Wer hat den Wein gestohlen?

Dafür, dass sie den Laib Brot geklaut hat, könnte der Richter der Magd die Hand abhacken lassen. Aber sie hat ja so an Hunger g’habt, wie sie immer wieder betont, dass noch einmal Gnade vor Recht ergeht. Wie viel Durst müssen da erst die Weindiebe gehabt haben. Aber da wurde auch der Kaiser aktiv in der Verhandlung. Wie einst vor 500 Jahren waren die Gerichtstage auch Anlass für einen ordentlichen Markt, lockten auch allerhand Volk und Gaukler in die Füssener Innenstadt.

Ob die historischen Fälle auch so ausgegangen sind – wer weiß das zu sagen. Nicht viel mehr als ein paar Sätze zur Tat habe er gefunden, beschrieb Georg Huber, wie er die Fälle und damit die Theaterstücke entwerfe beziehungsweise welche Grundlage er dafür habe. Daraus sind fünf kleine und der eine große Gerichtsfall um den Diebstahl der Fuhre Wein entstanden, die die Gäste und Füssener am vergangenen Wochenende zu sehen bekamen. Zwei Tage lang bevölkerten Vagabunden, Barden und anderes Mittelaltervolk die Gassen zwischen Brotmarkt und Schranne, wo auch der Scharfrichter zu Gange war. Daneben hatte der Verein allerhand Kaufleute organsiert, die ihre Waren feilboten. Vom historischen Bonbonmacher über Lederzeug bis zum Dattelschlepper waren zum Teil alte Bekannte in Füssen, das in diesem Jahr auf das Kaiserfest verzichten muss und statt dessen die Gerichtstage erleben durfte. Natürlich spielte auch der Kaiser wieder eine Rolle, musste er doch eingreifen, als aus den Beständen des Klosters Wein abhanden gekommen war. Der Augsburger Bischof war zu Besuch gekommen und hatte die Bestände dezimiert, weshalb sowohl die Frater als auch das Volk dürsten musste. Da tat es nicht gut, dass mit der Ersatzlieferung nur eine Fuhre Wein über den Fernpass gekommen war. Doch die Richter fanden schnell mit Hilfe der Landsknechte und des Folterknechts die Wahrheit heraus, um die Schuldigen ihrer gerechten Strafe zuzuführen, während man als Besucher das Flair und den schönen Abend in Füssen genießen konnte.

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