Der Brexit: Zwei Briten, zwei Meinungen

Goodbye EU?!

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Der Brexit: Wie entscheiden sich die Briten heute?

Region - Der Brexit ist in aller Munde. Die große Frage: Bleiben sie drin oder gehen sie raus? Heute wählen die Briten noch bis 23 Uhr und entscheiden über die Zukunft ihres Landes. Man könnte behaupten, Großbritannien sei ja sowieso abgekapselt: Die Briten haben immer noch ihre eigene Währung (Pfund), sie sind nicht am Schengen-Abkommen beteiligt und dem Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin haben sie sich auch nicht angeschlossen. Aber was sagen denn eigentlich die Briten, die in Garmisch-Partenkirchen leben, zum Brexit?

Redakteurin Alma Jazbec, die selbst knapp fünf Jahre in London gelebt hat, sprach mit dem Briten Philip Nicholls. Er hat ein Unternehmen in Garmisch-Partenkirchen. Ihn persönlich beeinflusst der mögliche Ausstieg Großbritanniens nicht, jedoch fände er es gut, wenn die Briten aussteigen würden. „Das könnte andere Länder dazu bewegen darüber nachzudenken, ob das alles richtig ist, was da in der EU (Anm. der Redaktion) abgeht. Ich denke, dass die Mehrzahl der Briten für einen Ausstieg aus der EU stimmen werden." Auf die Frage, warum sein Herkunftsland denn aus der EU austreten möchte, sagte er: „Die Briten wollen raus, weil sie es satt haben, etwas vor-diktiert zu bekommen. Zusätzlich steigt die Anzahl der Zuwanderer auf 300000 im Jahr – und das ohne die Flüchtlinge. Diese (Zuwanderer) werden dann bei der Haus- und Wohnungssuche oftmals vor den eigenen Landsleuten bevorzugt.“ Das verärgert den seit 1979 in Deutschland lebenden Unternehmer. Finanziell gesehen muss sich die EU ihr Geld dann wo anders holen, denkt Nicholls. „Für Großbritannien ist es eine neue Freiheit und die Briten können diese nutzen, um anders zu denken und Sachen im positiven Sinne zu bewegen.“

Pfund und Aktien werden fallen 

Barry Caselton, Inhaber des Auktionshauses und Antiquitäten Merry Old England in Garmisch-Partenkirchen hofft, dass die Briten sich heute gegen den Brexit entscheiden. „Der Ausstieg wäre für Großbritannien nicht gut. England fährt besser mit der EU. Für mich, ist es mit der Nato zu vergleichen. Ich denke, dass der wirtschaftliche und touristische Schaden nicht klein sein wird. Auch die Börse wird es hart treffen. London ist dann für den europäischen Aktienmarkt nicht mehr interessant. Das Pfund wird fallen und somit auch die Aktien“, sagte er im Interview.

Er hätte auch wählen gehen dürfen, jedoch dauerte die Registrierung zu lange. Immerhin haben sich 46 Millionen Leute angemeldet, sagte Caselton. Wie das Ergebnis aussehen würde? „50/50 – dann sehen wir, was passiert“, sagte der britische Staatsbürger.

In Großbritannien studierten 2012 um die 197000 (The Guardian 2012) ausländische Studenten. Die Gebühren variieren – je nach Herkunftsland, ob EU – oder nicht EU-Land. „Das wird sich auch ändern. Die Universitäten werden unattraktiv für die Schüler aus anderen EU-Ländern. Außerdem gibt es viele Briten, die nach Deutschland kommen, um ein Studium zu absolvieren, da es hier weniger kostet“, so Caselton. Er denkt, dass sich für die EU allerdings nicht viel ändern wird. Für sein Unternehmen sieht er allerdings Nachteile. „Ich kaufe viel in Großbritannien und in den USA. Der Import und Export wird da schwieriger“, sagte er.

Martin Schulz, EU-Parlamentspräsident, warnte die Briten eindringlich vor den Folgen eines Austritts. „Wer geht, geht“, sagte der SPD-Politiker der Zeitung „Tagesspiegel“ am Mittwoch. Wie es dann für die EU und Großbritannien weitergeht? Sollten die Briten im Volksentscheid heute für einen EU-Austritt stimmen, ist dieser in den EU-Verträgen deutlich geregelt. „Jeder Mitgliedstaat kann im Einklang mit seinen verfassungsrechtlichen Vorschriften beschließen, aus der Union auszutreten", so heißt es in Artikel 50 des Vertrags von Lissabon, der im Jahr 2009 in Kraft getreten war. Großbritannien und die EU müssten sich dann zunächst in Verhandlungen auf die genauen Bedingungen einigen.

Von Alma Jazbec

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