Dilemma nach Autounfall

Start von Felix Neureuther am Mittwoch im Slalom ist mehr als fraglich

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Gefragter Interviewpartner: Felix Neureuther.

Region / Sotschi – Schlechte Nachrichten für Felix Neureuther. Der Ski-Star musste am Montag sein erstes Training in Sotschi nach dem Autounfall (am vergangenen Freitag auf der A95) mit Schmerzen abbrechen. Alpin-Boss Wolfgang Maier sagte über den geplanten Start am Mittwoch im Riesenslalom (8 Uhr/11.30 Uhr): „So wie es jetzt aussieht, fährt er nicht.“

Neureuther war Freitagmorgen auf dem Weg zum Flughafen mit dem Auto auf der Autobahn bei Blitzeis ins Schleudern geraten und gegen die Leitplanke geprallt, danach war er vier Stunden beim Arzt. Bei den ersten Trainingsläufen soll Neureuther am Montagmorgen noch problemlos gefahren sein, doch dann sollen die Schmerzen immer stärker geworden sein. Maier weiter: „Ihm ist es in den Nacken gefahren. Für den Riesenslalom kann ich mir einen Start schlecht vorstellen. Ich möchte es nicht absagen, aber so wie jetzt kann er überhaupt kein Rennen fahren.“ Angeblich soll Neureuther nach dem abgebrochenen Rennen nicht mal in der Lage gewesen sein, seine eigene Skijacke auszuziehen. Die Piste am „Rosa Peak“ war weich und die Sicht wegen Nebels miserabel, als Felix Neureuther eine Spurrille erwischte, die seinen Traum von Olympia wohl endgültig zerstörte. Ein stechender Schmerz im Nackenbereich, es ging nichts mehr. Am Sonntagabend hatte sich Neureuther in Sotschi noch als begnadeter Entertainer präsentiert. Es sieht so aus, als bliebe dies sein einziger großer Auftritt bei Olympia 2014. Für das Rennen in Neureuthers Spezialdisziplin Slalom am Samstag „werden wir alles versuchen, um ihm wenigstens eine Chance auf einen Start zu ermöglichen“, meinte Maier. Er werde „alles probieren“, um an den Start zu gehen, hatte Neureuther am Sonntagabend versichert. Und am Montagmorgen ließ es sich zunächst gut an. Das freie Fahren klappte gut, also entschloss er sich zu einem Test in den Stangen. Auch da hatte er beim ersten Versuch keine größeren Probleme. Beim zweiten Lauf erwischte Neureuther dann aber die Rille, sein Kopf wurde zur Seite gerissen, er brach das Training ab. Eingemummelt in einen dicken Schal und mit hängendem Kopf verließ er den Trainingshang und begab sich sofort wieder in Behandlung seines Physiotherapeuten Martin Auracher. Eine weitere Kernspinuntersuchung sollte überdies Aufschluss über mögliche Folgeverletzungen geben. Der ganze Fall sei „extrem heftig“, sagte Maier, dem es hörbar schwer fiel, seine Emo- tionen unter Kontrolle zu halten. Neureuthers Autounfall am vergangenen Freitag hat nicht nur den besten deutschen Ski-Rennläufer, sondern den ganzen Skiverband durchgerüttelt. „Felix ist in der Form seines Lebens – und dann passiert ihm das“, sagte Maier mit einem Schuss Verzweiflung. In Sotschi sollte Neureuther als erster Deutscher seit Markus Wasmeier 1994 wieder eine Alpin-Medaille gewinnen. Schon im Riesenslalom rechnete er sich nach seinem Sieg in Adelboden im Januar gute Chancen aus. Im Slalom sollte sein Duell mit Weltmeister Marcel Hirscher aus Österreich einer der großen Zweikämpfe der Spiele werden. Und jetzt? Sollte Neureuther nicht starten, ruhen die Hoffnungen auf Fritz Dopfer. „Olympische Spiele sind der Lebenstraum eines jeden Sportlers. Seit ich denken kann, will ich dabei sein. Und ich hoffe natürlich, dass ich dort meine absolute Topleistung abrufen kann“, sagt der Fahrer vom SC Garmisch. „Am Anfang der Saison hatte ich noch Probleme mit der Technik. Auch von der Skiabstimmung war es noch nicht optimal. Aber es ist im Verlauf der Saison immer besser geworden. Die Trainingsläufe haben mir Zuversicht gegeben, und die letzten Resultate haben auch gezeigt, dass es in die richtige Richtung geht.“ Er geht im Slalom und Riesenslalom an den Start. „Die besseren Rennen waren bis jetzt im Riesenslalom. Aber ich bin auch im Slalom relativ schnell“, sagt Dopfer. „Ich kenne die Olympiastrecken nicht, habe aber gehört, dass der Riesenslalom relativ lange und mit vielen Übergängen und vielen Flachstücken sein soll. Im Endeffekt muss man sich auf alles einstellen.“ Die großen Favoriten am Mittwoch sind Marcel Hirscher aus Österreich und Ted Ligety aus den USA. Derzeit führt Hirscher die Riesenslalomwertung im Weltcup an vor Alexis Pinturault aus Frankreich und Ligety. Dahinter folgen der Franzose Thomas Fanara, Felix Neureuther, Leif Kristian Haugen aus Norwegen und die beiden Deutschen Stefan Luitz und Fritz Dopfer. Vor vier Jahren in Vancouver holte der Schweizer Carlo Janka die Goldmedaille vor den beiden Norwegern Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal. Bei der Weltmeisterschaft In Schladming gewann Ligety Gold vor Hirscher und Manfred Mölgg aus Südtirol.   tf

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