Zurück zur Natur

Allerlei Polit-Prominenz kam zur Abschlussfeier der Renaturierung der Vils. Foto: gau

Nach mehr als 70 Jahren, in denen die Vils zwischen Pfronten und der gleichnamigen Stadt im Außerfern in ein enges Korsett gequetscht worden war, darf der Fluss seit vergangener Woche wieder nach eigener Lust fließen. Zehn Jahre hat es gedauert und 7,26 Millionen Euro dabei verbaut, um der Vils ein naturnahes Bett wiederzugeben. Es sei ein Feiertag für die Stadt Vils, so Bürgermeister Günter Keller. Denn man habe ein Projekt abgeschlossen, das der Sicherheit der Bürger diene, und das komme nicht allzu oft vor. Nach zehn Jahren und einem entsprechenden Vorlauf sei nun ein Projekt fertig, so Keller, das viele Interessen unter einen Hut bringe: die des Naturschutzes, des Tourismus, die der Sicherheit und auch die Interessen der Landwirtschaft.

In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten die Ingenieure und Wasserbauer den bis dahin natürlichen Fluss in ein sehr enges und rigides Korsett gezwängt, Altarme abgeschnitten und Flussschleifen begradigt. Die Folgen davon konnte man bei den Hochwasserereignissen 1999 und 2005 sehen – Land unter auf den Wiesen entlang des Flusses. Aber auch das ökologische Gleichgewicht wurde nachhaltig gestört, die Lebensräume entlang des Flusses durch den abgesunkenen Grundwasserspiegel bedroht und der Uferschutz durch den sich immer weiter eingrabenden Fluss zerstört. So lassen sich die Problematik und auch der Anlass für die Renaturierung auf einem der Plakate nachlesen, die die Gemeinde im Stadtsaal ausgestellt hat. Dorthin hatte Keller die versammelten Politiker, neben dem Vertreter des Landeshauptmanns auch die Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf und den 2. Bürgermeister aus Pfronten, Philip Trenkle, eingeladen, um nochmals gemeinsam die Veränderungen Revue passieren zu lassen. In einem kurzen Film kam neben dem damaligen Bürgermeister Otto Erd auch der verantwortliche Ingenieur, Wolfgang Klien zu Wort und erläuterten die Baumaßnahmen. So wurde nicht nur das einstiege, von Dämmen begrenzte Bachbett aufgebrochen und von ursprünglich nur rund zehn Metern Breite auf bis zu 70 Meter aufgeweitet. Daneben wurden Altarme reaktiviert und die Flusssohle stabilisiert, der Einbau einer neuen Schwelle soll dem Fluss Energie nehmen, damit die Eintiefung gestoppt wird. Im Zuge der Baumaßnahmen, die aus Mitteln der EU, des Lebensministeriums in Wien (rund 3,1 Millionen Euro), des Landes und auch der Stadtgemeinde Vils finanziert wurden, bekam die Vils gleichzeitig drei neue Brückenbauwerke. Einerseits für die Landwirtschaft, einen neuen Fußgängersteg und eine neue Brücke im Ortszentrum von Vils. Die alten Brücken waren aufgrund ihrer Bauart Hindernisse bei den Hochwassereignissen und hatten zu einem Verschluss des Abflusses geführt, in dessen Folge Wiesen überschwemmt und die Dämme unterspült wurden. Nun sind die Lebensräume, vor allem die Augewässer, um mehrere Hektar angewachsen, zum Teil sind auch schon Tier- und Pflanzengesellschaften zurückgekehrt, die in der Folge der Flussbegradigung hier keine Lebensräume mehr gefunden hatten. Man habe, so Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Steixner abschließend, nicht nur etwas für den Schutz und die Sicherheit getan. Man habe vielmehr der Natur Natur zurückgegeben. Etwas, das den Generationen vor uns aufgrund vielfältiger Umstände nicht möglich gewesen sei.

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