Bergwacht Füssen-Schwangau muss immer häufiger ausrücken

Am Wochenende herrscht Alarm

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Die langjährigen Mitglieder der Bergwacht Füssen: Josef Eckard (v.l.), Florian Köpf, Hannes Bruckdorfer (stellv. Bereitschaftsleiter), Kassier Markus Albrecht und Bereitschaftsleiter Martin Steiner sowie Herbert Schwarz.

Schwangau/Füssen – Im Schnitt jeden dritten Tag mussten die Frauen und Männer der Bergwachtbereitschaft Füssen-Schwangau im vergangenen Jahr ausrücken, um Menschen in Not zu retten. Diese Bilanz zog die Bereitschaftsleitung am Freitagabend in der Jahreshauptversammlung.

Vor allem viele Förderer waren diesmal zur Versammlung nach Schwangau gekommen, da natürlich der Neubau der Bergrettungswache das beherrschende Thema war.

 Zu 129 Einsätzen, so viele wie bisher nur 2011 – seinerzeit waren es 140 Einsätze – mussten die 51 aktiven Bergretter, darunter zwei Frauen, im südlichen Ostallgäu im vergangenen Jahr ausrücken.  Der längste dauerte dabei über 14 Stunden, eine Rettungsaktion für Bergsteiger, die den Weg in der Dämmerung verloren hatten.

Auch eine ebenfalls nächtliche Rettungsaktion an der Hornburg war dem stellvertretenden Bereitschaftsleiter Hannes Bruckdorfer im Gedächtnis geblieben. Noch mehr zum Nachdenken regen aber andere Zahlen an. Denn fast 60 Prozent der Einsätze der Bergwacht finden unter der Woche statt, wobei der Freitag den Spitzenplatz hält, gefolgt vom Samstag, wie Bruckdorfer in seinem Einsatzbericht zusammengefasst hatte.

Und auch wenn es so scheint, werden nach wie vor drei Viertel aller Einsätze ohne Luftunterstützung, also zu Fuß und mit der Gebirgstrage abgewickelt, dabei ist der Tegelberg mit 61 Prozent immer noch das Haupteinsatzgebiet.

 Doch mindestens ebenso viel Zeit investieren die Bergretter in die Aus- und Weiterbildung, fast 2900 Stunden – das entspricht 120 Tagen – in Wissen und Fertigkeiten der Retter investiert. Bei 76 verschiedenen Ausbildungen ging es unter anderem um die jahreszeitbedingte Bergrettung, mit der Gebirgstrage im Sommer und dem Akia im Winter, um Naturschutz, Fahrzeuge und die Weiterbildung zum Einsatzleiter.

Sehr wichtig, so Ausbildungsleiter Georg Seel, sei auch die Übung mit dem Hubschrauber. Derzeit stehen acht Bergwacht-Anwärter in den Startlöchern, wobei zwei derzeit beginnen, während die anderen sechs bereits einen der beiden Eignungstest bestanden haben.

Als besonders positiv in Erinnerung geblieben sei die gemeinsame, große Lawinenübung mit den benachbarten Bereitschaften am Tegelberg. Zu den neuen Bergrettern, die ihre Ausbildung im vergangenen Jahr abgeschlossen haben, gehört auch Dr. Irene Epple-Waigel.

Treue Mitglieder

 Darüber hinaus, freute sich Bereitschaftsleiter Martin Steiner, gehören fünf seiner Männer zum Bergwachtausbildungsteam Bayern. Auch neun Jugendliche sind im Team Steiners, die ebenfalls fleißig geübt und an der Ausbildung teilgenommen hatten. Doch nicht nur Nachwuchs gibt es in der Bereitschaft und Anwärter, sondern auch alte Bergfexe, die teils schon in jungen Jahren sich zur Bergwacht gemeldet hatten und seitdem verlässlich bereitstünden, um zu helfen, erinnerte Martin Steiner.

So konnte er unter anderem seinen Stellvertreter Hannes Bruckdorfer auszeichnen, der schon mit 16 Jahren zu Bergwacht gegangen war, seit elf Jahren stellvertretender Bereitschaftsleiter ist und mit großem Elan bei der Rettungshundestaffel und damit auch bei der Lawinenrettung dabei sei.

Als Franke im Team gehört auch Josef Eckart seit 25 Jahren dazu, seinerzeit in Rottach-Egern dazu gestoßen, wechselte der Lehrer nach seiner Versetzung zur Bereitschaft Füssen. Wo ihn doch höhere Anforderungen erwarteten, wie er zugab, insbesondere beim Skifahren.

Seit 50 Jahren dazu gehören Herbert Schwarz und Alfred Köpf. Beide waren in einer Zeit dazugekommen, als die Tegelbergbahn fertiggestellt wurde und insbesondere hier sehr viele Skifahrer gerettet werden mussten.

Anerkennung der Bürger 

Respekt zollte Niko Schulte (CSU) als zweiter Füssener Bürgermeister der Arbeit der Bergretter und griff dabei den Satz Steiners auf, indem er meinte: „Schön, dass es euch gibt“. Es komme nicht oft vor, dass man in einem Jahresbericht einmal die Zahlen sehe, die hinter der ehrenamtlichen Arbeit stecken, so Schulte. Er habe „Respekt für jeden von euch“. Auch er reklamierte, dass der die Tourismusbranche bei den Unterstützern für den Neubau vermisse, aber immerhin gebe es die Anerkennung der Bevölkerung.

Präzise geplant und kurz vor dem Zielanflug, so beschrieb Schwangaus Bürgermeister Stefan Rinke die Bemühungen um den Neubau der Bergrettungswache. Die Bergretter seien Spezialisten für besondere Aufgaben und sie wären nicht die Bergwacht, wenn sie diese Aufgaben, wie auch die Spendenaktion, nicht professionell mit Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit angehen würden.

Oliver Sommer

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