Murnau-Werdenfelser Rind: Struktur zum Erhalt der Rasse und zur Vermarktung von Fleisch und Milch aufbauen

Hartnäckigkeit soll sich auszahlen

+
Die Murnau-Werdenfelser Rinder sollen vor dem Aussterben bewahrt werden. Mit einem Projekt wird das Regionalmanagement der Zugspitz-Region die Halter und Züchter im Landkreis unterstützen. So soll die gezielte Zucht sowie die Vermarktung von Fleisch und Milch durch verschiedene Maßnahmen gefördert werden.

Landkreis – „Da hat‘s scho Sturköpf gebraucht“, meint Landrat Anton Speer anerkennend. Denn ohne die Hartnäckigkeit einiger Landwirte wäre das Murnau-Werdenfelser Rind wahrscheinlich schon ganz verdrängt worden. Jetzt, mit Unterstützung des Regionalmanagements der Zugspitz-Region (vormals KEG), soll das Projekt „Murnau-Werdenfelser Rind“ in unserer Region eine Struktur zum Erhalt der Rasse und zur Vermarktung der Erzeugnisse aufbauen .

Durch den Erhalt und die bessere Vermarktung der hier heimischen und extrem bedrohten Rinderrasse bieten sich zahlreiche Chancen – da sind sich die Halter und Züchter, die Vertreter des Vereins zum Erhalt des Murnau-Werdenfelser Rindes, und die Vorsitzenden des Zuchtverbandes, einig. Aus den Erzeugnissen der gebirgstauglichen Rinder sollen verstärkt hochwertige Produkte für Einheimische und Touristen entstehen. Damit dies gelingen kann, muss auch die Nachfrage nach regional und handwerklich produzierten Erzeugnissen stimmen – darauf machen die Halter Anton Oswald, Josef Jais (zugleich Vorsitzender des Zuchtverbandes Murnau-Werdenfelser Rind) und Josef Seitz aufmerksam. Sie stehen beispielgebend für jene Halter und Züchter, die an der robusten Rasse festgehalten haben, obwohl dies finanziell mit Einbußen verbunden war. „Vor allem in den 1980er Jahren, bei der großen Maul- und Klauenseuche, stellten viele bei uns auf Grauvieh um. Der Preis, den man erzielen konnte, war besser, die Milchleistung ebenso“, erinnert sich Josef Glatz, Weidevorstand aus Garmisch. Für das Murnau-Werdenfelser Rind spricht die hervorragende Fleischqualität – aber die ist eben nicht in der Kürze der Zeit zu haben. Die Rinder werden ausschließlich extensiv gehalten. Jetzt, da die Verbraucher stärker auf Regionalität und Bio setzen, ein wichtiges Argument, um die Rasse stärker als bisher zu fördern. „Die Tiere gehören hier in den Landkreis“, betont Klement Fend (Verein zum Erhalt des Murnau-Werdenfelser Rindes). Er mahnt Handlungsbedarf an: „Wir müssen jetzt etwas tun. Dazu gehört die gezielte Zucht mit Vermehrung der Zuchtlinien, die Erhöhung der Bestandszahlen, die Herstellung einzigartiger Produkte und ein entsprechend umfassendes Marketingkonzept.“ Hier setzt das Regionalmanagement an, wie Lisa Loth erklärt.

"Murnau-Werdenfelser" erhalten

Beim Ortstermin auf dem Hof der Familie Oswald in Eschenlohe wird deutlich, warum Halter und Züchter sich so dafür einsetzen, dass das Murnau-Werdenfelser Rind nicht aussterben darf: „Die Murnau-Werdenfelser gehören einfach zu uns, zu unserer Region. Es wäre ewig schade, wenn es sie nicht mehr gäbe“, sagt Klement Fend, selbst Landwirt in Oberammergau und engagiert im Verein zum Erhalt des Murnau-Werdenfelser Rindes. Er spricht allen aus dem Herzen, die hier zusammengekommen sind. Die Tiere sind robust, genügsam und passen zur klein­strukturierten bäuerlichen Landwirtschaft im Landkreis. Landrat Anton Speer: „Sie sind wichtig zum Erhalt unserer Kultur und Almwirtschaft. Und sie stehen auch für Glaubwürdigkeit.“ Früher wurden auch in seiner Familie die Murnau-Werdenfelser Rinder gehalten, erzählt er. Inzwischen hat er wieder ein Kalb, freut er sich und bedankt sich gleichzeitig bei allen, „die festgehalten haben an der Rasse.“ Eine aktuelle Bestandsanalyse, die die Zugspitz-Region (vormals Kreis­entwicklungsgesellschaft) veranlasst hat, erbrachte folgende Zahlen: 65 Landwirte in unserem Landkreis halten 724 Tiere. In ganz Bayern, so wird geschätzt, sind es noch 3000 Stück.

Regionalmanagerin Lisa Loth ist vom Projekt „Murnau-Werdenfelser Rind“ überzeugt: „Die Rasse ist identitätsstiftend nach innen und außen. Aus den Erzeugnissen können hochwertige Produkte für Einheimnische und Touristen entstehen. Dies kann die regionale Wertschöpfung stärken.“ Um aus den Murnauer-Werdenfelsern eine richtige Marke zu machen, sollen Landwirte, regionaler Handel und Gastronomen verknüpft werden – auch das ist ein Ziel des Projektes, das im Rahmen der Regionalförderung jetzt für drei Jahre angelaufen ist und für das Mittel in Höhe von 100.000 Euro (80 Prozent bezuschusst das bayerische Finanzministerium) bereitgestellt werden. Wichtig wird in den kommenden Jahren also sein, eine gezielte Zucht mit Vermehrung der Zuchtlinien aufzubauen, um die Bestandszahlen zu erhöhen. Genauso wichtig ist die Herstellung hochwertiger und einzigartiger Produkte, die der Verbraucher wertschätzen lernt, damit die Erzeugerpreise für Milch und Fleisch des Murnau-Werdenfelser Rindes rentabel werden. Das exzellente Fleisch wird bereits vereinzelt hoch geschätzt. Bestes Beispiel hierfür ist Jürgen Lochbihler, der in München unmittelbar am Rand des Viktualienmarktes über zwei Etagen den „Pschorr“ betreibt und als Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Murnau-Werdenfelser Rindes die Werbetrommel für diese autochthone bayerische Rinderrasse fleißig rührt. Die Milchqualität hebt sich ebenfalls heraus, weil eben nur mit naturbelassenen Futtermitteln gearbeitet wird. „Wir brauchen den Absatz unserer Produkte“, macht Landwirt Anton Oswald deutlich. Gemeinsam mit dem Eschenloher Landwirt Josef Jais (gleichzeitig Vorsitzender des Zuchtverbandes Murnau-Werdenfelser Rind) hat er sich auch der Verkäsung gewidmet. Dieser Käse, der nur aus der Milch von Murnau-Werdenfelsern stammt, wurde inzwischen in der Schaukäserei Ettal produziert. Der erste Laib von insgesamt 20 soll dort am 3. Mai angeschnitten werden. „Das ist ein Testlauf“, erklärt Klement Fend. Wenn der Käse beim Verbraucher gut ankommt, kann man diesen vielleicht später einmal sogar in regionalen Supermärkten anbieten. Nur die gesteigerte Nachfrage nach dem Fleisch und der Milch kann die Züchter und Halter ermutigen – letztlich kann so auch der Verbraucher einen Beitrag zum Artenschutz leisten.

Von Ilka Trautmann

Meistgelesene Artikel

"Einwanderer ja, aber wir suchen aus"

GAP – „Auf Werte, die uns wichtig und unumgänglich sind, Werte wie Menschlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe, wollen wir aufmerksam machen“, erklärt …
"Einwanderer ja, aber wir suchen aus"

62-jähriger Ammertaler auf Wirtschaftsweg angefahren

Unterammergau - Er ging gestern gegen halb sechs mit seiner Frau auf dem Wirtschaftsweg spazieren und plötzlich fährt ihn von hinten ein Wagen an. …
62-jähriger Ammertaler auf Wirtschaftsweg angefahren

Neue SCR-Cheerleader gesucht

GAP – Man kennt sie aus vielen amerikanischen Filmen. Cheerleader - ob beim American Football oder in Garmisch-Partenkirchen beim Eishockey - die …
Neue SCR-Cheerleader gesucht

Kommentare