Rettung für artenreiche Wiesen

Bürgermeisterin Michaela Waldmann stellt die Bemühungen Pfrontens in der Landschaftspflege vor. Seit 1997 engagiert sich die Gemeinde in diesem Bereich. Seit dem wurde unter anderem der Verein Pfrontener Forum gegründet, der viele Aktivitäten anstößt. Foto: Knoll

Pfronten – Ob Heuschnaps, Heucreme oder Heutiere: Pfronten setzt bei seiner Vermarktung auch auf seine Bergwiesen. Doch artenreiche Wiesen gibt es immer seltener. Um die im Ostallgäu zu erhalten, hat Pfronten und der Landschaftspflegeverband Ostallgäu kürzlich zum Wiesenaktionstag geladen.

Hier stellten Experten den Zustand der Ostallgäuer Wiesen und Strategien vor, bevor am Nachmittag naturschonende Mäh- und Erntetechniken präsentiert wurden. Wiesen sind wichtig für die Artenvielfalt und die Biodiversität, also die Vielfalt innerhalb einer Art, zwischen Arten und der Ökosysteme, erklärte Susanne Kuffer von der Höheren Naturschutzbehörde der Regierung Schwaben. Außerdem sind sie wichtige Pufferzonen für nährstoffempfindliche Habitate wie Moore oder Magerrasen. 

Was den Kalkmagerrasen angeht, ist das Ostallgäu der bedeutendste Landkreis im gesamten Allgäu, erklärte Peter Harsch. Viele Standorte sind als überregional und landesweit als bedeutsam eingestuft. Das südliche Ostallgäu habe da weniger Probleme, im Mittel-landkreis aber gebe es kaum noch Restbestände. 27 Standorte sind hier vorhanden, aber über die Hälfte davon sind weniger als einen Hektar groß und zudem so weit voneinander entfernt, dass es zu keinem Genaustausch kommt. Weil die Pflege sich deshalb kaum lohnt, drohen die Wiesen zu verbuschen. 

Dabei würde es sich „rentieren“, sich um die Wiesen zu kümmern, so Harsch. Denn auf diesen 27 Standorten herrscht eine große Vielfalt an Gefäßpflanzen, Tagfaltern und Heuschrecken. Mehr als die Hälfte davon stehen auf der Roten Liste gefährdeter Arten, erklärte Harsch. So habe er auf einer 20 Quadratmeter großen Wiese nahe Obergünzburg 30 bis 40 Tagfalter entdeckt. Auf den restlichen 400 Quadratmetern der Wiese, die durch Trittschäden des Viehs kaputt sind, gab es hingegen keinen einzigen. 

Besonders die Intensivierung der Landwirtschaft, Biogasanlagen, Wiesen die in Ackerland verwandelt werden und die Vermaisung der Landschaft gefährden die Artenvielfalt, so Kuffer. Der Verlust an blühenden Wiesen sei dadurch „wirklich enorm“. Um die Flachland-Mähwiesen zu erhalten sollten die zwar regelmäßig aber nicht zu intensiv genutzt werden. Dabei sollte man wenig oder gar kein Dünger verwenden. Außerdem sollte der erste Heuschnitt nicht vor der Hauptblütezeit der Gräser stattfinden. Bei Berg-Mähwiesen sieht die Sache etwas anders aus. Hier sollte man unter anderem komplett auf stickstoffhaltige Mineral- oder Gülledüngung verzichten. 

Welche Fördermöglichkeiten es hier für Bauern gibt, stellte anschließend Janina Schaper von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Ostallgäu vor. Am Ende machte sie deutlich: Bei der Landschaftspflege steht Pfronten „ziemlich gut da“. Die 13-Dörfer-Gemeinde sei die beste Wiesengemeinde im Landkreis, sagte Schaper, und lobte vor allem die Leistung der Landwirte. Deren Engagement hatte die Gemeinde Pfronten und der Verein Pfrontener Forum am Abend zuvor mit einem Hoibarfest gewürdigt. Über 100 Landwirte sind dazu erschienen. kk

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