Kein Badespaß mehr in Oberammergau?

Mit 11:9 Stimmen hat der Gemeinderat Oberammergau in seiner August-Sitzung beschlossen, das Bade-und Freizeitzentrum Wellenberg am 30. September 2010 zu schließen. Die neun Gegenstimmen kamen von der Fraktion der Freien Wähler. Die Entscheidung löste heftige Reaktionen im Ort aus: Viele Menschen wollen ihr Bad behalten, es gründete sich sogar eine Bürgerinitiative.

Binnen kurzer Zeit hatte die Initiative 1200 Unterschriften beisammen, ein entsprechender Antrag zur Weiterführung des Bades wurde an die Gemeinde Oberammergau gestellt. Vor zahlreichen Zuhörern befasste sich der Gemeinderat am vergangenen Mittwoch mit der Eingabe. Der erste Bürgermeister Arno Nunn verlas das Schreiben, darin kommt zum Ausdruck, dass eine Schließung dem Ende des Wellenberges und ein Rückbau einem Rückschritt gleich käme. Deshalb wird die Aufhebung des Beschlusses vom 12. August gefordert. Fast 45 Minuten dauerte der Part des Bürgermeisters mit Ausführungen zur Riesenverschuldung, aufgeschobenen Investitionen, düsterem Zukunftsbild trotz erfolgreicher Passion, Gespräche mit den Ammertalgemeinden wegen einer Beteiligung am Wellenberg, Investorensuche, Genossenschaftsmodell und Zusatzspiel bei der Passion für den Wellenberg. „Es scheint, dass der Bürger Vertrauen in den Gemeinderat verloren hat, deshalb wird er selbst aktiv, im Miteinander muss sich etwas ändern“, sagte Nunn. Fakt sei, dass man den Wellenberg in der jetzigen Form nicht weiterführen könne, es müssten Alternativen aufgezeigt werden.“ Werkleiter Alfons Gerl machte überhaupt kein Hehl aus seiner Position, für ihn bleibt nur die Schließung. Zum Beschluss aus der Sitzung im August gibt es für ihn derzeit keine Alternative. Gerl zeigte auf, dass es bei ausführlichen Gesprächen mit Gerhard Ostler, dem langjährigen Geschäftsleiter der Gemeinde und Mitinitiator der Bürgerinitiative viele Gemeinsamkeiten gab. Letztlich ging man aber doch auseinander, da jede Seite eine andere Schlussfolgerung zog. „Ich kann die Bürger gut verstehen, Oberammergau hat weit über seine Verhältnisse gelebt, das müssen wir jetzt ausbaden“, ergänzte Gerl. Als erster Redner der Diskussion sagte Heino Buchwieser, dass man sich im Jahr 1974 mit dem Wellenberg einen viel zu großen Luxus geleistet habe. Jetzt müsse ein schlüssiges Konzept her um das Bad eventuell in verkleinerter Form zu betreiben. Wolfgang Proksch begann mit einer drastischen Zahl seinen Beitrag: 3000 Euro kostet der Wellenberg täglich, nach den aufgezeigten Defiziten hätte man das Bad schon vor 20 Jahren schließen müssen. Er sieht mit dem Beschluß vom August nicht den Tod, sondern den Neuanfang für den Wellenberg und wünscht sich, dass bereits im Oktober 2010 der Bagger dort oben zum Umbau bereit steht. Für die Fraktion der Freien Wähler plädierte Ludwig Utschneider für die Aufhebung des Beschlusses, Franz Wind-irsch dagegen hält den Beschluß für richtig. „Ganz schlecht“, sagte Windirsch, „wäre ein Bürgerbegehren, dann tritt nämlich für eine gewisse Zeit Stillstand ein.“ Auch Christl Freier sprach sich trotz der Schließung für eine Fortführung des Wellenberges in anderer Form aus: „Wir legen nicht den Rückwärtsgang ein, wir wollen eine gute Zukunft für das Bad finden.“ Auch die Bürgerinitiative, vertreten durch Maria Hochenleitner, kam zu Wort: „1200 Unterschriften, trotzdem habe ich den Eindruck, dass der Gemeinderat diese Leute ignoriert. Da verstehe ich schon, dass immer mehr wahlmüde werden. Für ein paar Tage Olympia ist genügend Geld vorhanden, für den Wellenberg hat man keines.“ Darauf entgegnete Bürgermeister Nunn, dass Polarisieren nichts bringe, beim Bürger müsse endlich die Botschaft ankommen, dass die Gemeinde Oberammergau handlungsunfähig ist. 9:9 Stimmen bei der Abstimmung, damit wurde der Antrag abgelehnt. Zunächst bleibt es also bei der Schließung des Wellenberges zum 30. September 2010.

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