Hochwasserschutz an der Vils feierlich eingeweiht

Garant für Sicherheit

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Bürgermeisterin Michaela Waldmann (Mitte) und die Landtagsabeordnete Angelika Schorer (links)bei der Einweihung der neuen Hochwassserschutzanlagen in Pfronten.

Pfronten – Noch immer ist das Pfingsthochwasser von 1999 in den Köpfen der damals Betroffenen präsent. Am Donnerstag wurde in Pfronten nun die Fertigstellung der Hochwasserschutzmaßnahmen gefeiert, die der Bevölkerung mehr Sicherheit bei künftigen Ereignissen dieser Art bieten sollen.

Es sei ein Termin mit besonderem Stellenwert, meinte Bürgermeisterin Michaela Waldmann, der Anlieger, Betroffene von damals, aber auch Politiker und die Vertreter der zuständigen Behörden nun zusammengebracht habe. Mehr als sechs Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren dafür investiert. Ob man seitens des Wasserwirtschaftsamtes gut geplant hat, sollten die Anrainer der Vils und der Faulen Ache mittlerweile wissen.

Denn zur Begrüßung hatte Karl Schindele, Leiter der Wasserwirtschaft, gleich schlechte Nachrichten dabei – eine Unwetterwarnung mit Dauerregen für das Ostallgäu über die Feiertage. Dass an Vils und Ache nichts mehr passieren soll, dafür ist Mohr zuständig. Gemeinsam mit den Männer der Flußmeisterstelle Füssen um Gerhard Mayer war er in den vergangenen fünf Jahren dafür zuständig, frühere Bausünden entlang des Flusses auszumerzen und die Wohnbebauung nachhaltig gegen ein 100-jähriges Hochwasserereignis mit „Klimafaktor“, zu schützen.

Was das heißt, verdeutlichte Mohr in Zahlen: 172,5 Kubikmeter Wasser rauschen bei einem HQ100+Klima pro Sekunde durch das Bachbett. Wassermassen, die die um 1900 umgebaute Vils nicht mehr stemmen, das heißt ableiten konnte, wie Mohr berechnet hat. So konnte das Eindringen des Wasser in en Kernort 1999 nur mit Hilfe der Feuerwehr verhindert werden.

Weiteres Bachbett

 Es sei ein Paket an Maßnahmen, so Bürgermeisterin Michaela Waldmann, das man als Konsequenz aus dem Pfingsthochwasser umgesetzt habe. Man habe zunächst die Ufermauern westlich der B309 erhöht. „Außerdem wurde die Vils von der Mündung der Steinernen Ach bis hoch zur Eisenbahnbrücke ausgebaggert und tiefer gelegt. Zusätzlich konnte ein 700 Meter langer Deichabschnitt nach Stand der Technik hergestellt werden.“

Seit Mai 2010 sei der Fluss ausgebaut worden, vor allem habe man das Bachbett um durchschnittlich zehn Meter aufgeweitet. Denn: Je größer der Querschnitt, desto besser verteilt sich das Wasser. Dafür musste auch die Stoffelbrücke neu und breiter gebaut werden . Außerdem wurden die Deichbauten entlang des Flusses auf einer Länge von neun Kilometern ertüchtigt. Dadurch habe man mehrere Gewerbebetriebe und Siedlungen schützen können. Die Kosten dafür belaufen sich auf 4,7 Millionen Euro.

Vier Bauabschnitte

 In vier Bauabschnitten sei der Fluss nicht nur umgebaut, sondern auch renaturiert worden. „Es wurde ein strukturreiches Gewässer geschaffen, worin Fische neue Laichplätze finden“. Man habe 4,7 Millionen Euro für die drei Kilometer lange Strecke zwischen Zirmenbrücke und der B309 in Heitlern veranschlagt, berichtete Waldmann. Wobei die Deichsanierung nach dem Stand der Technik erfolgt sei mit einer 3,5 Meter breiten, befahrbaren Krone und flachen Böschungen.

Deutlich kürzer dauerten die Arbeiten für den Hochwasserschutz an der Faulen Ach. Im Gegensatz zur Vils, die als Gewässer erster Ordnung in die Zuständigkeit des Freistaates fällt, musste Pfronten ganz allein für die Ertüchtigung dieses Gewässers aufkommen. Durch den Ausbau sei eine moderne Infrastruktur für das Quartier entstanden, denn es wurden im Zuge der Baumaßnahmen alle Sparten, also Gas, Trinkwasser, die Stromleitungen und die Verrohrung neu erschlossen. Auf einer Länge von gut einem halben Kilometer, so Waldmann, sei die Faule Ach nun für ein HQ100+Klima gerüstet.

 Für den Ausbau musste auch hier eine Brücke erneuert werden. Man habe schlussendlich noch das Hangwasser am Panoramaweg gefasst, einen Kiesfang gebaut und den Weg mit einer Hangsicherung versehen. Ein im doch recht engen Tal nicht zu vernachlässigender Aspekt, wie Martin Mohr weiß. Denn neben Gefahren des Wassers gilt es hier auch die alpinen Gefahren – Murgänge, Lawinen und andere Massebewegungen – in die Überlegungen miteinzubeziehen. Alle Maßnahmen miteinander seien „ein unbeschreiblicher Gewinn für die Bürger, die in diesem Bereich leben“, so Bürgermeisterin Waldmann. „Mit den angefangenen Maßnahmen müssten wir in Zukunft bei Hochwasser Sicherheit haben“.

Lob von Schorer

 Die nun abgeschlossene Maßnahme ist eine der größten ihrer Art im Allgäu, wie die Landtagsabgeordnete Angelika Schorer (CSU) berichtete. Sie teilte sich das Wort mit Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU). Man habe seit 2001 mehr als 50 Millionen Euro für 50 Maßnahmen für den Hochwasserschutz im Allgäu ausgegeben, so Schorer, und sei erfreut, dass insbesondere die Maßnahme in Pfronten günstiger umgesetzt werden konnte als geplant. So konnte die Kostenvoranschläge aus dem Jahr 2007 trotz der langen Bauzeit gehalten werden.

 Schorer erinnerte auch daran, dass Wasser nicht nur Gefahr, sondern auch Quell des Lebens sei, wie man im vergangenen Jahr gemerkt habe, als es zu eine Dürre gekommen sei. Um die Sicherheit für die von Menschen geschaffenen Bauwerke zu erhalten, hatten die Verantwortlichen aber doch den göttlichen Beistand gesucht. So war es an den beiden Pfarrern Bernd Leumann und Andreas Waßmern, die Baumaßnahme zu segnen, ehe die kleine Feier musikalisch und unter Mitwirkung der Naturdetektive der vierten Klasse der Grundschule Pfronten, die seit Tagen schon an der Vils und Ache forschen, ausklang.

Oliver Sommer

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