Straßen beim Schulzentrum sollen Fahrradstraße werden

Vorfahrt für Radfahrer

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Die neue Fahrradstraße in der Mariahilferstraße soll bis zum Schulzentrum ausgeweitet werden.

Füssen – Mit dem Fahrrad ganz entspannt von der Froschenseestraße im Westen der Stadt bis zur Dr.-Enzinger-Straße im Nordosten zu fahren ohne von Autos bedrängt zu werden – das soll unter Umständen schon im kommenden Jahr möglich gemacht werden.

Denn mehrheitlich hat sich der neugegründete Verkehrsausschuss am Dienstagabend in seiner ersten Sitzung für die Ausweisung einer durchgehenden Fahrradstraße von West nach Ost ausgesprochen. Autofahrer haben sich dort also künftig den Radfahrern unterzuordnen. Dem Beschluss zufolge soll quasi die kürzlich probeweise eröffnete Fahrradstraße in der Mariahilferstraße bis zur Dr.-Enzinger-Straße verlängert werden, um vor allem die Schüler auf ihrem Schulweg und im Bereich des Schulzentrums besser zu schützen.

Konkret soll die Fahrradstraße auf den Ziegelangerweg und von dort beim Bräuhaus auf die Rupprecht-, vorbei am Kino auf die Augusten-, Feistle- und Dr. Enzinger-Straße bis zur Einmündung Augsburger Straße und umgekehrt ausgeweitet werden. Auf Antrag von Dr. Martin Metzger (BfF) soll die Umsetzung gemeinsam durch das Füssener Verkehrsamt und den Arbeitskreis (AK) Rad erfolgen.

Dieser wird künftig allerdings auf die Mitarbeit von Thomas Meiler, Verkehrsexperte der Polizei Füssen, und Verkehrsamtsleiter Manfred Schweinberg verzichten müssen. Beide erklärten nach der mit 9:3 Stimmen gefällten Entscheidung für die Fahrradstraße wegen sicherheitsrechtlicher Bedenken (Meiler) und des schlechten Klimas im AK (Schweinberg) ihren Rücktritt aus dem AK. Meiler sagte: „Der Grund ist die rechtlich sehr zweifelhafte Entscheidung für die Fahrradstraße.“

Intensive Diskussion

Tatsächlich hatte sich in der der Abstimmung vorausgegangenen intensiven Diskussion herausgestellt, dass es sowohl gute Gründe gegen die Ausweisung der Strecke als Fahrradstraße gibt als auch dafür. Vor allem in der Stadtverwaltung selbst wird an der Sinnhaftigkeit gezweifelt. Denn schon allein wegen der vielen Busse, die am Schulzentrum an- und abfahren, muss die Fahrradstraße auch für den Autoverkehr freigegeben werden. Ob also tatsächlich eine Veränderung der Situation in der Praxis erreicht werde, sei vor diesem Hintergrund fraglich.

Auch die Regierung von Schwaben, die Fahrschulen und die Polizei hätten sich gegen eine Fahrradstraße im Bereich der Schulen ausgesprochen, hieß es weiter. Als Grund wurde vor allem angeführt, dass die Regelung einer Fahrradstraße die Kinder verwirren könnte. Sinnvoller wäre möglicherweise eine Drosselung des Tempos auf zehn km/h.

Zweiter Bürgermeister Niko Schulte (CSU) konnte ebenfalls keinen Sinn in der Maßnahme erkennen. „Ich habe keine Vorteile davon, weil ich die Busse und Autos nicht von der Schule abschneiden kann“, sagte er. Und eine Tempobegrenzung auf 30 km/h und Sicherheitsstreifen für Radfahrer gebe es im Bereich der Schulen ohnehin schon.

Auch Thomas Meiler, Verkehrsexperte der Füssener Polizei, äußerte seine Zweifel. Er wies darauf hin, dass Kinder bis acht Jahre ohnehin zur Sicherheit auf dem Gehweg fahren müssen und Kinder bis zehn Jahre dies dürfen. Davon abgesehen seien die Schulwege in Füssen mit die sichersten überhaupt im Allgäu. „Bis jetzt ist nie etwas passiert“, betonte er.

Helmut Maucher, stellvertretender Leiter der PI Füssen, sprach sich ebenfalls dagegen aus. Er wies daraufhin, dass in den Ferien und im Winter kaum bis gar kein Radverkehr stattfinde. Zudem sei zu befürchten, dass ausländische Touristen damit nicht klar kämen.

Stattdessen schlug er genau wie Bürgermeister Paul Iacob (SPD) vor, zunächst das Testjahr in der Mariahilferstraße abzuwarten. „Wenn das Bewusstsein beim Autofahrer gesteigert ist, kann man das machen“, appellierte er. „Jetzt ist es noch zu früh.“

Mehrheit an Radfahrern? 

Für die Fahrradstraße setzte sich aber vor allem Dr. Martin Metzger ein. Zum einen sei dort eine Tempo-10-Zone aus rechtlichen Gründen gar nicht zulässig, erklärte er. Zum anderen hätten Zählungen der BfF ergeben, dass der Radverkehr im Bereich der Schulen klar überwiege: „Wir haben eine absolute Mehrheit an Radfahrern.“ Dass eine Fahrradstraße die Kinder verwirren könne, glaube er nicht.

Zumal auch die Landesverkehrswacht darin kein Problem sehe. „Die Argumente zählen nicht“, sagte er in Richtung der Fahrradstraßen-Gegner. „Es kann nur sicherer werden, aber nicht unsicherer.“

Umsetzung ungewiss 

Für eine Fahrradstraße sprach sich auch Andreas Ullrich (FWF) aus: „Der Riesenvorteil ist“, sagte er, „dass der Verkehr runtergebremst wird, wenn viele Radfahrer unterwegs sind, aber rollen kann, wenn keine da sind.“

Dr. Christoph Böhm von der CSU sah in der Ausweisung „ein Fanal“, um deutlich zumachen, dass der Radverkehr in Füssen bevorzugt werden soll. Für SPD-Stadträtin Ilona Deckwerth stand die Sicherheit der Radfahrer im Vordergrund. „Die Fahrradstraße ist die verbindlichere Sicherheit für Radfahrer“, argumentierte sie. „Das entschärft die Situation in den Stoßzeiten deutlich.“

Wann die genannten Straßen als Fahrradstraße ausgewiesen werden, ist derzeit noch unklar. Bürgermeister Iacob wies darauf hin, dass für dieses Jahr ohnehin kein Geld dafür im Haushalt vorgesehen sei. Die Kosten bezifferte er auf etwa 6000 bis 8000 Euro.

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