"Füssen goes Jazz" kommt gut beim Publikum an

Stimmgewaltig, gekonnt und bunt

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Für manchen Gänsehautmoment sorgt Andreas Kümmert am Freitagabend im Klosterhof.

Füssen – Jazz, Rock, Blues und Funk waren bei „Füssen goes Jazz 2016“ zu hören. In nackten Zahlen ausgedrückt bedeutet das: drei Festivaltage, sechs Schauplätze in der Altstadt, 14 Solisten oder Ensembles und 18 Auftritte. Nur einmal wurde vom Publikum Eintritt verlangt – beim Gastspiel von Konstantin Wecker.

Der ist so bekannt, dass eigentlich jeder wissen müsste: auf der Konzertbühne ist Jazz des Weckers Sache nicht. Die Publikumsschar strömte zu diesem großartigen Liedermacher in den Klosterhof, wo aus Sicherheitsgründen nach 600 Personen Schluss sein musste. Die Zahl wurde locker auch am Abend zuvor erreicht, als sich hier San2 & his Soul Patrol und der stimmgewaltige Andreas Kümmert nacheinander die Ehre gaben.

Sie servierten den Zuhörern recht lautstark ihre Nummern, wie aus älteren Publikumskreisen zu hören war, anderen jedoch gerade deshalb gefallen hatte.

Passanten bleiben stehen

Das erneut fürs Programm verantwortliche Duo – Katja Kalbanter von Füssen Tourismus und Marketing und Sabina Riegger – konnte beweisen: Gut gespielte Live-Musik hat sein Publikum. Das setzte sich aus Einheimischen und Urlaubern unter blauem Himmel zusammen. Zahlreiche Passanten blieben am Samstagvormittag stehen, um dem Spiel auf der Gitarre zu lauschen, das der 83-jährige Walter Catulla aus Reutte zelebrierte. Da laut Catulla Helmut Winkelmeier, sein Musikpartner, mit 65 Jahren vor kurzem plötzlich verstorben sei, bildet er nun mit dem Gitarristen Kurt Sattelberger ein neues famoses Gespann.

In den Jahren zuvor hieß der Ort des Auftritts mit „Gipsy Jazz“ noch Franziskanerplatz, wo es romantischer nicht sein könnte. Beide Musiker wirkten ob ihres leisen Spiels doch etwas verloren auf dem Schrannenplatz.

Eine "super" Show 

Hierher passte tags zuvor Hans Greiter mit seiner Band. Für ihre Rock- und Bluestitel gab es vom Zweiten Füssener Bürgermeister Niko Schulte ein Sonderlob. „Die sind super“, lobte Schulte die Show des Trios.Wie am Schrannenplatz war am Brotmarkt keine Bühne aufgebaut. Unterm Zeltdach bei Hitze gelang es den Mitgliedern der Masako Sakai Band ihre Fangemeinde zu vergrößern. Zur neuen Band der japanischen Pianistin mit Wahlheimat Füssen gehören Bassist Oliver Radke aus der Brunnengasse, Lazlo Demeter am Schlagzeug aus Reutte und der Allgäuer Gitarrist Manne Reichenegger, dessen Soli bei den Zuhörern hervorragend ankamen.

Füssen im Jazzfieber

Das gilt auch für die perlenden Pianoklänge von Masako Sakai, die ein klassisches Klavierstudium absolviert hat, aber bekennt: „Ich spiele so gern Jazz!“ Es war eine gute Idee der Veranstalter, die Masako Sakai Band aus dem Füssener Land gleich an zwei Tagen zu präsentieren. Anders als gewohnt, war am Stadtbrunnen keine echte Bühne aufgebaut. Musiziert wurde unterm weißen Baldachin.

Der beste Schlagzeuger 

Als Stars des zweiten Festivaltags wurden gefeiert: Max und Moritz Kinker – Vater und Sohn an den Drums und am Bass – der tolle Christian Wegscheider und der stimmgewaltige Mel Canady. Zum Auftritt des Quartetts auf der Bühne im „Sonnengarten“, sagte Gerhard Bumann, der gerade noch einen Stuhl im vollbesetzten Auditorium ergattern konnte: „Max Kinker ist der beste Schlagzeuger in Deutschland.“

Jedes Jahr sei das Festival schön, betonten Mechthild und Hans-Jörg Neumeyer, die es am Samstagnachmittag an unterschiedliche Auftrittsorte zog. Orientierung gab dabei das Programmheft. Dieses aber in Gasthäusern abzulegen, war keine gute Idee. Amateurmusiker Bumann leistete hier einen spontanen Service, als er einen Packen Programme aus einem Wirtshaus holte und gut sichtbar neben der Band am Geigenbauerbrunnen deponierte.

Blitzschnell waren diese Hefte vergriffen. Bumann schmunzelte über diese gelungenen Aktion: „Man konnte ja nicht davon ausgehen, dass die Leute auswendig gelernt hatten, was in den Anzeigen in den Zeitungen stand.“ Ganz in den Hintergrund trat an den Festivaltagen eine eigentlich wichtige Frage: Warum war von Freitag bis zum Abschluss am Sonntagvormittag mit dem Gospelchor hier nur so wenig Jazz zu hören?

Chris Friedrich

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