Vom Medizintourismus profitieren – Neues Qualitätssiegel macht bayerische Gesundheitsstandorte international wettbewerbsfähig

Von links: Medizintourismus-Expertin Renee-Marie Stephano (USA), endogap-Chef Dr. Christian Fulghum, Staatssekretärin Melanie Huml und Landrat Harald Kühn. Foto: Ilka Trautmann

In Garmisch-Partenkirchen fand vor wenigen Tagen das „2. Forum Gesundheitswirtschaft Bayern“ statt, zu dem Experten aus dem Gesundheitswesen, aber auch Vertreter aus der Medizintechnik und der Pharmaindustrie eingeladen waren. Veranstalter der hochkarätig besetzten Tagung war die Hochschule Deggendorf in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit.

Im Mittelpunkt des Forums stand der „Internationale Medizintourismus“, und das erklärt auch, warum man Garmisch-Partenkirchen für die Tagung wählte: In der Unfallklinik Murnau und in der endogap-Klinik am Klinikum Garmisch-Partenkirchen hat man bereits Erfahrung mit dem internationalen Medizintourismus. Etwa 700 ausländische Patienten pro Jahr kommen gezielt in den Landkreis, um sich hier behandeln zu lassen – damit ist Garmisch-Partenkirchen in diesem Bereich der zweitwichtigste Standort nach München. Am Klinikum sind vor allem Hüft- und Knieoperationen gefragt. Die zahlungskräftigen Patienten, die oftmals mit der ganzen Familie anreisen, sind gern gesehen, denn bis zu 1000 Euro pro Tag ist ihnen dieser Gesundheits-Tourismus wert. Bis jetzt habe man sich um diese „Medizintouristen“ noch nicht aktiv bemüht, stellt der Chefarzt der endogap-Klinik für Gelenkersatz, Dr. Christian Fulghum, fest: „Das ging im Selbstlauf. Zufriedene Kunden haben uns einfach weiter empfohlen.“ Das soll anders werden, verstärkt will man jetzt die Plattform nutzen, die das Ministerium zum Netzwerken schaffen wird. Denn der Medizintourismus hat ein großes Potential, davon ist auch Gesundheitsstaatssekretärin Melanie Huml überzeugt, die das Forum eröffnet hatte. „Bisher wurde die Gesundheitswirtschaft bei uns als reiner Kostenfaktor gesehen und zu selten als wichtiger Wirtschaftszweig wahrgenommen. Dabei ist die Gesundheitswirtschaft ein volkswirtschaftlich hoch lukrativer Markt mit vielversprechenden Wachstumspotentialen.“ Zahlen untermauern dies: Der Gesundheitssektor hat einen Jahresumsatz von 40 Milliarden Euro in Bayern, rund 800000 Erwerbstätige sind hier beschäftigt. Die jährliche Wachstumsrate liegt bei zirka fünf Prozent; diese Steigerung wird vor allem im Pflegebereich erreicht. Angesichts dieser Aussichten will man die „Gesundheitsregion Bayern“ stärken, so soll ein Qualitätssiegel geschaffen werden, das den künftigen Patienten wichtige Standards zusichert, aber auch für Ärzte aus dem Ausland interessant werden soll für die Aus- und Weiterbildung. Für Landrat Harald Kühn ist es keine Frage, dass man diese Zertifizierung, die nicht mit der Gießkanne verteilt wird, wie der Leitende Ministerialrat Andreas Ellmaier zusichert – anstreben wird. Die neue Gewichtung der Gesundheitswirtschaft ist für Kühn zudem eine Bestätigung für sein jahrelanges Streben, den Gesundheitssektor im Landkreis weiter auszubauen: „Wir müssen uns auf diese Entwicklung einstellen, zumal wir beste Voraussetzungen bieten, so die Nähe zum Ballungsraum, die medizinische Kompetenz, die Infrastruktur. So gesehen ist die Kombination Medizin und Tourismus für unsere Region idealtypisch; wir sind prädestiniert dafür.“

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