Faschingssonntag in der Fußgängerzone

Wie der Bär nach Murnau kam

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Der Bär stellt den Winter dar, er wird vom Bärentreiber durch die Straßen gezerrt.

Murnau – Wie der Bär nach Murnau gekommen ist, weiß niemand mehr so genau. Das Maschkera-Treiben im Murnauer Ortszentrum gibt es seit 1978 als Beitrag des Trachtenvereines zum damaligen Faschingszug. Aber warum ist ein Bär mit dabei?

Des Rätsels Lösung ist viele Jahrhunderte weiter im Mittelalter zu finden. Murnau lag an der Handelsstraße von Venedig über Mittenwald nach Augsburg. Auf dieser Route sind immer wieder Gaukler durch den Ort gezogen. Einige hatten Tanzbären dabei, mit denen das ‚Fahrende Volk‘ ihr zahlendes Publikum belustigte. Später schlüpften die Einheimischen selber in Bärenfelle und drehten sich zum Rhythmus der Trommeln. Heute sind Bär und Bärentreiber aus der Murnauer Fosenacht genauso wenig wegzudenken wie die Schellenrührer, Pfandlzieher, Biggalan und Untersberger Manderln.

Der Begriff ‚Fosenacht‘ ist eng mit dem Wort ‚faseln‘ verwandt. Das bedeutet soviel wie ‚wachsen und gedeihen‘. Zur Fosenacht, dem Fasching, feiern die heidnischen Fruchtbarkeitskulte ihre jährliche Renaissance. Der Volkskundler Adolph Rehm sagt: „Wachstum und Fruchtbarkeitsgeister werden durch die Berührung mit kultischen Gegenständen, also Ruten, Schweinsblasen und Besen, zu neuem Leben erweckt.“ Zuvor müssen allerdings die Winterdämonen verjagt werden.

Jetzt kommen die Bären wieder ins Spiel. Der Bär stellt während des Maschkera-Umzuges den Winter dar. Die Treiber ziehen das Tier an einer Kette durch die Straßen. Sie tratzen die Figur so lange, bis der Winter Platz für den Frühling macht. Viel Winter mit Eis und Schnee hatte es heuer ja nicht gegeben, aber dennoch gibt es für die Maschkera viel zu tun. Seinerzeit erklärte man sich die Naturgewalten als Werke von Dämonen. Die von diesen Geistern ausgehenden Gefahren gilt es mit wilden Sprüngen, lauten Rufen und grässlichen Masken zu vertreiben. Albert Spanner schreibt in seinem Buch über Deutsches Faschingsbrauchtum: „Der Mann, der sich als Dämon verkleidet, wird selber zum Dämon und übernimmt dessen Zauberkräfte. So kann er sich dem Kampf mit dem Bösen stellen.“

Maskenumzüge gehören zu den ältesten Bräuchen im Alpenraum. Sie sind Teil einer Hirtenkultur, zu der das Jodeln, Stampfen, Peitschen knallen und Hörnerblasen gehören. Meistens führen Hexen die Umzüge an. Mit ihren Besen kehren sie den Schnee von den Straßen und zeigen dem Winter, dass er seine Macht über die Natur verliert. Dasselbe Ziel verfolgen die Pfandlzieher. Vier Burschen ziehen einen auf einer Pfanne sitzenden Kameraden. Mit dem Pfandl wird der gefrorene Boden für die neue Saat aufgebrochen. Die Jacklschutzer, gleich dahinter, schleudern die kleine Winterpuppe namens Jackl mit einem Leinentuch in die Höhe und verbren- nen sie nach Einbruch der Dunkelheit.

Hauptakteure der Murnauer Fosenacht sind die Schellenrührer. Mit Holzmasken vor dem Gesicht, Fichtenbögen in den Händen und Schellen auf den Rücken geschnallt, tanzen sie durch die Straßen. 13 Rührer müssen es sein: ein Vortänzer, gefolgt von einem Tänzer pro Monat. Die Bewegungen der Gruppe müssen übereinstimmen. Zum Maschkera-Gefolge zählen die Biggalan-Figuren in weißen Leinenhemden und schwarzen Zipfelmützen. Sie erschrecken mit ihren Schweinsblasen Mädchen und Kinder. Der Marsch wird unterwegs von Musikern in Flickengewändern geblasen. Fester Bestandteil des Winteraustreibens sind das Untersberger-Manderl und -Weiberl. So wild das Treiben sein mag: In der Nacht zum Aschermittwoch endet die Fosenocht. Dann müssen die Masken abgenommen werden, sonst verwachsen sie, heißt es, mit dem Gesicht des Trägers.

Von Günther Bitala

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