Heidnische Opferrituale am Tegernsee? – Das unheimliche Geheimnis eines unscheinbaren Glentleiten-Gebäudes

Ein archäologischer Fund der unheimlichen Art führt weit in die Vergangenheit zurück – auf dem Foto ist der Kopf eines Ferkels zu sehen, das wohl während eines Opferrituals getötet worden war.

An der Glentleiten fehlt ein Lamm. Nein, das Babyschaf ist nicht gestohlen worden, sondern würde eigentlich als dritter Bestandteil zu einem unheimlichen Arrangement gehören, das bei der wissenschaftlichen Forschung zum jüngsten Gebäude-Exponat im Freilichtmuseum hoch über Großweil zu Tage kam. Kürzlich ist das sogenannte Zuhaus zum Fischerweber-Hof der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Das unscheinbare Häuserl birgt einen sensationellen Volkskundeschatz, den es in dieser Form bislang in Oberbayern noch nicht gegeben hat, und der auswärtige Wissenschaftler sowie erfahrene Glentleiten-Fachleute vor Rätsel stellt: Rituell begrabene Tierskelette aus der frühen Neuzeit – das sind ein Stierkalb und ein Ferkel mit einander zugewandten Köpfen. Und genau in dieser Zusammenstellung fehlt eigentlich als drittes Opfertier ein Lamm.

Der Fischerweber-Hof wurde bereits vor zehn Jahren von Rottach-Egern am Tegernsee ins Glentleiten-Museum übertragen. Zu dem Gebäudekomplex gehört ein Zuhaus, das jetzt – nach jahrelanger Bauforschung – zu dem Anwesen dazugestellt worden war. Verantwortlich für dieses Projekt ist Arianne Weidlich: „Das Zuhaus, wie es heute bei uns im Museum zu sehen ist, stammt aus dem Jahr 1793. Beim Abbau des Hauses wurden archäologische Grabungen durchgeführt, die unerwartete Befunde ans Licht brachten. Zum einen verweisen Spuren auf ein bäuerliches Gebäude aus dem 14. Jahrhundert, das wohl der älteste Profanbau am Tegernsee überhaupt sein könnte. Bislang ist nichts Älteres gefunden worden.“ Für Volkskundler und Archäologen interessant, sind die beiden vollständig erhaltenen Tierskelette, die unter einer Wand der Mauerreste aus dem 14. Jahrhundert auftauchten. Welche Bewandtnis es mit den Knochen hat, weiß Arianne Weidlich nicht genau zu sagen, weil so etwas in Oberbayern in dieser Zusammenstellung und Form noch nicht ausgegraben worden war und es deshalb dafür keine Vergleichsmöglichkeiten gibt. Ausgeschlossen ist allerdings, dass es sich um Schlachtabfälle handelt. Namenlose Opfertiere: Ein Lamm, ein Ferkel und ein Stierkalb Ein Blick ganz weit zurück in die Vergangenheit könnte das Rätsel ein bisserl lüften helfen. In seinem Buch über das bäuerliche Leben und die Landwirtschaft erläutert der römische Geschichtsschreiber Marcus Porcius Cato (genannt Cato, geb. 234 v. Chr.) ein heidnisches Opferritual: Zur Abwehr von Unheil wurden damals in den römisch besetzten Gebieten ein Ferkel, ein Lamm und ein Stierkalb dreimal um den Hof herumgetragen und dann unter der Litanei von Gebeten getötet. Zwei Voraussetzungen mussten diese Opfertiere erfüllen: Sie durften erstens keine Namen haben, und mussten zweitens von ihren Muttertieren noch gesäugt werden. Dieser Brauch war auch vom 12. bis zum 14. Jahrhundert im heutigen Kärnten und Tirol üblich, als sich im aufkommenden Christentum heidnischer Aberglaube und christliche Frömmigkeit noch überschnitten hatten – und von dort zum Tegernsee ist es ja nicht weit. Sakraler Krimskrams in der Klima-Box Das jetzt neu aufgestellte Häuserl birgt aber noch einen weiteren Schatz, wie es Museums- direktorin Dr. Monika Kania-Schütz nennt: „Eine Besonderheit in dem äußerlich doch recht unscheinbaren Haus ist eine sich über zwei Geschosse erstreckende Kapelle. Ihre außergewöhnlich reiche Ausstattung stammt aus fünf Jahr- hunderten.“ Der Einbau des Sakralraumes mit seinen beachtlichen 271 Heiligenfiguren, Wallfahrts-Souvenirs, Hinterglasbildern sowie Wachs- und Glasarbeiten erfolgte ab 1795. Die Stücke stammen sowohl aus früheren Kirchenbeständen oder wurden teilweise von Laien gemacht oder farblich verändert. Es gibt allerdings keinen schriftlichen Beleg, dass der Raum jemals als Kapelle geweiht worden war. Zum Schutz der sakralen Devotionalien wurde von Spezialisten extra eine moderne Klimabox entwickelt und in das Gebäude eingebaut. Erstmals wird auf dem Freilichtmuseum Glentleiten zu einem Haus auch die Geschichte der Bewohner wissenschaftlich dokumentiert. Diese Aufgabe hat sich Maximilian Keck auf die Fahnen geschrieben: „In dem Zuhaus haben von 1902 bis 1991 zwei Familien gewohnt – die Familie Burger waren Schuhmacher und kamen aus Herrsching. Und das Familienoberhaupt der später eingezogenen Kirchbergers war ein in Rottach-Egern bekannter und angesehener Straßenkehrer“, weiß der wissenschaftliche Volontär zu berichten. Dr. Monika Kania-Schütz freut sich sehr über diese Fortschritte: „Mit der Fertigstellung dieses Zuhauses ist das historische Ensemble des Fischerwebers wieder komplett und für unsere Besucher ein weiteres sehenswertes Museumsjuwel.“

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