Nur wenige wollen "Mein lieber Schwan" mit Simone Mutschler und Konstantin Moreth sehen

Hohes Niveau vor kleinem Publikum

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Flott im Duett: Ohne Mikro treten Simone Mutschler und Konstantin Moreth in der Revue „Mein lieber Schwan“ auf. Sie bieten auch darstellerisch eine Glanzleistung.

Füssen – Im restlos ausverkauften „Haus Hopfensee“ feiert das Publikum minutenlang mit Beifall im Stehen die Revue „Mein lieber Schwan“ mit den hervorragenden Darstellern und Gesangskünstlern Simone Mutschler und Konstantin Moreth.

So hätte jetzt die Reaktion auf dieses großartige Gastspiel sein können, eigentlich sogar sein müssen. Es war aber ein Trauerspiel, dass dieser Theaterabend vor nur 30 Zuschauern über die Bühne ging. 

Ein paar davon verließen vorzeitig die Vorstellung. Sie hatten – wie zu hören war – „Bauerntheater erwartet“. Professionell aufgeführt wurde hier eine musikalische Komödie, deren Handlung um 1930 spielt. Ein Highlight von vielen: die Interpretation von „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ aus der genialen Feder von Friedrich Holländer. 

Simone Mutschler präsentierte sich megastark. Oscar Straus, einer der Revue-Komponisten der 1920er Jahre, wird ebenfalls mit seinen Melodien zum Begleiter für Drachenkampf und Götterdämmerung im Angesicht der hier deplatzierten Schwanfigur auf der Bühne. Das Publikum spendete den beiden Akteuren so starken Beifall, wie es mit 50 Händen im Saal eben nur gelingen kann. Lag`s am Stück, dass so wenige da waren? 

Die wunderbaren Lieder waren sinnvoll einbettet in ein dramatisches Spiel um Liebe und Tod. Der Agentur – so beginnt der Abend – ist eine superpeinliche Fehlbuchung unterlaufen. Die Tingeltangeldiva und ihr Hinterhoftenor – die auch das Publikum in Hopfen vorm Auftritt im gedämpften Lichtschein zu hören bekamen – müssen für den Musikverein Walhalla Wippelsdorf singen und spielen. Die Vereinsmitglieder erwarten an diesem Abend eine konzertante Version des „Rings der Nibelungen“, die ihnen von zwei Großen der deutschen Oper geboten werden sollte. 

Der aus dem Ruhrpott stammende Autor Jan Demuth, Jahrgang 1970, lässt seine in Nöten befindlichen Künstler, die Auftrittsverbot haben, wild improvisieren. So erklingt nicht die erwartete Wagner-Musik. Das Programm besteht aus Chansons jüdischer Komponisten. Die Szenen stecken voller köstlicher Satire. Die Darsteller schlüpfen flugs in eine Reihe von Rollen: Es treten Siegfried, Sieglinde, Brunhilde, Gudrun auf - und wie sie alle heißen. 

Leiser Abtritt 

Es gibt kein Happyend. Durch Freitod mit der Pistole wird sich das Künstlerpaar dem Zugriff durch die nahenden Nazi-Schergen entziehen. Den bitteren Schluss des außer-gewöhnlichen Stücks, als „übliche Betroffenheitsnummer“ zu bemängeln – wie es ein Kritiker andernorts tat – ist in der einfallsreichen Inszenierung von Konstantin Moreth kaum möglich: Das Paar tritt nach verlorenem Überlebenskampf leise ab. Regisseur und Tenor-Darsteller Konstantin Moreth, der sich als vielseitiger Schauspieler in Fernsehserien wie zum Beispiel „Aus heiterem Himmel“ und „Tatort“ einen Namen gemacht hat, liebt die Bühne. Er ist es außerdem gewohnt, dass die Eintrittskarten für Aufführungen mit ihm weggehen wie warme Semmeln. Das passiert vielerorts. Mit einer Ausnahme: Füssen.

Chris Friedrich

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