Bleicher wirft hin – Trainingsstreit eskalierte: Wieviel Training ist gut? Bleicher verbittet sich Einmischung und zieht die Konsequenzen

Marcus Bleicher hat die Konsequenzen gezogen. Fotos (2): Thomas Sehr

Der SC Riessersee steht einen Monat vor Saisonbeginn in der 2. Bundesliga ohne Trainer da. Denn Marcus Bleicher teilte am Montag Geschäftsführer Ralph Bader mit, dass er von seinem Amt zurücktritt. Der Grund: Es gab Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden.

Marcus Bleicher wollte ab Anfang September mittwochs einmal trainieren lassen, Ralph Bader zweimal. „Der Geschäftsführer und ich hatten unterschiedliche Auffassung vom Eishockey. Ich bin für das Sportliche verantwortlich. Das hat jetzt drei Jahre sehr gut funktioniert. Wenn man mir dreinreden möchte, dann ist man bei mir an der falschen Adresse. Denn sonst hätte man mich nicht eingestellt. Und ich wäre auch nicht so erfolgreich gewesen. Wie, wann und wo trainiert wird, das entscheidet der Trainer und niemand anderer“, betont Bleicher, während Bader folgender Auffassung ist: „Die Spieler und der Trainer, die Profis sind, sollten auch tagsüber beschäftigt werden, denn sie sind Angestellte und haben auch gewisse Arbeitszeiten zu erfüllen. Ob diese auf dem Eis, außerhalb des Eises oder für PR-Termine genutzt werden, kann immer individuell entschieden werden.“ Die Nachricht schlug am Montagvormittag ein wie eine Bombe. Der SC Riessersee hat keinen Trainer mehr, Marcus Bleicher trat mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Chefcoach des SC Riessersee zurück, mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison in der 2. Bundesliga, die am 23. September beginnt. Die Spieler, die die Nachricht am Vormittag nach dem Training erfahren hatten, waren davon genauso überrascht wie die Fans. Der Grund für die Trennung waren unterschiedliche Auffassungen zwischen Bleicher und Geschäftsführer Ralph Bader bezüglich des Trainingsumfangs der Spieler. Knackpunkt waren die Trainingseinheiten an den jeweiligen Mittwochen ab dem 7. September. Bleicher wollte die Spieler dann einmal auf dem Eis sehen, Bader zweimal. Die Meinungsverschiedenheit eskalierte, so dass Bleicher seine Konsequenzen zog. „Die 2. Bundesliga ist ein semi-professioneller bis professioneller Bereich. Ein bestimmtes Trainingsvolumen ist unbedingt erfor- derlich. Da nur bester körperlicher Zustand der Spieler und nicht das Geld unsere Ressource ist, kann Erfolg nur über gezielte Trainingssteuerung erreicht werden. Marcus Bleicher war der Meinung hier genüge ein geringerer Aufwand als in der Oberliga. Dem kann man nicht zustimmen“, sagt Bader. „Ich lasse mir in den sportlichen Bereich nicht hineinreden. Ich habe Ralph Bader auch nicht ins Geschäftliche reingeredet, ich habe da keine Ahnung und halte mich deshalb auch da raus. Ich trage die sportliche Verantwortung und damit entscheide ich, was, wann, wo und wie trainiert wird. Ich habe 22 Jahre lang Profieishockey gespielt, und weiß, wie es im Körper eines Profisportlers aussieht“, entgegnet Bleicher. „In der 2. Bundesliga trainiert man nicht mehr als in der Oberliga. Der Unterschied besteht in der größeren Intensität im Training und in der höheren Geschwindigkeit. Das gleiche ist in der Deutschen Eishockey Liga, da trainieren sogar einige Mannschaften weniger als ich es hier beim SCR in der 2. Bundesliga vorgehabt hätte.“ Bader betont, dass die Spieler und Trainer alle Profis seien. „Sie sollten auch tagsüber beschäftigt werden, denn sie sind Angestellte und haben auch gewisse Arbeitszeiten zu erfüllen. Ob diese auf dem Eis, außerhalb des Eises oder für PR-Termine genutzt werden, kann immer individuell entschieden werden. Auch Marcus Bleicher hat in seiner ersten Zweitligasaison als Trainer bis Mitte Dezember dienstags und mittwochs zweimal trainiert. Er hatte auch viele private Privilegien in der Oberliga, die in der 2. Bundesliga nicht mehr machbar sind.“ Bleicher meint: „Der Erfolg hat mir immer recht gegeben. Alle Teams, die ich bisher trainiert habe, waren körperlich immer fit. Ich kann die Mannschaft nicht kaputt trainieren, sondern muss aus den Spielern das Optimale herausholen. Ich bin der Trainer, also mache ich die Trainings-kkordination. Wir hatten bis zum Freitag jeweils zweimal Eistraining am Tag, dazu kommt noch das Krafttraining. Mann muss dann das Pensum auch runterfahren. Die Akteure müssen auch regenerieren, dass siedann zum Punktspielauftakt top fit sind. Ich habe, egal ob ich beim SCR oder in Kaufbeuren als Trainer war, am Mittwoch während der Saison immer einmal trainierten lassen. Die Leute aus dem Umfeld waren alle zufrieden mit meiner Arbeit. Als ich Trainer beim SC Riessersee war, ist man mit mir auch finanziell immer erfolgreich gefahren und man konnte schwarze Zahlen schreiben. Außerdem haben meine Mannschaften immer attraktives Eishockey gezeigt.“ Bader versucht die Fans zu beruhigen und betont: „Wir bitten alle Eishockey Anhänger des SC Riessersee nicht nur aus Sympathie zu Marcus Bleicher die Situation zu bewerten, sondern auch sachlich zu bleiben und sich in die Situation eines Clubs zu versetzen. Wir müssen Verantwortung übernehmen und nicht nur handeln, wenn es zu spät ist, sondern auch vorbeugend arbeiten. Der SC Riessersee wurde Oberligameister, weil alle zusammengehalten haben und auch die Spieler viele Dinge selbst in die Hand genommen haben. Vieles dringt nicht an die Öffentlichkeit, deshalb sollte man als Außenstehender nicht gleich jeden, der die Verantwortung tragen muss verurteilen. Auch uns tut die Entscheidung, vor allem menschlich leid, aber sie wurde von Marcus Bleicher getroffen und nicht von der GmbH.“ Bleicher sagt: „Es ist sehr schade, aber ich musste hier konsequent sein: Ich wünsche der Mannschaft alles Gute.“ Nun also muss Bader kurzfristig einen neuen Trainer für das Team finden. „Wir hatten einen steinigen Weg, den wir zusammen gemeistert haben. Jetzt müssen wir nach vorne schauen.“ Das Training übernehmen in der Zwischenzeit die Spieler Hardi Wild, Sepp Staltmayr, Florian Vollmer und Tim Regan. Der neue Co-Trainer Andras Raubal ist derzeit im Urlaub. „Ich kann nicht sagen, bis wann wir einen gefunden haben“, so der Geschäftsführer, der sich zu möglichen Namen ausschweigt. Fest steht, dass der Bleicher-Nachfolger Deutsch sprechen muss. Trainer, die derzeit keinen Job haben und in dieses Profil fallen, gibt es genug. Beispielsweise Markus Berwanger, der in der DEL-Saison 1995/96 beim SCR spielte und unter anderem den SB Rosenheim, die Dresdner Eislöwen und die Freiburger Wölfe trainierte. Oder Jürgen Rumrich, der schon in Garmisch-Partenkirchen als DNL-Coach tätig war und zuletzt die Straubing Tigers in der DEL coachte. Ebenfalls auf dem Markt ist Christian Brittig, der ehemalige Meistercoach des SC Bietigheim-Bissingen, der Ex-Riesserseer Torhüter Bernhard Englbrecht, der schon in Landshut und München in der 2. Bundesliga sowie die Kassel Huskies und die Hannover Scorpions in der DEL coachte sowie Dave Rich, der zuletzt in Landsberg und Bad Tölz tätig war sowie Peter Draisaitl, der im Frühjahr mit Ravensburg die Meisterschaft in der 2. Bundesliga gewann, dann aber aufhörte, da die DEL einen Aufstieg der Oberschwaben nicht zuließ. Die Karrierestationen von Marcus Bleicher: Der 43Jähriege spielte insgesamt 295 Mal in der Oberliga, 163mal ging er in der 2. Bundesliga aufs Eis und 435mal in der DEL- und der 1. Bundesliga. Er begann seine Karriere 1985 im Team des EV Füssen, mit dem er fortan in der 2. Eishockey-Bundesliga aktiv war. Bereits in seiner zweiten Saison beim EV Füssen erzielte er in 35 Einsätzen 44 Punkte und in den 17 Playoff-Einsätzen nochmals 20 Punkte. Zur Saison 1987/88 wechselte er für fünf Jahre zum Mannheimer ERC in die Eishockey-Bundesliga. In der Saison 1990/91 schaffte er den Durchbruch und kam auf 45 Skorerpunkte. Nach einem zweijährigen Intermezzo beim EV Landshut wechselte er zu Saison 1994/ 95 zum EC Hannover in die neu gegründete Deutsche Eishockey Liga. Hier blieb er weitere zwei Jahre, ehe er wieder wechselte. Diesmal ging es zum EHC Freiburg. Nach zwei Jahren in der 1. Liga Süd ging es für den gebürtigen Füssener noch einmal zurück in die Deutsche Eishockey Liga. Für die Frankfurt Lions spielte er auch im Europapokal. 1999 wechselte er zu den Harzer Wölfen nach Braunlage, ehe er in der darauffolgenden Spielzeit bei den Hamburg Crocodiles in der Oberliga Nord anheuerte. Während dieser Saison wurde er nach der Entlassung des Trainers Dieter Frenzel zum Interimscoach benannt, da er zu dieser Zeit bereits Inhaber der Trainer B-Lizenz war. 2001 wechselte er zurück zu seinem Heimatverein EV Füssen, für den er vier Jahre lang in der Oberliga aktiv war. Nach guten Leistungen wechselte er 2005/06 zum Ligarivalen EV Ravensburg. Nach nur einem Jahr in Oberschwaben wechselte er zum SC Riessersee, bei dem er nach einem weiteren Jahr Profieishockey im Alter von 39 Jahren nach der Saison 2006/07 seine Spielerkarriere beendete. Bei den Werdenfelsern war er mit 41 Punkten hinter Butzi Mayr der zweitbeste deutsche Skorer und hatte damit einen großen Anteil am Aufstieg der Werdenfelser. In der darauffolgenden Saison stieg er bei den Weiß-Blauen als Trainer ein und kam als Novize mit dem SCR völlig überraschend bis ins Viertelfinale, wo man unglücklich gegen die Schwenninger Wild Wings im siebten und alles entscheidenden Spiel den Kürzeren zog. Nachdem sein Vertrag beim SCR nicht verlängert wurde, ging er zum ESV Kaufbeuren in die Oberliga. Mit den Allgäuern schaffte er es auf Anhieb in die 2. Bundesliga. Nach einem Jahr Pause wurde Bleicher 2010 erneut Trainer des SC Riessersee. Er war damit seit Joschi Golonka der erste Coach, der zu den Werdenfelsern zurückkehrte. Mit den Weiß-Blauen holte er in seiner insgesamt dritten Saison als Trainer zum zweiten Mal den Titel in der Oberliga.

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