt ohne Probleme lesen und – wichtiger noch – verstehen, dann ist alles gut gegangen in ihrer Schulzeit. Sie wurden eingeschult, lernten lesen und schreiben, lernten Bücher zu lesen und zu verstehen und lernten, zu lernen. 

Aber wie uns die Werbung zeigt, gibt es anscheinend noch immer viele Mitbürger, die nicht richtig lesen und schreiben können – was aber die Grundvoraussetzung ist, um lernen zu können. Deshalb gibt es in den Kindergärten in Füssen und Schwangau das Projekt „Kiga-Tiger“, eine Idee Füssener Ärzte und Logopäden in Zusammenarbeit mit der Ludwig Maximilians-Universität München (LMU). Unterstützt wird das Projekt vom Lions Club Füssen. Es geht dabei um das phonologische Bewusstsein, wie die Zuhörer in Hohenschwangau von der Logopädin Michaela Grosse erfuhren. 

In der ersten und zweiten Grundschulklasse lerne man lesen, um dann ab der dritten Klasse zu lesen um zu lernen (Learn to read – read to learn). Doch vielfach, so die Beobachtung, brachten die Kindergartenkinder nicht die Voraussetzungen und Fähigkeiten mit, lesen und schreiben zu erlernen. Das könne vielfältige Ursachen haben. Deshalb wurde zusammen mit der LMU das Programm „Kiga-Tiger“ entwickelt. 

Zusammenhänge erkennen 

Spielerisch werden dabei alle Kinder im letzten Kindergartenjahr getestet. Mit Hilfe des kleinen Tigers gilt es Aufgaben zu meistern, anhand derer die Prüfer feststellen können, ob das jeweilige Kind einen erhöhten Förderbedarf hat oder problemlos wird lesen und schreiben können. Dabei geht es um Zusammenhänge, die Fähigkeit, aus dem gehörten Wort auch Begriffe ableiten zu können. Darum, Gehörtes wiedergeben zu können und schnellstmöglich Bildbegriffe zu erkennen. Positiv sei, so Grosse, dass vorhandene Defizite zunehmend erkannt würden. 

Durch das im Herbst 2013 begonnene Screening habe man die Möglichkeit, Kindern frühzeitig zu helfen. Zweimal, 2013 und 2014, wurden alle Kindergartenkinder getestet, mit in etwa vergleichbaren Ergebnissen: Rund ein Drittel, um die 32 Prozent der Kinder, hätten einen erhöhten Förderbedarf, der rechtzeitig erkannt werden konnte. Dabei seien auch alle Umweltparameter in die Auswertung der Tests miteingeflossen. Mittlerweile, so Grosse, die den Vortrag gemeinsam mit Kerstin Nonn von der LMU gestaltete, gebe es bereits Nachfragen von weiteren Kindergärten. 

Dem Thema „Inklusion“ hat man sich dagegen bei den Lions Kempten-Buchenberg angenommen. So zeigte deren Präsident Hans Jürgen Böhm die bereits erreichten Erfolge. Mehrfach hatten die Kemptener Läufe für die Rollstuhlfahrer in Kempten veranstaltet. Gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung, der blinden Paralympicsgewinnerin Verena Bentele, lief Böhm den Halbmarathon. Jüngst erst fand die 2. Deutsche Lions Meisterschaft im Halbmarathon in Kempten statt. 

Darüber hinaus wurde das Projekt SODIS vorgestellt, bei dem mit Hilfe der Sonne Wasser gereinigt wird. SODIS steht für „Solar Water Disinfection“ und wird mittlerweile weltweit angewandt. Das verunreinigte Wasser wird in einer Plastikflasche in die Sonne gelegt, die UV-Strahlung tötet alle Bakterien und Keime ab, nach sechs Stunden ist das Wasser trinkbar. Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu sauberen Wasser, so die Referentin, mit SODIS aber kommen mittlerweile mehr als fünf Millionen Menschen in den Genuss sauberen, trinkbaren Wassers. 

Auch die Unicef, die WHO und das Rote Kreuz würden das Projekt unterstützen. Das alles sind Projekte, die der aktuelle Präsident der Lions, Joe Preston, ausdrücklich lobt. Auch an diesem Abend in Hohenschwangau war der Amerikaner beeindruckt vom Engagement der lokalen Clubs. Bei einer typisch bayerischen Brotzeit wurde im Anschluss noch weiter über die Projekte diskutiert.

Oliver Sommer

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