Historie der Rot-Kreuz-Kolonne – Pferde zogen den ersten Krankenwagen in Murnau

Die BRK-Sanitätskolonne im Jahr 1910. Mit frdl. Genehmigung des Gemeindearchivs

Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts machte sich der Badereibesitzer Wolfgang Stelzl Gedanken über den Transport von Schwerkranken und Verletzten. Sein Ziel war es, einen Hilfsdienst ins Leben zu rufen. Die zu gründende Sanitätskolonne sollte eine Organisation unter dem Zeichen des „Roten Kreuzes auf weißem Grund“ werden, dem internationalen Kenn- und Neutralitätszeichen für den Sanitätsdienst.

Die Gemeindeverwaltung Murnau hatte Wolfgang Stelzl die Sanitätsversorgung von Verunglückten übertragen. Doch Stelzl besaß nicht die richtige Ausrüstung: Eine Tragbahre gehörte dem Krankenhaus und wurde auch zum Transport von Toten verwendet. Außerdem fehlte es an ausgebildeten Männern. Weil es aber in den ersten Monaten des Jahres 1908 immer wieder zu schweren Unglücken gekommen war und Stelzl Mühe hatte, passende Träger zu finden, lud er zu einer Versammlung in den Pantlbräu. Nach der Gründung am 26. April 1908 galt es Geld zu sammeln. Mit 147,30 Mark war der finanzielle Grundstock gelegt. 46 Männer sagten ihre aktive Mitgliedschaft zu. Zum Kolonnenführer wurde Wolfgang Stelz gewählt. Man hielt vier Ausbildungsabende ab und kaufte eine sogenannte Rädertrage. 1910 lagen Licht und Schatten eng beieinander. Die Sanitätskolonne erwarb ihren ersten Transportwagen, den zwei Pferde zogen. Dann die schlimme Nachricht: Wolfgang Stelzl verunglückte 45-jährig tödlich mit dem Fahrrad. 1912 gab es telefonische Unfallmeldestellen in der Schlossbergstraße, in der Hauptstraße, in der Grüngasse und in der Seidlstraße. James Loeb und weitere Spender ermöglichten 1927 die Anschaffung des ersten motorisierten Krankenkraftwagen: ein Prottos mit zwei Tragen. Für 1930 beklagte der Schriftführer in der Chronik einen starken Anstieg der Autounfälle. Neben dem Sanitätsdienst gingen die Rotkreuzler also daran, einen Straßenhilfsdienst einzurichten. Aber das Jahr 1930 brachte noch weitere Neuerungen. So wurde ein Gebirgsunfalldienst und ein Wasserunfallsdienst ins Leben gerufen, sowie eine Dienstbereitschaft speziell für Brände. Die Chronik wurde ab 1933 nicht mehr fortgeführt. Die Geschehnisse ergänzte Eduard Birkenseer erst nach dem Krieg: „1934 bringt dem Roten Kreuz viel Kummer und Sorgen. Es scheint, als wäre alles vom Geist der Nächstenliebe Geschaffene nichts mehr wert. Es bleibt nur ein kleines Häuflein dem alten Roten Kreuz treu. Die anderen suchen ihr Erlerntes in der SA-Sanitätsmannschaft zu verwerten.“ 1935 bis 1939 übernimmt Max von Seubert die Führung der Kolonne. Dann brach der Krieg aus; Birkenseer schreibt: „Fast alle Helfer müssen dem Ruf der Wehrmacht folgen. Helferinnen machen nach besten Kräften Dienst in der Heimat.“ Nach nächtlichen Fliegerangriffen wurden die Rotkreuzhelferinnen immer wieder alarmiert – wie beim Luftangriff auf den Personenzug Murnau-Hechendorf, Anfang März 1945. Dabei wurden am Kapferberg 50 Menschen schwer verletzt, sieben Tote waren zu beklagen. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. 1949 präsentierten sich die Sanitäter mit einer Leistungsschau: „Der Stolz ist der pfundige Mercedes-Krankenwagen, das modernste Auto weit und breit“, heißt es in der Chronik. Raumnot plagt die Sanitäter. Bis 1938 hatten sie ihren Standort im Rathaus, dann im Hotel Post und schließlich im Rückgebäude des Pantlbräu. 1963 legte Käthe Clostermann den finanziellen Grundstock für den Neubau in der Seidlstraße. 1960 präsentierten die Sanitäter wiederum den „modernsten Krankenwagen mit einem eingebauten Gerät zur Aufnahme von Sauerstoff durch den noch atmenden Patienten“. In den 1970ern wurde der erste Notarztwagen angeschafft und das Rendezvous-Verfahren eingeführt. Damit muss der Notarzt nicht mehr zeitraubend vom Rettungswagen an der Unfallklinik abgeholt werden; er fährt seitdem selbstständig zur Einsatzstelle. Im April 1997 haben sich die Männer der Sanitätskolonne und die Damen der Rotkreuz-Frauenbereitschaft zur Sanitätsbereitschaft Murnau zusammengeschlossen – die Aufga- ben der ehrenamtlichen Helfer sind die Erstversorgung von Kranken und Verletzten sowie die Unterstützung des hauptberuflichen Rettungsdienstpersonals. Wichtig ist die Mitwirkung am Katastrophenschutz; etwa bei schweren Hochwassern und Großbränden. Infos zur Struktur und zur Tätigkeit gibt es unter www.brk-murnau.de.

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