Allgäuer Dorf: Abhaken und weiter geht’s

Was jetzt mit der Fläche passiert, die für das Allgäuer Dorf vorgesehen war, ist unklar. Die Stadt Füssen könnte es überplanen, da der Zweckverband es nun nicht mehr will. Foto: Archiv

Füssen – Der Zweckverband Allgäuer Land hat das Allgäuer Dorf aufgegeben. Am Mittwoch strich das Gremium der zehn Verbandsbürgermeister das Projekt aus seinem Aufgabenkatalog. Sie demonstrierten Geschlossenheit und akzeptierten das Scheitern des Projekts als demokratische Entscheidung.

Einstimmig änderte der Zweckverband am Mittwoch vor einer Handvoll Zuhörern im Musiksaal des FTM-Gebäudes seine Satzung. Die Verwirklichung des Allgäuer Dorfs gehört nun nicht mehr zu den Zielen des Zweckverbands, dem nun der Gewerbepark Allgäuer Land als größtes Projekt bleibt. Der Verbandsvorsitzende Paul Iacob ließ die Geschichte des Allgäuer Dorfs Revue passieren und betonte, dass keine Steuergelder in das Projekt geflossen seien. „Das ist eine weit verbreitete Mär des nicht Zeitung lesenden Teils der Bevölkerung“, sagte der Füssener Bürgermeister. 

Das Gremium der zehn Bürgermeister habe deutlich gemacht, das Allgäuer Dorf nicht umsetzen zu wollen, „deshalb müssen wir es aus der Satzung herausnehmen“, gab er an. Gescheitert war die Umsetzung des touristischen Erlebnisdorfs an der Gegenstimme des Schwangauer Bürgermeisters Reinhold Sontheimer (der Kreisbote berichtete). Der war der Entscheidung seines Gemeinderates gefolgt, der die Pläne ablehnte. Ohne ihn konnte die Versammlung keinen Bebauungsplan aufstellen, denn diese Entscheidung hätte laut Satzung einstimmig gefällt werden müssen. 

Die Bürgermeister hätten gerne an dem Projekt gearbeitet, aber „wir akzeptieren, dass einer eine andere Stellung bezieht, das ist ein demokratisches Verhalten“, sagte Füssens Bürgermeister Paul Iacob und demonstrierte so die Geschlossenheit des Gremiums. Gleich mehrere Bürgermeister betonten, dass auch sie das Allgäuer Dorf in ihren Gemeinderäten diskutiert hätten. „Wir sind alle in unsere Gemeinderäte gegangen und haben das Thema dort besprochen“, stellte Thomas Pihusch (Roßhaupten) klar. Dem pflichteten Franz Erhart (Nesselwang) und Gregor Bayrhof (Hopferau) bei. 

Landrat Johann Fleschhut gab zwar an, er könne mit der Entscheidung leben, „aber man muss sich überlegen, was bedeutet das für zukünftige Projekte“, so der Landkreischef, „Stillstand darf nicht die Botschaft dieser Sitzung sein. Die Botschaft muss sein, dass wir an einer Weiterentwicklung interessiert sind“. Der Standort südliches Ostallgäu „war gut und ist gut“, erklärte er. Am Allgäuer Dorf selbst und Projektentwickler Erwin Trimmel hatte er nichts auszusetzen: „Wir hatten es mit einem seriösen Projektentwickler zu tun“, sagte er und fügte an „ich halte das Konzept für gut“. 

Nun gelte es, sich dem Gewerbepark Allgäuer Land zu widmen, „wo es vorangeht“. Die Planungshoheit über das angedachte Erlebnisdorfgelände liegt nun bei der Stadt Füssen. Doch Paul Iacob, obwohl ein Verfechter des Projekts, will offenbar vorerst nicht die Initiative ergreifen, es auf eigene Faust durchzuziehen. Was das Allgäuer Dorf angeht, „liegt jetzt eine lange Ruhephase vor mir“, erklärte er im Anschluss auf Nachfrage. ps

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