Töpfermarkt in Schwangau

Ein Ende mit Hoffnung

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Schmuck, Getöpfertes oder Handwerk aus Holz und Metall ist beim 31. Schwangauer Töpfermarkt zu finden.

Schwangau – Gut besucht war jetzt der Schwangauer Töpfermarkt. Zum 31. Mal fand der anspruchsvolle Kunsthandwerkermarkt am Schlossbrauhaus statt. Allerdings zum letzten Mal unter der Ägide von Eva Nibbe. In die Trauer des Abschieds mischte sich aber auch die Hoffnung auf einen Neuanfang.

Schmuck, Getöpfertes oder Geflochtenes, Schönes aus Metall oder Holz, für Haus, Garten, Küche oder zum Verschenken, das war der Schwangauer Töpfermarkt. Eigentlich müsste er Handwerkermarkt heißen, dem Mix der Aussteller folgend, die teils aus ganz Deutschland Jahr für Jahr nach Schwangau kamen, um ihre Stücke zu präsentieren und zu verkaufen. Der etwas irreführende Name aber ist dem Begründer Heinz Jakobitz zu verdanken, erzählt Eva Nibbe, die den Markt seit Jahren nun organisiert hat. J

akobitz hatte den Markt, seinerzeit am alten Schwangauer Bauhof, 1985 ins Leben gerufen. Bei einer Messe in Baden Württemberg habe man sich getroffen, erinnert sich die Veranstalterin, die daneben noch fünf weitere Handwerkermärkte im Ländle organisiert. Die ursprüngliche Idee, erzählt Nibbe, sei gewesen, kleinen Werkstätten ein Forum zu bieten, um sich unabhängig vom Handel selbst vermarkten zu können. „Kunsthandwerker wollen ihre Arbeiten selbst präsentieren“, weiß Nibbe. „Sie wollen den persönlichen Kontakt zu den Kunden und ihnen ihre Werke zu angemessenen fairen Preisen anbieten. Sie haben sich außerhalb von industriellen Produktion und Handel angesiedelt und wollen von ihrer Leidenschaft zu ihrem Kunsthandwerk existieren und leben“.

Professionelles Handwerk 

Ihren Anfang habe diese Entwicklung in den achtziger Jahren genommen, als manch einer wirklich noch einmal in die Lehre gegangen sei, um das Handwerk professionell zu erlernen, beschreibt Nibbe diese Zeit. Entsprechend sei damals auch das Publikum gewesen, die diese Produkte erwarben. Und nicht wenige konnten mit ihrer Arbeit eine ganze Familie ernähren. Diesen Trend bringt Nibbe mit nach Schwangau, wobei hier ein internationaleres Publikum dazukommt. Teilweise sei es beim Himmelfahrtswochenende, der Töpfermarkt fand von jeher rund um den Feiertag Maria Himmelfahrt statt, nicht so sehr um den Umsatz gegangen. „Für viele Handwerker war das Wochenende in Schwangau der Jahresurlaub, an dem sie aus der Manufaktur herauskamen“.

Die Hochzeit erleben die Märkte in den achtziger und neunziger Jahren, mit dem Internethandel aber begannen auch die Probleme. So beschreibt Eva Nibbe das, was jetzt in Schwangau passiert ist. Neben den Ausstellern ist auch das Publikum älter geworden, der Nachwuchs shoppt lieber online.

Darüber hinaus gibt es den Drang nach Uniformität, die individuellen Stücke, wie man sie auf dem Töpfermarkt findet, sind nicht mehr gefragt. Dort konnte man Keramiken finden, Tische mit eingelegten und selbst gebrannten Kacheln ebenso wie den maßgefertigten Ehering oder das Unikat für die Hochzeit oder als Geschenk für die Liebste. Natürlich gab es auch Töpferwaren, auch wenn der Namensgeber immer mehr in den Hintergrund trat, wie Nibbe bedauert.

Rückzug aus Altersgründen 

Ihren Rückzug jetzt erklärt die in Melchingen lebende Eventmanagerin mit ihrem Alter: „Ich bin raus“. Ein wenig ist es auch die räumlichen Distanz zwischen der schwäbischen Alb und Schwangau. Dabei ist sie voll des Lobes für die Schlössergemeinde, wo man sie all die Jahre unterstützt habe. Sogar in überregionalen Zeitungen wurde über den Markt geschrieben. Manch einer habe seinen Urlaub nach dem Markt gelegt, weiß Nibbe und sei eigens Mitte August ins Ostallgäu gekommen. Nun aber drängen immer mehr Märkte in die Öffentlichkeit, vor allem auch Hobby-Handwerkermärkte.

Nachfolgerin gefunden 

Die seien an sich nichts schlechtes, doch ihre Handwerker müssten nach kalkulatorischen Gesichtspunkten arbeiten. „Da geht es um die Existenz“. Deshalb vertrage sich auch ein solcher Mix nicht, erklärt sie auch Andreas Helmer, rund um dessen Schlossbrauhaus der Markt abgehalten wurde. Er habe ihr Anliegen verstanden, ist sich Eva Nibbe sicher, auch bei der Tourismusdirektorin und dem Bürgermeister weiß Nibbe, dass man dort ihr Gründe versteht. Umso mehr, als es so scheint, als könnte der Markt doch weiter bestehen. „Mit einem veränderten Konzept, vielleicht mit einer größeren Betonung auf regionale Produkte“, beschreibt sie die Idee. Eine Mitstreiterin respektive eine „Nachfolgerin“ hätte Eva Nibbe bereits, man sei auch schon in Gesprächen. Aber sechs Tage nach dem doch bewegenden Ende des Marktes sei es zu früh, hier mehr zu sagen. Ganz sicher wird man in 350 Tagen mehr wissen, wenn die Stände der Aussteller und Handwerker das Gelände rund um das Schlossbrauhaus bevölkern werden. Wie dieser Markt dann heißen könnte, steht ebenso in den Sternen wie das ihm zugrunde liegende Konzept. Aber, so Eva Nibbe über den Fortgang des Marktes: „Ich hoffe, ich wünsche es mir“.

Oliver Sommer

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