Über 20.000 Besucher und 2000 Akteure kommen zur 13. Inszenierung der Ritterspielen "Ehrenberg

Mann gegen Mann, Musik und Akrobatik

+
Ritter kämpfen in der Turnierarena um die Freiheit der Bauern in der Region.

Reutte – Lautes Gebrüll, Kanonendonner und das Klirren von Schwertern hallte am Wochenende durch die Klause Ehrenberg: 2000 Schausteller und mehr als 20.000 Mittelalterfans kamen nach Reutte, um bei der 13. Inszenierung des Mittelalterspektakels „Ehrenberg – Die Zeitreise“ dabei zu sein.

Die Zahl 13 war anscheinend eine Glückszahl, zog Hermann Ruepp, Obmann des Tourismusverbands Naturparkregion Reutte sein Fazit. Es waren „die besten Ritterspiele seit Jahren“, so Ruepp. Der Germanenjunge zückt sein Schwert, brüllt seine Angst hinaus und springt auf die Verteidigungsformation der Römer. Zusammen mit seinen drei Verbündeten versucht er die römische Übermacht zu besiegen, doch die ist einfach zu stark.

So ähnlich wie diese Szene bei den 13. Ritterspielen könnte einst eine Auseinandersetzung zwischen Römer und Germanen ausgeschaut haben. Besucher konnten sich hier nicht nur ein Bild vom Kampfstil der Germanen und Römer machen. Um Freiheit und Mut gings auch beim Ritterturnier „Der Schwarze Herzog“. Hier tauchte das Publikum in das Jahr 1345 ein: Die Allgäuer und Tiroler Bauern fordern ihre Unabhängigkeit vom Bischof von Augsburg.

Doch der hat etwas gegen die Entscheidung des Kaisers. Wer zukünftig über die Allgäuer und Tiroler Bauern herrschen soll, das soll deshalb in „drei Exerzitien der Ritterlichkeit“ entschieden werden, fordert Herold Michel von Aragon. Und so tritt der einzige Verfechter der Bauern, Gerhard von Imst, mit dem ehemaligen Kriegshelden, dem schwerhörigen Heinrich von Breslau, und dem Klosterbruder Alexander gegen den eigentlich überlegenen Bischof von Augsburg und seine Rittern an.

Mit den Lanzen heben sie sich gegenseitig aus dem Sattel, spießen Ringe auf und gehen mit Schwertern aufeinander los. Doch am Ende siegt der Underdog: Gerhard von Imst und seine Mitstreiter erkämpfen die Freiheit für die Allgäuer und Tiroler Bauern. Wer nach dieser Vorführung erst einmal eine Pause brauchte, der konnte beim Lagerleben vorbeischauen oder über den Mittelaltermarkt schlendern. Hier wurde unter anderem Entenkeulen, Langos, Baumtriezel, Met oder Apfelbier angeboten.

Spektakuläre Luftakrobatik

Daneben konnten sich Mittelalterfans mit neuen Trinkhörnern, Schwertern, Schmuck oder Umhängen ausstatten. Entspannung gabs in den Waschzubern der „Gaudium Thermale“ und einen neuen Haarschnitt beim Barbier. Kleine Besucher konnten aus Ton ihre eigenen Figuren formen oder sich im Axtwerfen oder Bogenschießen ausprobieren. Zudem konnten sie eine Fahrt im handbetriebenen „Riesenrad“ unternehmen oder sich auf dem Ritterspielplatz austoben. Für leuchtende Kinderaugen sorgte auch die Hexe Watschana mit ihrem Hexenzauber.

Germanen, Römer und Gaukler

 Ins Staunen kamen dann auch die Erwachsenen bei der Luftartistik der achtbeinigen Spinnenfrau. Diese kletterte durch ihr Netz und ließ sich an ihren Stoffbahnen spektakulär Richtung Boden gleiten. Für mitreißende Dudelsackmusik sorgte die Band Cultus Ferox. Filigranere Klänge stimmte dagegen die Band Annwn an. Der Höhepunkt des Mittelalterspektakel war aber die Schlacht um Ehrenberg. Dass es sich hier um reine Unterhaltung und um keine Verherrlichung des Kriegs handelt, machte Moderator Michel von Aragon mit Blick auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt klar.

Um das zu unterstreichen trugen zwei Darstellerinnen ein entsprechendes Plakat durch die Reihen.

Voller Einsatz

Danach wurden die Besucher ins Jahr 1547 entführt: Der Schmalkaldische Krieg herrschte zu Füßen der Burg Ehrenberg, praktisch „ein Probelauf für den 30-jährigen Krieg“, erklärte der Moderator. Der Protestant Melchior Figer versuchte die Burg gegen das katholische Heer seines Bruders Balthasar Figer zu verteidigen.

Dazu zünden die Akteure Kanonen und schießen Pfeile ab. Dass es auch beim Nachspielen recht heftig zugehen kann, wird kurz darauf deutlich: Ein Ritter wurde an der Nase verletzt. „Die Schlacht ruht, solange der Verletzte abtransportiert wird", erklärte Michel von Aragon, während die Nachfolgeorganisation der Tempelritter, das Rote Kreuz, den Verletzten versorgt. Am Ende hilft aller Widerstand nichts: Das katholische Heer erobert die Schanze und Ehrenberg liegt wieder in der Hand der Katholiken. Bis zum kommenden Jahr.

Ein erfreuliches Fazit zog am Montag Hermann Ruepp, Obmann des Tourismusverbands Naturparkregion Reutte von der 13. Inszenierung des Ritterspektakels „Ehrenberg – Die Zeitreise“: Der sonnige Samstag war der „beste Tag seit Bestehen“ der Ritterspiele, so Ruepp. Und auch der verregnete Sonntag war mit Blick auf die Besucherzahlen ein "ganz normaler tag".

Katharina Knoll

Meistgelesene Artikel

KU braucht neuen Klinik-Chef

Kaufbeuren/Ostallgäu – Dr. Philipp Ostwald, Chef der Ostallgäuer Krankenhäuser, wird seinen Vertrag mit dem Kommunalunternehmen (KU) nicht …
KU braucht neuen Klinik-Chef

Aller guten Dinge sind drei

Füssen – Im dritten Anlauf hat sich der Stadtrat auf den Bau eines neuen Kindergartens in der Dr.-Enzinger-Straße geeinigt. Bei drei Gegenstimmen …
Aller guten Dinge sind drei

"Ein Zuschussbetrieb"

Füssen – Kultur ist ein Draufzahlgeschäft: Das wurde erneut beim Rückblick auf das vergangenen Kulturjahr deutlich. Das Kulturamt hat 2016 zwar …
"Ein Zuschussbetrieb"

Kommentare