Oberammergau lässt die Haare wachsen

Aschermittwoch ist der traditionelle Termin in Oberammergau für den Haar- und Barterlass durch die Gemeinde. Ab diesem Tag sollten sich alle, die nächstes Jahr bei den Passionsspielen mitwirken, die Haare und die Männer auch die Bärte wachsen lassen. Früher war das eine ortsinterne, bescheidene Angelegenheit, die Oberammergauer wussten um ihre Pflichten in Sachen Passion, allenfalls die lokale Presse bereitete die Sache zu einem Beitrag auf.

Da sah es jetzt vor dem Passionstheater schon anders aus: Fotografen, Kamerateams, Rundfunkreporter und die schreibende Zunft hatten sich eingefunden, der bayerische Rundfunk stimmte ab dem frühen Morgen halbstündlich auf ein „großes Ereignis“ ein. Pünktlich um 11 Uhr begrüßte 2. Bürgermeister Florian Streibl die Medienvertreter sowie einige Oberammergauer, die live dabei sein wollten. Eigentlich sollte Streibl beim politischen Aschermittwoch der Freien Wähler in Deggendorf sein, für ihn war es aber keine Frage, diesem Termin in seinem Heimatort den Vorzug zu geben. Streibl wörtlich: „Ich freue mich schon sehr, dass ich heute als 2. Bürgermeister diesen für Oberammergau doch bedeutsamen Termin wahrnehmen darf.“ Gemeinsam mit Spielleiter Christian Stückl wurde unter dem Surren und Klicken der Kameras ein Plakat mit dem Erlass an der Foyertüre des Passionstheaters angebracht. Mit Blick auf Florian Streibl meinte Stückl dann scherzhaft: „Der Florian hält sich scheinbar nicht an den Erlass, der hat sich heute morgen nochmal fein rasiert, einen Honorarabzug hat das aber nicht zur Folge.“ Das Inkrafttreten des Haar- und Barterlasses ist für Christian Stückl eine der schönsten Geschichten um die Passion herum. „Wenn man sieht, dass sich Jung und Alt an diese Regelung halten, so ist das eine tolle Sache und zeigt die Begeisterung für die Passion“, so Stückl. „Friseure in Oberammergau arbeitslos“ diese beliebte Schlagzeile müsste auch in der Boulevardpresse ausgedient haben, denn die Realität sieht anders aus, wie Doris Bartl und Gaby Daisenberger von den beiden Friseursalons in Oberammergau berichteten. Gaby Daisenberger dazu in einem Interview im bayerischen Rundfunk: „Wir werden Gott sei Dank nicht arbeitslos, vor dem Erlass hatten wir schon mehr Arbeit, viele ließen sich die Haare nochmal ganz kurz stutzen, aber auch in den kommenden Monaten haben wir genug zu tun. Langes Haar und dichter Bart verlangen auch ihre Pflege und so richtig verwildert möchte doch keiner rumlaufen. Außerdem gibt es ja eine hohe Zahl von Mitwirkenden, für die der Erlass nicht zutrifft, wie Römer, Dekorationer, Garderobefrauen, Feuerwehr, Sanitäter, Orchester und Einlasser.“ Spielleiter Christian Stückl informierte die Presse auch noch über den aktuellen Stand der Passionsvorbereitungen. Derzeit werden die Werkstätten für Schreinerei und Näherei aufgestellt, in die Vorbereitungsarbeiten müssen auch bereits die Gedanken an das Nachtspiel mit einfließen. Natürlich versuchten die Medienvertreter auch etwas hinsichtlich der Rollenvergabe aus dem Spielleiter herauszuholen, doch da ging gar nichts. „Das ist eine ganz geheime Sache, es darf spekuliert werden, die Gerüchteküche kocht schon wieder in Oberammergau, aber da müssen halt alle bis zum 18. April warten,“ meinte Christian Stückl.

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