Kelten, Römer und Mönche auf der Insel Wörth

Es gab keinen Bischof am Staffelsee

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Der Grundriss der mittelalterlichen Klosterkirche ist mit Steinmäuerchen nachgezeichnet.

Seehausen – Als die Archäologen im Frühsommer 1992 ihre Spaten und Besen auspackten, waren die Hoffnungen der Seehauser Bürger groß. Galt es doch auf ihrer Insel Wörth den sagenumwobenen Staffelsee-Bischof auszugraben. Jahre später waren Geheimnisse ans Tageslicht geholt worden, die über Jahrhunderte hinweg tief in der Erde des Eilandes verborgen lagen.

Georg Bosch war damals Bürgermeister von Seehausen: „Die Historiker kamen in eine Zeit zurück, als die christliche Besiedelung Süddeutschlands begann“, erklärte Bosch. Mittlerweile können Besucher die mit Steinplatten nachgezeichneten Grundrisse eines der ältesten Kirchen in Bayern sowie die Fundamente eines frühmittelalterlichen Klosters besichtigen, Informationen dazu gibt es bei der Gemeindeverwaltung Seehausen unter Tel. 08841/61690 oder per E-Mail: rathaus@vg-seehausen.de.

Lange war diskutiert worden, ob es im frühen Mittelalter eine eigenständige Diözese am Staffelsee gegeben hatte. Bischof Simpert soll sie im Jahre 810 mit dem Bistum Augsburg verschmolzen haben. Die Anzeichen für diese These standen nicht schlecht, wie Bosch erzählt: „Papst Leo III. lud in den Jahren 798 und 800 die bayerischen Bischöfe zu einer Synode ein. Ein solches Ladschreiben ging an Simpert, der im Anschreiben dieser Urkunde als ‚Bischof der Kirchen von Augsburg, Staffelsee und Neuburg‘ benannt ist.“ Wie es zu diesem missverständlichen Titel gekommen war, lässt sich nach über 1200 Jahren nicht mehr nachvollziehen. Die Legende vom „Staffelsee-Bischof“ war geboren.

Nie angezweifelt worden war die Existenz eines prunkvollen Klosters auf der Staffelsee-Insel Wörth. Dazu gab es belastbare Hinweise aus der Gründungslegende des Klosters Benediktbeuern. Außerdem ließ Frankenherrscher Karl der Große um das Jahr 800 seinen gesamten Besitz katalogisieren. In diesem „Helmsteder Kodex“ ist das sogenannte Staffelsee-urbar enthalten, in dem die Klosterkirche auf der Wörth mit unermesslichem Reichtum beschrieben ist.

Mit diesen Vorzeichen begannen die Grabungen auf der Wörth; die Leitung hatte die Prähistorische Staatssammlung München, heute ist das die Archäologische Staatssammlung. Die Historikerinnen Dr. Brigitte Haas-Gebhard und Dr. Barbara Wührer fanden eine steinerne Kapelle aus der zweiten Hälfte des siebten Jahrhunderts, aus der Merowinger-Zeit. Sie gehörte zum Anwesen einer adeligen Sippe – passend dazu war ein ägyptischer Amphorenfuß vom Staub der Vergangenheit befreit worden, der damals als äußerst seltenes Luxusgut galt.

Es gab mehr zu entdecken: Mauerreste und Flechtwerksteine der Klosterkirche aus dem 8. Jahrhundert. Fragmente eines Reliefs aus dem 8. Jahrhundert gelten heute als älteste Marien-Darstellung aus Stein in Bayern. Hunderte von Gräbern lüfteten ihre Geheimnisse. Vier davon, aus dem 16. und 17. Jahrhundert, entpuppten sich als Priestergräber und letzte Ruhestätte einer Nonne. Die ausgegrabenen Toten wurden in einem anthropologischen Institut in München untersucht und wieder auf der Insel Wörth begraben. In vielen Gräbern lagen Wallfahrtsabzeichen, Münzen und Kreuze. Ein Grab stammte aus dem 6. Jahrhundert, lange bevor auf der Insel die erste Kirche stand. Begraben war darin eine Frau, die einen blauen Glasschmuck aus der Keltenzeit trug.

Im Heimatmuseum von Seehausen an der Dorfstraße sind einige Fundstücke von der Insel Wörth zur Besichtigung ausgestellt. „Vieles gab die Insel preis. Aber ein Bischof war nicht gefunden worden. Die Chance, eine namentlich zu identifizierende Person auszugraben, war ohnehin äußerst gering“, hat Georg Bosch festgestellt.

von Günter Bitala

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