Erstmals gewinnt Schweizer Zugspitz-Extremberglauf – Garmisch-Partenkirchnerin Ellen Clemens holt vierten Titel bei den Damen

Mit 788 Teilnehmern feierte der Lauf eine Rekordbeteiligung. Fotos (3): Titus Fischer

Besser hätte das Wetter am vergangenen Sonntag bei der Austragung des Zugspitz-Extremberglaufs nicht sein können. Es war den ganzen Tag trocken und um die 20° C warm. Genau die richtigen Bedingungen für die zwölfte Auflage des Laufklassikers.

Schon beim Start am Morgen in Ehrwald war klar, dass es ein wunderschöner Tag werden würde. 788 LäuferInnen machten sich auf den Weg zu Deutschland höchstem Berg, nur sieben mussten aufgeben. Das bedeutete eine neue Rekordmarke. Die bisherige Bestmarke lag bei 738 aus dem Jahre 2007. „Ich bin mit der Veranstaltung sehr zufrieden und froh, dass nichts passiert ist“, freute sich Organisator Peter Krinninger. Der große Zuspruch zeigte sich nicht nur an den Teilnehmerzahlen, sondern auch dadran, dass insgesamt LäuferInnen aus 19 verschiedenen Nationen von den USA bis Nepal am Start waren. Diverse Fernsehstationen – u.a. das Bayerische Fernsehen, RTL und Servus TV – waren vor Ort und berichteten über den Lauf. Auch die Teilnehmer waren begeistert, es gab nur positive Stimmen. Vor dem Start hatte es eine Schweigeminute für die beiden Läufer, die beim Zugspitz-Extremberglauf 2008 nach einem extremen Wetterumschwung mit starkem Schneefall ums Leben kamen, gegeben. Sie waren damals mit kurzer Sportkleidung ins Rennen gegangen, obwohl es schon vor dem Start aus Kübeln gegossen hatte. Wichtig war bei den perfekten Berglaufbedingungen, sich gegen die Sonne zu schützen und genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Die Athleten waren dafür bestens ausgerüstet, egal ob mit Wasserflasche, Trinkrucksack oder Trinkgürtel. Die 17,9 Kilometer lange Route von Ehrwald über das Gatterl, Knorrhütte und Sonn Alpin führte die Teilnehmer bei bester Fernsicht durch die attraktive Landschaft entlang der deutsch-österreichischen Gren- ze bis zum Gipfel. Dank guter Bedingungen konnte der Lauf zum sechsten Mal auf diesem Streckenverlauf bis ganz nach oben auf die Zugspitze durchgeführt werden, bis 2004 war das Rennen von Partenkirchen aus gestartet worden. Bei den Männern gab es eine Premiere: Erstmals in der Geschichte des Laufes gab es einen Sieger aus der Schweiz: Woody Schoch aus Pany in Graubünden zeigte eine famose Leistung. Er hatte sich sein Rennen optimal eingeteilt und sich nicht vom Anfangstempo des Kenianers Isaac Torotich Kosgei beeindrucken lassen. Dieser hatte schnell losgelegt und lag bei Zwischenzeit an der Hochfeldern Alm, die auf 1723 Höhenmeter liegt, schon vier Minuten vor dem Verfolgerfeld. Zu diesem Zeitpunkt lag der Zweite aus dem Vorjahr, Michael Barz, bereits sechs Minuten hinter dem Afrikaner. Knapp hinter ihm lag zu diesem Zeitpunkt Andrew Syme aus Garmisch-Partenkirchen auf Rang zehn. Auf dem Weg zum Sonnalpin holte Schoch 90 Sekunden auf Kosgei auf und lag vor dem finalen Anstieg zum Gipfel, hier sind noch einmal 1,3 Kilometer mit knapp 400 Meter Höhenunterschied zu meistern, auf Rang zwei. Auf den Plätzen drei bis fünf lag das Trio Rene Fischer aus Österreich, Pavel Brydl aus der Tschechischen Republik und Barz eng beisammen. Kosgei, der vor wenigen Wochen noch einen Berglauf in der Schweiz mit zehn Minuten Vorsprung gewinnen konnte, hatte Schwierigkeiten mit dem Laufen auf dem Schnee gehabt, wo er einige Male ausrutschte. „Ich bin noch nie auf Schnee gelaufen“, meinte er im Ziel. Sein Vorsprung auf Schoch schmolz mit jedem Meter. „Ich wusste, dass ich gut in Form bin, aber dass es zum Sieg reicht, hätte ich nicht gedacht.“ An der Passage, wo die Strecke durch Seile gesichert ist, war es dann so weit: Schoch ging an Kosgei vorbei. Dieser konnte ihm nicht mehr folgen. Eine Helferin ging auf den letzten Metern mit ihm mit und brachte ihn ins Ziel. Am Ende hatte der Schweizer einen Vorsprung von 4:47,9 Minuten auf Kosgei. Seine Zeit von 2:03:32,0 Stunden bedeutete die zweitbeste jemals gelaufene Marke auf die Zugspitze. Nur Martin Ashley Cox war im Jahre 2005 noch schneller gewesen, als er in 2:03:02,1 Stunden den Rekord aufstellte. Eigentlich wollte der Brite in diesem Jahr beim Zugspitz-Extremberglauf mitmachen, doch wegen einer Knöchelverletzung musste er passen. „Ich weiß nicht, wo man diese 30 Sekunden noch hätte herausholen können“, meinte der 43-Jährige. „Am Start ist man immer sehr angespannt, auch psychisch und irgendetwas tut einem immer weh.“ Für Schoch war es die Premiere beim Zugspitzlauf gewesen. „Ich war beeindruckt, dass es so gebirgig war“, meinte er. „Ich wusste, dass ich gut in Form bin, aber dass es zum Sieg reichen würde, hätte ich nicht gedacht.“ Vor 20 Jahren gehörte der Graubündner, dessen Marathonbestzeit bei 2:42 liegt, zur absoluten Berglaufelite. 1988 war er Junioren-Weltmeister geworden, außerdem holte er in den 1990er Jahren zweimal die Schweizer Meisterschaft bei den Erwachsenen und war darüber hinaus einmal Europameister geworden. Doch dann legte er berufs- und familienbedingt eine lange Wettkampfpause ein. Vor zwei Wochen hatte er an der Schweizerischen Berglaufmeisterschaft teilgenommen und sich den Titel in Lenzerheide geholt. „Da wusste ich, dass ich national mit den anderen mithalten kann, aber dieser Lauf hier war ja ein internationaler Lauf“, betont der Prättigauer, der sich riesig über den Sieg freute, aber auch ein wenig rätselte: „Es hat mich schon verwundert, dass ich nun wieder gleich stark bin wie vor meiner Pause.“ Das nächste große Ziel ist für Schoch der Swiss Alpine-Marathon Ende Juli in Davos. Beinahe hätte Barz, der wie schon in den Vorjahren auf dem letzten Streckenabschnitt noch viel Boden auf die Konkurrenz gut machen konnte, sich noch Rang zwei geschnappt. Der Sieger des Jahres 2010, der von Rang eins bis sechs schon alle Plätze beim Extremberglauf belegt hatte, lag im Ziel nur 20 Sekunden hinter Kosgei. „Ich hatte ihn auf dem finalen Anstieg nie im Blickfeld“, merkte der Duracher an. So holte er sich zum zweiten Mal Rang drei. Den vierten Rang holte sich bei seiner Zugspitzpremiere Brydl vor Fischer. Syme kam als bester Läufer aus der Region auf Rang neun und holte sich gleichzeitig Rang zwei in der Kategorie der 40- bis 45-Jährigen. Der Murnauer Fabian Rind kam in der Gesamtwertung auf Rang 39. Bei den über 30-Jährigen wurde er 14. Simon Schrieber aus Ehrwald wurde 116. und kam bei den über 20-Jährigen auf Rang 19. Der Murnauer Stefan Schubert kam bei den über 35-Jährigen auf Rang 39. Bei den über 40-Jährigen kam Heinz Fischbacher aus Garmisch-Partenkir- chen auf Rang 35. Andreas Greiner, ebenfalls aus der Marktgemeinde, wurde hier 76. Christian Steffl wurde bei den über 45-Jährigen 53., der Ehrwalder Thomas Schlechter wurde hier 97. und Martl Jung aus Murnau belegte Rang 128. Bei den über 20-Jährigen kam der Mittenwalder Stefan Kilian auf Rang 80. Bei den Damen gab es einen Start-Ziel-Sieg für Ellen Clemens. Die Ärztin vom Klinikum Garmisch-Partenkirchen siegte nach 2000, 2006 und 2007 zum insgesamt vierten Mal. Bereits bei der Hochfeldern Alm hatte sie sich einen Vorsprung von einer Minute auf ihre schärfste Verfolgerin Petra Gloggner aus Kreuth herausgelaufen. Zu diesem Zeitpunkt lag die Schwedin Charlotte Alverus aus Helsingborg auf Rang drei, vor Kornelia Hahn aus Weilheim. Bis zur Zwischenzeit am Sonnalpin konnte Clemens ihren Vorsprung weiter ausbauen, hier lag sie über zwei Minuten vor den schärfsten Konkurrentinnen. Glogger lag auf Rang zwei, mit einem Vorsprung von 2:30 Minuten auf Waltraud Berger aus Traunstein. Auf dem letzten Anstieg zum Gipfel ändert sich an den Top drei nichts mehr: Clemens war nach 2:41:19,4 Stunden im Ziel. Damit war sie zwei Minuten schneller als die Siegerin von 2011, Kerstin Straub. Mit einem Rückstand von 1:45 Mintuen Kam Gloggner auf Rang zwei, vor Berger. Angelika Allmann aus München wurde Vierte vor Gaby Kalchschmid. Auf den Plätzen sechs bis zehn folgten die US-Amerikanerin Carina Hamel, Ildiko Wermerscher aus Ungarn, die Österreicherin Magdalena Schiffner aus Ebigenalp, die Schwedin Charlotte Alverus und die Deutsche Kornelia Hahn. „Es war ein super Rennen“, freute sich die mehrfache Berglauf Welt- und Europameisterschaftsteilnehmerin Clemens, die 2005 beim Zugspitzlauf auch schon Zweite geworden war. Damit zog sie in der ewigen Bestenliste mit Martin Echter gleich, der den Lauf ebenfalls viermal schon gewinnen konnte: Der Peitinger war 2004, 2006, 2007 und 2008 nicht zu schlagen gewesen. Bei den Nordic Runnern siegte zum sechsten Mal Michael Epp. Nach 2:18:23,6 Stunden war er im Ziel am Sonnalpin angekommen. Damit war der zweifache Halbmarathon-Weltmeister rund vier Minuten schneller als bei seinem Erfolg 2011. Zweiter wurde sein Landsmann Peter Resch vor Karl Flanderka, ebenfalls aus Deutschland, der im vergangenen Jahr auf Rang zwei gekommen war. Ehrich Papp aus Ehrwald kam auf Rang neun. Bei den Damen siegte Sylvia Rose aus Aulendorf vor Anne Bronold aus Germering. Die Schweizerin Eva Roth kam auf Rang drei. Der Obmann der Tiroler Zugspitz-Arena Kommerzialrat Hermann Oberreiter dankte den Sportlern auf dem Kirchplatz in Ehrwald für den tollen Wettkampf und sprach die Hoffnung aus, dass sie auch im Juli 2013, wenn es die Neuauflage des Laufs gibt, wieder dabei sein mögen. Vielleicht sind dann auch wieder jene zwei Läufer dabei, die die komplette Strecke barfuß zurückgelegt hatten.

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