Zwei Welten

In der Vitrine, die von dem Landtagsabgeordneten Dr. Paul Wengert (rechts) in Augenschein genommen wird, liegt eine gedruckte Kopie der „Prozession“ - Oskar Freiwirth-Lützows großes Orginal hängt dagegen an der hinteren Wand. Foto: cf

Für Oskar Freiwirth-Lützow wurde in der Städtischen Gemäldegalerie im Hohen Schloss Füssen dieser Tage eine „Sonderausstellung eingerichtet“, die das Prädikat lehrreich verdient. Noch bis Ende Juli können sich Besucher hier über einen Künstler der Jahrhundertwende und sein gewaltiges Werk informieren.

Vor allem zwei Aspekte machen den Besuch dieser Würdigung des Malers lohnend. Oskar Freiwirth-Lützow, der schaffensfreudig seine künstlerischen Spuren hinterließ, hat ein Dutzend Jahre auch in Füssen gelebt. Er war 1913 nach Bad Faulenbach gelangt, wo er im Jahr 1925 verstorben ist. Neben dem Lokalkolorit, in der vor einigen Gästen eröffneten Sonderausstellung, hat das verantwortliche Kulturamt auch Wert darauf gelegt, Freiwirth-Lützow als eine Figur jener Zeit zu zeichnen, in der Kunst durch technische Reproduktion im Innenteil von Zeitschriften plötzlich Platz fand. Dank solcher Abbildungen wurde auch der 1862 in Moskau geborene Sohn eines Ingenieurs aus Potsdam umgehend dem Massenpublikum bekannt. Wer die Füssener Ausstellung besucht, kann hier sowohl das Original des Meisterwerks „Prozession in Leukerbad“ als auch einen farblich anders wirkenden Druck zur Verbreitung des Meisterwerks in einer Illustrierten bewundern. Für die Besucher der Vernissage war es darüber hinaus interessant, einzelne Figuren, zu denen Freiwirth-Lützow markante Skizzen angefertigt hatte, im langen Zug der dargestellten Prozession wieder zu entdecken. Gerätselt wurde über den möglichen Weg dieses Kolossalgemäldes in den Saal des Ausstellungsgebäudes mit normaler Tür und kleinen Fenstern. Eine Klappvorrichtung, wie Thomas Riedmiller vom Kulturamt erläutert, dient dazu, bei Transporten ein solches Riesenformat stark zu verkleinern. Spannend – so hieß es aus den Reihen der ersten Ausstellungsbesucher – sei die Schau, weil der Künstler die zwei Welten zeige, in denen er lebte. Möglicherweise könnte auch der damals ungewöhnliche Doppelname dafür ein Symbol sein. Die eher banale Erklärung dafür ist: Karolina Lützow war in zweiter Ehe verheiratet – und ihr Mann, Ingenieur Oskar Freiwirth, adoptierte Lützows Sohn Oskar, der sich mit dem begonnenen Ökonomie-Studium nicht anfreunden konnte und sich Schritt für Schritt zum weltläufigen Malerfürsten entwickeln sollte. "realistische" Bilder Im Atelier – wo ihn die Füssener Ausstellung eingangs zeigt – hat er ebenso gern Portraits wie Landschaften in Öl auf die Leinwand gebannt und dafür eine auf Experimente verzichtende Form der Darstellung gewählt. Sie gefiel, weil sie von den Zeitgenossen als „realistisch“ angesehen wurde. St. Petersburg und Genf, Düsseldorf und Paris – auch Rom wäre hier zu nennen: Im Flyer zur Sonderausstellung sind die vielen Stationen dieses Künstlerlebens beschrieben. Freiwirth-Lützow arbeitete als freier Künstler in München. Ihn zog es in die Metropolen Europas, doch es musste nicht immer so mondän sein. Der Betrachter im Hohen Schloss genießt stille Werke mit Szenen aus dem beschaulichen Wallis. Dieser Künstler hat sich nicht ins Atelier zurückgezogen, sondern engagierte sich für seine Zunft - und den Bilderverkauf. Von gesellschaftlichen Auftritten erholte er sich zunächst gern bei freien Tagen in Bad Faulenbach. Aus dem Sommergast sollte ein Bürger werden, der in den Villen „Maria“ und Edelweiß“ residierte. Im Jahr 1917 begann der letzte Abschnitt seiner künstlerischen Karriere, die Oskar Freiwirth-Lützow einst von Schwabing aus gestartet hatte. Die Sonderausstellung im Hohen Schloss können Interessierte von Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr besichtigen.

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