Politiker sprechen gegen AfD – Bunte Demonstration mit vielen Teilnehmern – Doering von positiver Rückmeldung gerührt

"Wer seine Heimat liebt, der spaltet sie nicht"

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„Bock auf Bunt“ –  über 350 Demonstranten kamen in die Ludwigstraße. Mit selbstgemachten Plakaten zeigten sie ihre Meinung.

GAP – „Wohin gehen wir jetzt?“, fragte ein 4-jähriger Bub seinen Papa, der ihn auf dem Arm hielt und die Ludwigstraße mit seiner Frau hinauflief. „Wir gehen zum Kirchplatz und demonstrieren“, erklärte er. „Da kommt eine Frau nach Garmisch-Partenkirchen, und Mama und ich mögen sie nicht.“ Der Kleine nickte und schaute begeistert auf die Menge, die sich am Kirchplatz um 16.30 Uhr versammelt hat.

Gut gelaunte Menschen, jung und alt, tanzten und sangen zu bekannten Songs, die von „Donna Trumps and the Waterboarders“ gespielt wurden. Um die 350 Demonstranten zeigten, dass Garmisch-Partenkirchen „keinen Bock auf die Petry oder die AfD“ in ihrem Landkreis haben. Herrn Gauland möchte niemand als Nachbarn haben und „AfD wählen ist sowas von 1933“ – das sind deutliche Zeichen. Viele Gemeinderäte, darunter Elisabeth Koch (CSU), Robert Allmann (SPD) und auch Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) machten sich ein Bild von der von Christine Doering organisierten Demo. Und die war gerührt von dem großen Feedback, das sie erhalten hat. „Die Rückmeldungen bei mir waren durchwegs positiv! Da waren ein paar Sachen dabei, da war ich echt total gerührt. Es war großartig. Es war, wie ich es mir gewünscht habe. Wir haben gemeinsam ein unübersehbares Zeichen gesetzt und hatten dabei auch noch richtig viel Spaß“, erklärte Doering.

Nicht allzu viel Spaß hatten Kathi, Franzi und Vanessa. Die Schülerinnen des Werdenfels- und Staffelsee-Gymnasiums wurden von Männern, die auf dem Weg zur AfD-Veranstaltung waren, beschimpft: „Euch sollte man verbrennen.“ Als eine der drei fragte, was diese Aussage denn bitte solle, hieß es: „Quatsch mich nicht von Seite an, Weib.“ Gewundert haben sich die drei Freundinnen über so ein Verhalten nicht, aber schockiert über die Aussagen waren sie schon. „Das ist wie im Mittelalter. Wir sind für ein freies, buntes und offenes Deutschland – und die AfD will das Gegenteil. Darum demonstrieren wir hier“, erklärten sie.

Viele Redner kamen nach Garmisch-Partenkirchen. Katharina Schulze (MdL Bündnis 90/Die Grünen) war von dem deutlichen Zeichen, das die Bürger von Garmisch-Partenkirchen zeigten, begeistert. Aber: „Online wird viel gehetzt. Wir müssen zeigen, dass wir das für Bayern nicht wollen.“ Dem stimmte Florian Ritter (MdL SPD) zu. „Wir müssen für unsere Demokratie eintreten, wenn wir sie behalten wollen. Engagement für das Gemeinwohl und sich für andere in der Gemeinde einsetzen, das ist wichtig. Was hat sie (die AfD; Anm. der Red.) zum Gemeinwohl beigetragen? Wer seine Heimat liebt, der spaltet sie nicht.“ Dafür gab es einen großen Applaus aus dem Publikum. Ömer Anilir, 1. Vorsitzender der DITIB Türkisch-Islamischen Gemeinde Garmisch-Partenkirchen, findet „es ist gut, wenn man die AfD nicht will. Sie geben sich als Retter des Abendlandes. Uns Muslimen ist Deutschland und seine Verfassung nicht egal. Wir rufen alle Muslime auf, sich gegen die AfD zu stellen – denn am Ende geht es um Deutschland.“ Florian Streibls Meinung: „Was unser Land prägt, ist, dass wir tolerant sind und uns respektieren“.

Frauke Petry sprach im Rassen

Eine "fröhliche Rechtspopulistin": Frauke Petry sprach vor mehreren hundert Anhängern im Gasthaus Zum Rassen

Szenenwechsel: Von der bunten Demonstration ging es beim Seiteneingang des Gasthofs „Zum Rassen“ in den Saal, in dem Frauke Petry sprechen wird. Gegen 19 Uhr platzte der Saal aus allen Nähten. Wer keinen Platz bekommen hatte, musste stehen oder durfte nicht mehr hinein. Die Musikkapelle Partenkirchen spielte auf, um die Wartezeit auf die AfD-Chefin zu überbrücken. Das Publikum im Saal war gemischt – vom Alter her. Junge, aber vermehrt ältere Bürger interessierten sich für die AfD.

Mit tosendem Applaus und Musik wurde Petry von den Besuchern empfangen. Zur Bühne begleitete sie die AfD-Ortsvorsitzende Edeltraud Schwarz. Oben warteten der Stellvertreter Helmut Filser, Schriftführerin Katharina Filser und Schatzmeister Wolfgang Sidamgrotzki. Filser hielt die Begrüßungsrede und war von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer enttäuscht. „Ich finde es schade, dass Bürgermeisterin Meierhofer lieber das Fußballspiel Frankreich-Rumänien anschaut, als hier teilzunehmen.“ Einer wollte kommen, durfte aber nicht. SPD-Gemeinderatsmitglied Robert Allmann wollte in den Gasthof - wurde aber nicht hineingelassen. Er hatte, wie es hieß, kein Bändchen und keine Anmeldung. Auch zur Gegendemo gab es ein Kommentar von Filser: „Doering fürchtete wohl um die Teilnehmerzahl der Demonstranten. Anders lässt es sich kaum erklären, dass sie neben dem Unterstützungsersuchen bei ‚München ist bunt‘ bereits auch Wochen vorher mit Robert Lug, Stadtrat in Geretsried, Kontakt aufgenommen hatte. Eines muss man der Organisatorin der Gegendemo lassen, sie war bunt. Ich frag mich halt, was hat das jetzt mit Garmisch-Partenkirchen zu tun? Nix!“ Er war sich sicher: „Das antidemokratische links-grüne G‘schwerl ist morgen wieder weg, aber die AfD bleibt!“ Der Kreisbote sprach Doering auf diese Aussage von Filser an und sie antwortete: „Dazu sage ich, dass es mir egal ist, was die AfD denkt und mir jeder willkommen war, der sich der Demo anschließen wollte. Der größte Teil der Teilnehmer war aus Garmisch-Partenkirchen, aber es kamen auch viele Menschen von außerhalb. Für mich ist es unerheblich, wo ein Mensch herkommt. Abstammungsüberprüfungen überlasse ich der AfD.“

"Ein Versagen der Verantwortlichen?"

Schwarz kam auch zu Wort. Sie fragte sich unter anderem, wo denn das Feldkreuz, das am Atlas Posthotel am Marienplatz war, hingekommen sei. „Es wird ja im Ort schon seit langen gemunkelt, dass der Besitzer der Posthotels es aus ,religiösen Gründen‘ entfernen ließ. Ist das ein Versagen der Verantwortlichen? Garmisch-Partenkirchen ist eine Region, in der Tradition hochgehalten wird. Trachtenvereine, Schützenvereine und viele mehr sind die Garanten für die Werte dieser Region. Die AfD steht auch für diese Werte ein.“ Die Partei sehe sich nicht als Opfer, sondern habe Mut zu Wahrheit, sagte sie. „Wir machen weiter für unser Land und für unsere Heimat“, beendete Schwarz ihre Rede, die großen Beifall erhielt.

Sie prangerte "irrsinnige Immigrationspolitik" an

Dann kam Frauke Petry an die Reihe. Sie selbst bezeichnete sich als „fröhliche Rechtspopulistin“. Sie nutze den Auftritt am vergangenen Freitag, um gegen die Europäische Union, die deutsche Asylpolitik, energiepolitische Themen und den Mittelstand Stimmung zu machen. Sie sprach das aus, was die meisten Besucher hören wollten, so war zumindest der Eindruck. Sie erntete „Bravo“-Zurufe und einen großen Fan hatte Petry auch. Ein Herr schickte ihr Luftküsse aus dem Publikum hinauf, stand immer wieder auf und klatschte begeistert.

Vor allem das ältere Publikum jubelte der gebürtigen Dresdnerin zu, als sie gegen die Sicherheitspolitik sowie gegen die Forderung nach einem Islam-Unterricht an deutschen Schulen wetterte. Sie prangerte auch die „irrsinnige Immigrationspolitik“ der Bundesregierung an: „Gerade als Frau wünsche ich mir, dass meine Töchter nicht überlegen müssen, was sie anziehen und wann sie auf die Straße gehen.“

Nach ihrer knapp einstündigen Ansprache durften die Besucher Fragen an die 40-Jährige stellen. Viele drehten sich zum Beispiel um die Russlandpolitik. „Der Wirtschaft und den Gastwirten sowie Hotels ging es wunderbar, als die Russen noch zu uns nach Garmisch-Partenkirchen gekommen sind. Anstatt den russischen Touristen hat uns Merkel nun 1000 Neger geschickt“, kommentierte ein Besucher. Da sah man selbst Petry an, dass sie mit der Wortwahl des Herren nichts anfangen konnte. In einer weiteren Anmerkung im Zusammenhang mit der „Gauland-Boateng-Debatte“ hieß es, warum sie Gauland nicht schon rausgeschmissen hätte. Er würde sie nur Stimmen kosten. Darauf antwortete Petry: „Das Thema ist von den Medien hochstilisiert worden“ und gab zu, dass die AfD das professioneller hätte managen können.

Mit einem Geschenkkorb der Ortsgruppe verließ Petry unter Beifall den „Rassen“. Einen Mitstreiter für ihre Anliegen hat sie in FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gefunden, mit dem sie sich bereits am Vormittag auf der Zugspitze getroffen hatte.

Von Alma Jazbec

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