"Die deutsche Einheit ist ein Wunder" – Charlotte Knobloch hielt bewegenden Festvortrag

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Dr. h.c. Charlotte Knobloch. Links im Bild Bürgermeister Thomas Schmid, rechts der Deutsche Stellvertretende Direktor Generalmajor a.D. Hermann Wachter. Foto: Ilka Trautmann

Es ist gute Tradition, dass die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und die deutsche Seite des George C. Marshall Centers anlässlich des Tages der Deutschen Einheit zu einem Festakt laden. Viele namhafte Redner und Referenten hat man dazu schon begrüßen können, so u.a. den früheren Außenminister Klaus Kinkel, Edmund Stoiber oder den früheren Innenminister Brandenburgs, General a.D. Schönbohm. Diesmal war die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Dr. h.c. Charlotte Knobloch, nach Garmisch-Partenkirchen gekommen. Sie nannte die Wiedervereinigung Deutschlands ein Wunder und rief dazu auf, „aus Liebe zu diesem Land Verantwortung zu übernehmen, für unsere Demokratie und die im Grundgesetz verankerten Werte und Freiheitsrechte.“

Der Festakt zum Tag der Deutschen Einheit wurde einmal mehr vom Gebirgsmusikkorps passend begleitet. Bürgermeister Thomas Schmid, dem die Begrüßung der Ehrengäste und Persönlichkeiten aus dem George C. Marshall Centers sowie der General- und Honorarkonsule oblag, gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass das Gebirgsmusikkorps für Garmisch-Partenkirchen erhalten bleibe – „egal was da manchem an Reform auch immer einfallen mag.“ Er zeichnete auch die Schülerinnen und Schüler des Staffelsee-Gymnasiums Murnau aus, die für ihre Aufsätze zum Thema „Deutsche Einheit“ prämiert worden waren. Der 1. Preisträger, Bernhard Stadler, wurde dann zum Podium gerufen, um seine Geschichte zu einem Fluchtversuch aus der DDR vorzutragen. Generalmajor a.D. Hermann Wachter, Deutscher Stellvertretender Direktor des Marshall Centers, erinnerte an die Ereignisse von 1989. „Nach gut zwei Jahrzehnten erscheint uns heute die Deutsche Einheit wie eine Selbstverständlichkeit, wie eine zwangsläufige Folge des Mauerfalls, doch so zwangsläufig war die Lage damals vor 21 Jahren nicht.“ Denn unter den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs herrschte keineswegs Einklang und die Idee der Wiedervereinigung rief auch bei den unmittelbaren Nachbarn, bei Verbündeten und Partnern gemischte Reaktionen hervor. Die große Mehrheit der europäischen Nachbarn aber sprach sich für die Einheit aus, ganz bewusst nannte Wachter hier die Zustimmung in Griechenland, die bei 74 Prozent der Bevölkerung lag und in Italien bei 77 Prozent. Dem gegenüber standen die Skeptiker einer Wiedervereinigung, etwa Frankreich und Großbritannien – Margaret Thatcher wird gar die Aussage zugeschrieben, dass sie Deutschland so sehr schätze, dass sie am liebsten zwei davon hätte . . . Uneingeschränkte Unterstützung aber fand die Idee bei den amerikanischen Verbündeten;  Wachter: „Ihr rückhaltloses Eintreten für die Wiedervereinigung, die aktive Unterstützung, die gerade der damalige Präsident Bush senior zeigte, sollte die Widerstände und Vorbehalte in Großbritannien und vor allem bei der So-wjetunion aufweichen. . ., denn der Kreml wollte zunächst nur die innere Einheit zulassen.“ Die Rolle der Amerikaner im Prozess der letztlich erfolgreichen Wiedervereinigung hob auch Festrednerin Charlotte Knobloch hervor, denn „die Vereinigten Staaten hatten die Wiedervereinigung seit 1945 stets selbst gefordert und als Erfüllung eines langfristigen Ziels westlicher Politik nachdrücklich begrüßt. Im Gegensatz zu den Franzosen und Briten argumentierten die Amerikaner nicht rückwärtsgewandt, sie blickten nach vorn . . .“ Ihr persönliches Schicksal als Überlebende des Holocaust verband Charlotte Knobloch mit tiefer Dankbarkeit an die USA, die 1945 ihr – ebenso wie unzähligen Menschen ganz besonders hier in Bayern – das Leben zurückgaben. „Sie haben sich dieses armen und hungernden Volkes angenommen und gaben den Menschen die Chance, ihr Land wieder aufzubauen.“ In diesem Kontext wollte Knobloch auch das unerschütterliche Vertrauen der Amerikaner verstanden wissen, mit dem sie die Wiedervereinigung Deutschlands unterstützt haben. Und einen weiteren nachdrücklichen Appell richtete Charlotte Knobloch an die Anwesenden. „Wir müssen“, so forderte sie, „eine Kultur des Erinnerns an die junge Generation weitergeben. Wir stehen immer öfter an Schwellen der Zeit, da historische Ereignisse und Epochen ihrer Genossenschaft entschwinden. Das gilt für die DDR und die deutsche Einheit ebenso wie in noch erheblicherem Maße für den Nationalsozialismus und den Holocaust.“ Nach zwei verheerenden Weltkriegen und dem Grauen des Holocaust habe Deutschland nur in einem vereinten Europa eine Chance gehabt, und Unglaubliches sei nach 1945 und ebenso nach 1990 erreicht worden. Dazu zählte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses ausdrücklich auch die Tatsache, dass in Deutschland mittlerweile wieder mehr als 100.000 Juden leben – „auch das ist ein Wunder.“

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