Die "Seehausen" swingt durch die Nacht

70 Ausflügler haben jüngst die erste Mondscheinfahrt mit der neuen „Seehausen“ auf dem Staffelsee genossen. Der KREISBOTE war dabei.

Die Abendsonne taucht den Staffelsee in ein gelbes Licht, Wellen plätschern sanft an den Kiesstrand, eine Ente putzt auf einem Stein im Wasser ihr Gefieder. Unweit von ihr liegt die „Seehausen“ vor Anker. Eine Menschenmenge steht auf der grünen Schiffsrampe am Bug und wartet. Die Ausflügler wollen alle einen der begehrten Plätze für die erste Mondscheinfahrt des neuen Schiffes der „Staffelsee Motorschifffahrt OHG“ ergattern. Die Glocken der Kirche in Seehausen läuten. Es ist 19.30 Uhr. Jetzt öffnet Kapitän Gerhard Meyer die Tür. Sofort strömen die vielen Paare und Familien auf das Schiff und suchen sich ihre Plätze: Die einen setzen sich in den mit braunen Holztischen und roten Stühlen schlicht eingerichteten Raum im unteren Deck; die anderen gehen nach oben auf das Sonnendeck und genießen dort die malerische Kulisse des Staffelsees. Jeder ist gespannt auf die zweieinhalbstündige, 21 Kilometer lange Fahrt von Seehausen über Uffing, Murnau und vorbei an der Insel Wörth. Am Heck des 33 Meter langen und 6,6 Meter breiten Schiffs flattert eine blau-weiße Flagge zaghaft im Wind. Es ist angenehm warm, so mancher Ausflügler knöpft die Jacke auf, setzt sich die Sonnenbrille auf die Nase und nimmt einen Schluck erfrischendes Bier. Ein Ruderer gleitet im roten Kajak auf dem Wasser vorbei, Urlauber sitzen am Ufer, Vögel zwitschern im Schilf. Die Motoren der „Seehausen“ schnurren sanft. „Das Schiff ist so leise“, schwärmt ein Passagier. Das Vorgängerschiff sei ein Rüttelbulle gewesen, sagt der Senior schmunzelnd. Mit diesem fuhren in den vergangenen elf Jahren zahlreiche Touristen über den See. Doch weil das Schiff nur Platz für hundert Schifffahrer bot und die Nachfrage immer größer wurde, schippert seit April eine neue „Seehausen“ über den See – und mit ihr bis zu 270 Ausflügler. „Ding dang dong“ bimmelt es dumpf aus den Lautsprecherboxen auf dem Sonnendeck. Kapitän Meyer begrüßt die etwa 70 Passagiere: „Das Wetter schaut gut aus. Ich wünsche Ihnen eine gute Stimmung.“ Ein starker Ruck durchzuckt das Schiff. Es gleitet rückwärts in den See, schlägt links ein und tuckert dann mit 7,2 Stundenkilometern gemächlich los. Die Fahrt führt vorbei am Strandbad Seehausens und der Wasserwacht-Hütte, vorbei an Wäldern, Bergen und kleinen Inseln. Kapitän Mayer lenkt bereits seit 20 Jahren Schiffe wie die „Seehausen“ über den Staffelsee. Entspannt liegen seine Hände auf den beiden Steuerrädern, abwechselnd blickt er auf einen Monitor und aus dem Fenster in die Ferne. Rot, grün und gelb leuchten die Lampen an seinem Kontrollpult. Der Bildschirm zeigt die Route, das Radar, den Maschinenraum, das aufgewirbelte Wasser hinter dem Schiff, aber auch das Treiben auf dem Oberdeck an. „Schau mal, ich sehe die Motoren und da blubbert das Wasser“, ruft ein strohblonder Bub auf dem Sonnendeck seiner Mutter zu. Er kniet auf einer Holzbank und beugt sich über die Reling. Nebenan bewundern sein Vater und seine Schwester abwechselnd durch ein Fernglas die Landschaft. Einen Tisch weiter macht eine Mutter Urlaubsfotos von ihren zwei Töchtern. Ein Ehepaar lässt sich ein frisch gezapftes Bier schmecken. Eine Frau streckt ihr Gesicht der Sonne entgegen. Unterdessen lässt eine Gruppe Frauen und Männer drei Geburtstagskinder hochleben. Die Stimmung ist ausgelassen. Der Wind trägt das Gelächter ans Ufer. Weiße Hemden, kurze braune Lederhosen und beige-farbene Wadenstrümpfe: Im unteren Deck spielen die drei Musiker der Band „Garleit’n Trio“ zünftig bairische Musi, Schlager und Partylieder: Werner Gampe lässt die Zieharmonika munter pfeifen, die Gitarre von Jakob Lidl erklingt fidel, Wiggal Bitzls Bass brummt gemütlich. Der Geruch von warmem Leberkäs liegt in der Luft. Die Abendsonne strömt durch die Panoramafenster und taucht das untere Deck in ein gelbes Licht. Im Takt tanzen die Finger auf dem Tisch. Anne und Reiner Farnung singen leise mit. Die Urlauber aus Fulda in der Rhön erleben ihre erste Mondscheinfahrt – und sie sind begeistert: „Die Aussicht ist sehr schön und es ist so ein geselliger Abend“, sagt Anne Farnung. Ihr Mann fotografiert das Bergpanorama. Zur nunmehr rötlich hinter Wolken schimmernden Sonne gesellt sich am Himmel der Mond hinzu. Weiße Wolken ziehen in langen Streifen vorbei, ein Flugzeug malt einen weißen Strich in den Himmel. Langsam bricht die Nacht herein. „Prost“, rufen die drei Musiker im unteren Deck. Sie machen Pause, genehmigen sich einen Schnaps. Ein bis zwei Mal im Jahr spielt das „Garleit’n Trio“ auf der „Seehausen“ und trägt mit seiner Musik zur Ausflugsstimmung bei. „Die Leute sollen sich während der Fahrt entspannen und relaxen“, sagt Lidl. Der Raum füllt sich zusehends, die Kälte treibt die Ausflügler vom Sonnendeck ins Warme. Weiter geht’s. „Resi, i hol di mit meim Traktor ab“, singt Lidl. Eine Frau dichtet das Lied passend zur Mondscheinfahrt um und trällert laut: „Resi, i hol di mit meim Schifferl ab.“ Die Menschen tanzen, sind fröhlich. Die „Seehausen“ swingt durch die Nacht. Am Ufer leuchten orange die Lichter Seehausens. Schon nähert sich das Schiff wieder der Anlegestelle. „Bye bye love, bye bye happiness”, singen die Musiker. Die „Seehausen“ durchzuckt ein kurzer Ruck, das Schiff legt an. Der Kapitän öffnet die Tür und nur wenige Passagiere verschwinden in der Nacht. Die meisten jedoch möchten noch nicht Abschied nehmen. Für sie spielt die Band die Zugabe „Ein Stern, der deinen Namen trägt“. Auch Anne und Reiner Farnung bleiben sitzen. „Ich wünschte, dass Schiff würde weiter fahren“, sagt Anne Farnung. „Der Abend sollte nie enden.“

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