Geschäfte in der Luitpoldstraße leiden weiterhin unter viel Verkehr und wenigen Kunden

"Laufgeschäft kann nicht überleben"

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Die Blumenkübel werden begrüßt, ernten aber auch Spott. Die Luitpoldstraße – früher so belebt wie die Reichenstraße – kennt heute viel mehr Schatten als Licht. Von einer Flaniermeile ist sie meilenweit entfernt.

Füssen – Die Luitpoldstraße kommt nicht zur Ruhe. Das liegt auf den ersten Blick am Stop-and-go-Verkehr, der sich nicht nur während der Urlaubszeit so entwickelt, dass keine große Lust mehr da ist, von Geschäft zu Geschäft zu bummeln. Leute, die hier zu Fuß unterwegs sind, haben meist ein konkretes Ziel.

Das kann zum Beispiel das Fitnessstudio sein, das Versicherungsbüro der Familie Prudlo, Cem Alicis Werbeagentur Allgäu Beschriftung – oder neuerdings auch der hierher gezogene Schuhmachermeister Wolfgang Korn. Wieder für Flair sorgt ein Team, das aus dem lang leer stehenden „Ambiente“ einen Treff für Freude der italienischen Küche gemacht hat. 

Wer der Pizza den Döner vorzieht, schaut bei Saray Kebab nebenan vorbei. Einen Besuch wert ist die Luitpoldstraße immer dann, wenn hier mal wieder ein Flohmarkt ist. Eine hässliche Baugrube, Leerstand von Geschäftsräumen, aber auch wieder die eine oder andere Neueröffnung gehören zum Bild der Luitpoldstraße, an der sich die Geister scheiden. 

Fehlplanungen schaden Geschäften 

Der Werbegemeinschaft ist es zu danken, dass seit kurzem Blumenkübel für ein schöneres Bild sorgen als in den letzten Jahren, in denen kaum Positives über diese Straße gesagt worden ist. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Die Commerzbank-Filiale ist auch wegen des Bankautomaten beliebte Anlaufstelle. Gangl konnte sich als kundenorientierter Fachbetrieb für Raumausstattung seit fast fünf Jahrzehnten halten und gewinnt jetzt junge Kundschaft. 

Gegenüber sind eher kritische Töne zu hören. „Seit dieser Teil der Straße verkehrsberuhigt ist, kommen weniger Leute in die Geschäfte“, erklärt Barbara Heidrich-Scheinkönig. „Bärbels Schreibwarenshop“, ihr Fachgeschäft, kann auf Stammkunden bauen, die auch im Umland wohnen und hierher fahren, weil sie zum Beispiel Kopien brauchen. Dass es mit diesem vom Denkmal des Prinzregenten aus gesehenen oberen Teil der Luitpoldstraße bergab ging, bestätigt Rita Raith, die hier 1949 geboren wurde. „Ich bin das Urgestein dieser Straße. Sie ist leider zu einem Abstellgleis geworden. Grund dafür sind die Fehlplanungen zur Verkehrsführung“, so die Füssenerin. 

Ebenso wie das neu eingerichtete Lädle, das Allgäuer Schmankerl anbot, musste der Mini-Laden mit italienischer Keramik schräg gegenüber das Handtuch werfen. „Schade“, meinen Heidrich-Scheinkönig und Raith. „Früher war die Luitpoldstraße mit ihren vielen kleinen Geschäften, die sich alle rentiert hatten, genauso belebt wie die Reichenstraße“, erinnert sich Raith. Das sei leider Geschichte. Ein Laufgeschäft könne heutzutage in dieser Straße „nicht mehr überleben“, pflichtet ihr Heidrich-Scheinkönig bei. 

Flucht aus der Luitpoldstraße 

Aktuell besteht weiterhin eher der Trend zur Flucht aus der Luitpoldstraße als zur Ansiedlung, zumal sich der Stadtrat mit Blick auf die aktuelle Situation vornehm zurückhält. Sprich: Pläne, diesen Bereich am Rand der Altstadt aufzuwerten, liegen auf Eis. Einen möglichen Aufschwung hält ein Schuhmachermeister, der in Füssen geboren ist, aber für durchaus möglich: Wolfgang Korn fühlt sich „in Toplage“ und spricht zudem von einer „günstigen Miete“. 

Korns Vater und Großvater arbeiteten als Handwerker in der Reichenstraße. Korn selbst berichtet: „Ich habe auch andere Standorte in der Stadt für Schuhreparatur und -Verkauf ausprobiert und bin hier an der richtigen Adresse.“ Er bemängle nur, dass Parkmöglichkeiten fehlten. Dieses Problem hat Cem Alici mit seinem Service „Allgäu Beschriftung“ nicht. Die Kunden stellen ihr Auto für kurze Zeit in der Einfahrt der Luitpoldstraße 4 ab, wo vormals Foto Tryba und das „Käslädle“ vertreten waren. „Ich bleibe die nächsten zehn Jahre hier“, unterstreicht Alici seine Standortpolitik. Der Mietvertrag wurde nun entsprechend verlängert. Gegenüber eröffnete Alici vor kurzem den Shop „Alpenshirt“, doch setzt er dabei nicht allein auf Laufkundschaft. 

Denn die T- und Polo-Shirts, die hier auf Wunsch auch mit dem Porträt Ludwig II. bedruckt werden, lassen sich auch bequem online ordern. Mit „Nails by Petra“, einem Fachgeschäft für Hörgeräteakustik und Fastfood aus asiatischer Küche ist der Branchen-Mix aktuell ergänzt worden. Als nächster zieht jedoch Marco Ulloth mit „Fuss & Fit“ von hier in die Kemptener Straße. Der Luitpoldstraße geht damit aber ein weiterer Magnet verloren.

Chris Friedrich

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