Bayern 1 streicht Volksmusik aus Programm – Radio Oberland bleibt der Heimatmusik treu

Geht bayerische Identität verloren?

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Die Sendeleiter von Radio Oberland Corinna Schuster und Dennis Burk bauen das Angebot an Volksmusik eher aus, anstatt es einzustampfen.

GAP – Bayern 1 streicht ab dem 15. Mai die letzten Volksmusiksendungen aus dem Programm. Sowohl die Stunde am Abend zwischen 19 und 20 Uhr, als auch der Frühschoppen am Sonntagvormittag, „ziehen um in das digitale Zeitalter“, dass sich „BR Heimat“ nennt. Für Trachtler, Musiker, Fans und viele andere Zuhörer war diese Nachricht wie ein Schlag in die Magengrube.

Bayern 1 sieht die Programmänderung als „Umzug“ und erklärte in seiner Mitteilung: „Die Volks- und Blasmusikfreunde haben damit eine neue Heimat gefunden, viele von ihnen sind bereits von Bayern 1 zu BR Heimat gewechselt. Ab Pfingsten ziehen die Volksmusiksendungen, die bisher auf Bayern 1 laufen, dann komplett zu BR Heimat um.“ Das Team von BR Heimat sei glücklich über den Erfolg, wie sie schreiben, allen voran Wellenchef Stefan Frühbeis: „Es passiert nicht täglich, dass ein neues Radioprogramm aus der Taufe gehoben wird. Dass der BR der Volks- und Blasmusik eine eigene, neue Heimat gegeben hat, ist ein Geschenk, für das wir sehr dankbar sind. Wir, die Programm-Macher, freuen uns wie die Schneekönige über die hohe Akzeptanz der neuen Welle – und ganz besonders auch darüber, dass wir mit unserer Arbeit so vielen Menschen Freude bereiten.“

Aber ist die Freude bei den Hörern über den Umzug wirklich so groß? Ist die Akzeptanz denn wirklich da? Johann Neumeier, ehemaliges Mitglied des Landtags, ist empört. Er schrieb an den Kreisboten: „Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen, ein Kreis mit blühender Volks- und Blasmusik, wird sicherlich nicht ohne Nebengeräusche hinnehmen, dass der BR diesen Bereich ganz aus dem Programm des BR 1 streicht. Der Verweis auf das Digitalradio ist schlicht eine Frechheit und die sollten wir uns nicht gefallen lassen.“ Er schrieb einen ähnlich lautenden Brief an Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Wir wagten eine kleine Umfrage in Garmisch-Partenkirchen, genauer gesagt am Marienplatz. Der Tenor war zwiegespalten. Einige Befragte reagierten verärgert über die Programmänderung. „Wir zahlen Rundfunkgebühren und die machen einfach, was sie wollen. Ich dachte das Öffentlich Rechtliche hätte einen Bildungsauftrag? Das ist wohl mittlerweile nicht mehr so. Da geht es nur noch ums Geld“, so ein Herr aus Garmisch. Einige reagierten aber auch gelassen. „Mir ist des egal, wenn ich ehrlich bin. Ich höre die bayerische Musik auf Bayern 1 sowieso nicht. Ich höre Radio Oberland. Vor allem am Sonntag.“

Stimmt! Bayern 1 ist ja nicht der einzige Sender, der Volks- und Blasmusik spielt. Das lokale Radio Oberland hat sogar drei Sendungen in diesem Genre und findet dieses auch wichtig. „Für Radio Oberland spielt die Volksmusik auch weiterhin eine große Rolle. Seit es unseren Sender gibt, gibt es auch unsere Volksmusiksendungen. Am Anfang noch mit Hannes Krätz und dem Hannesla Toni. Seit fast 15 Jahren sind Marlene Nöhmeier und Alfred Sperer jeden Sonntagvormittag, Montagabend und an den Feiertagen auf Sendung“, so die Stellungsnahme der Sendeleiter Corinna Schuster und Dennis Burk.

Bei Radio Oberland wird das auch so bleiben. Das Regionalradio baut das Angebot sogar noch weiter aus. Auch weil es die Jugendlichen in der Region gerne hören. „Zum Beispiel mit unserer Sendung Aufdraht am Samstagabend von 19 bis 20 Uhr mit Florian Möckl. Und dann gibt’s seit einem Jahr täglich unsere Heimathits. Da spielen wir alles, was es an bayerischer und österreichischer Musik so gibt: von Django 3000, Claudia Koreck und Stefan Dettl über Hubert von Goisern und Werner Schmidbauer bis hin zu den Klassikern von der Spider Murphy Gang, EAV oder Austria 3. Unseren Hörern wollen wir in Anbetracht der aktuellen Diskussion nur sagen: Volksmusik und Radio Oberland – das passt auch weiterhin gut zusammen.“

Ob sich das digitale Radio durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Für die jüngere Generation ist es im Zeitalter von Smartphone und Co. sicher keine schlechte Idee. Der BR sieht seine Programmänderung positiv und gibt der Volksmusik eine „neue Heimat“. Vielleicht sollte man manchmal einfach in seiner alten Heimat bleiben, oder?

Eine politische Entscheidung

Florian Möckl ist selbst Musiker bei der Koitabach-Musi aus dem Werdenfelser Land und Moderator der Sendung „Aufdraht“ bei Radio Oberland. Er findet die Programmänderung sehr schade. Auch aus der Sicht als Künstler: „Ich persönlich finde, dass es für die neue Volksmusik jetzt noch schwerer sein wird, ein breiteres Gehör zu finden. Egal, wie traditionell oder modern die Musik sein mag, die breitere Basis hat dann keine Chance und das ist für die kleineren Künstler sehr schade. Jetzt kommen nur noch die großen Plattenlabels zum Zug. Die bayerische Musik ist so vielfältig. Durch den Einheitsbrei ist sie dann sehr austauschbar. Ich denke auch, dass es eher eine politische Entscheidung war, die Volksmusik nur noch digital hören zu können. Ich selbst besitze kein digitales Radio. Viele Menschen, vor allem Ältere, sicherlich auch nicht. Da gehen viele Hörer verloren. Dem Bayerischen Rundfunk fehlt ohne dem Bayerischen die Identität. Er klingt dann vielleicht wie der Hessiche Rundfunk. “ Möckl sieht für regionale Anbieter die Änderung als große Chance und findet es toll, dass die Volksmusik dort weiterhin Anklang findet.

Von Alma Jazbec

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