Für Freiheit und Würde – Gedenkstein erinnert an polnische Kriegsgefangene in Murnau

Ein Gedenkstein vor der Werdenfels-Kaserne erinnert an die polnischen Kriegsgefangenen, die zwischen 1939 und 1945 in Murnau inhaftiert waren. Zur Enthüllung der Tafel kamen (v.li.) Militärattaché Sylvester Szulc, Generalkonsulin Elzbieta Sobòtka, Minister Prof. Dr. Andrzej Kunert, Bürgermeister Dr. Michael Rapp und Major Berthold Honsberg. Foto: Bitala

Zwischen 1939 und 1945 kamen etwa 5000 polnische Soldaten, in der Mehrzahl Offiziere, in das Gefangenenlager OFLAG VIIA nach Murnau. Bürgermeister Dr. Michael Rapp und die Generalkonsulin der Republik Polen, Elzbieta Sobòtka, enthüllten vor wenigen Tagen einen Gedenkstein vor dem Haupteingang der Werdenfels-Kaserne.

Rückblende: Am 1. September 1939 begann mit dem Polenfeldzug der Zweite Weltkrieg. Schon wenige Wochen später, am 28. September 1939, kapitulierte Warschau. Polen wurde zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Geteilt wurden auch die gefangen genommenen Offiziere: 5000 kamen in deutsche, 13000 in sowjetische Lager. Während die Polen in deutscher Gefangenschaft überwiegend überlebten, sind die Offiziere in sowjetischer Hand seither verschollen oder wurden in Massengräbern wie in Katyn aufgefunden. Bereits im Herbst 1939 kamen die ersten Gefangenen nach Murnau. Die damalige Panzerjägerkaserne, die heutige Werdenfels-Kaserne, wurde zum Gefangenenlager umfunktioniert, Fahrzeughallen und Speicher als Notunterkünfte benutzt. Streng von der Außenwelt abgeschirmt, entwickelte sich im Lager eine Art Selbstverwaltung. So gelang es den Führungskräften der Polen – darunter war General Juliusz Römel, der die Kapitulation Polens unterzeichnete – den gefürchteten Lagerkoller zu vermeiden. Der evangelische Geistliche von Murnau, Dr. Satzinger, und der katholische Pfarrer Martin Lohr bemühten sich, ein Mindestmaß an seelischem Beistand zu leisten. Mit Hilfe des Internationalen Roten Kreuzes spielte sich das Lagerleben ein. Was blieb, war die quälende Unsicherheit über das Schicksal der Familien, des Heimatlandes und der eigenen Zukunft. In Murnau sind 80 Kriegsgefangene gestorben, sie liegen auf dem örtlichen Friedhof bestattet: Durch Krankheiten kamen 57 Polen ums Leben, drei starben durch Unfälle und zwölf durch Suizid. Schutzverletzungen und anderen nicht näher benannten Ursachen erlagen sieben Gefangene. Nach der Befreiung am 29. April 1945 wanderte ein Teil der Männer nach Amerika aus. Viele, die zurück in ihre Heimat fuhren, gerieten als Mitglieder der polnischen Oberschicht gleich in sowjetische Gefangenschaft. Während der Feierstunde zur Enthüllung des Gedenksteines unterstrich Murnaus Bürgermeister Dr. Michael Rapp die Verantwortung aller Demokraten, dafür Sorge zu tragen, dass angesichts der vielen Krisenherde in der Welt niemandem mehr Freiheit und Würde geraubt werden.

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