Wackeliges Entwicklungskonzept

Seit Dienstagabend liegt es den Stadträten offiziell vor, das Entwicklungskonzept zur Kernstadt Nord, also dem gut 100 Jahre alten Wohngebiet, das im Winkel zwischen der Augsburger und der Sebastianstraße liegt. Das Konzept erklärt, wie man den historischen Charakter des Areals erhalten und dort für Wohnqualität sorgen kann. Wieviel es wert ist, wird sich zeigen. Denn beim Thema Parkplatznot bahnen sich bereits Lösungen an, die dem Konzept widersprechen.

Architekt Bernd Landbrecht, dessen Büro das Konzept im Auftrag der Stadt erstellt hat, schwärmte von dem besonderen, „überregional bedeutsamen“ Charakter des Viertels. Ende des 19. Jahrhunderts seien zunächst nur Gebäude in Nord-Süd-Richtung gebaut worden, erst Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Gebäude hinzu, die durch ihre Ost-West-Ausrichtung die charakteristischen Höfe formten. Auch heute sei es noch so, dass die Wohnhäuser , die insgesamt rund 360 Wohnungen beherbergen, nur von den Innenhöfen aus betreten werden können. Diesen besonderen Charakter erhalten und für Wohnqualität sorgen, wie das geht, soll das Entwicklungskonzept aufzeigen. Es gibt jedoch keine Verbindlichkeiten vor, sondern lediglich Empfehlungen und Handlungsvorschläge an die Stadträte. Einer dieser Vorschläge lautet, die Parkplatznot in dem Quartier zu lösen, indem man drei Parkplätze im Umkreis von rund 120 Metern errichtet. Denn in der Kernstadt Nord fehlen rund 250 Stellplätze. Keinesfalls, so Landbrecht, sei es wünschenswert, dass Autos in den Höfen parken und in den meisten Fällen sei das auch gar nicht möglich. Störende Tiefgarageneinfahrten und Treppenabgangsgebäude sprechen gegen Tiefgaragen unter den Höfen, und würden das Gegenteil von dem bewirken, was man mit dem Konzept beabsichtigt hat. Wörtlich heißt es in dem gut 50 Seiten starken Heft: „Der damit verbundene Verlust an Wohnumfeld steht im Widerspruch zum grundsätzlichen Planungsansatz, das Wohnen innerhalb des Quartiers zu stärken.“ Entsprechend scharf kritisierte Landbrecht die Pläne für just eine solchen Tiefgarage, die der Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung gut geheißen hatte. Sie soll unterhalb eines der Höfe gebaut werden. „Ich muss in aller Deutlichkeit sagen, dass das falsch ist“, so der Architekt. Er warnte davor, dass Tiefgaragen „das Alleinstellungsmerkmal der Höfe zerstören“. Trotz des Widerspruchs zum Entwicklungskonzept fand die Tiefgaragenidee jedoch grundsätzliche Befürworter im Stadtrat. So etwa in Dr. Martin Metzger (BFF), der meinte, „mir ist eine sinnlose Tiefgarage lieber als dass die Autos weiter in den Höfen stehen.“ Auch Martin Lochbihler (CSU) befand die Idee für sinnvoll, Parkraum fehle schließlich überall. Dennoch Einstimmigkeit Dass die Leute bereit sind, auch mal ein paar Meter zum Auto zu gehen, meinte hingegen Günther Knauss (Bürgerblock). „Die Zielrichtung kann nicht sein, das Quartier zu verschlechtern“, erklärte er. Einstimmig hieß der Stadtrat Landbrechts Entwicklungskonzept gut. Ob es auch in allen Punkten umgesetzt wird scheint jedoch fraglich, denn einige Räte scheinen offenkundig Abstriche auch bei entscheidenden Punkten durchaus in Kauf zu nehmen.

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