In vier Jahren ist die Gemeindekasse leer – Bürgermeister Nunn findet bei der Bürgerversammlung klare Worte

Wen drücken da wohl die größeren Sorgen? Erster Bürgermeister Arno Nunn und Landrat Harald Kühn bei der Bürgerversammlung in Oberammergau. Foto: Zinner

Die finanzielle Situation der Gemeinde Oberammergau war das beherrschende Thema der Bürgerversammlung. Trotz 39 Millionen Euro Passionsgewinn von 2010 ist voraussichtlich 2016 die Gemeindekasse leer. Recht dürftig besetzt waren die Reihen im Saal des Ammergauer Hauses, ein schweres Gewitter über dem Ammertal war vielleicht mit ein Grund.

Landrat und Bürgermeister sollten sich in ihrer Redezeit einschränken, dieser Antrag eines Bürgers zeigte Wirkung, Landrat Harald Kühn fasste sich kurz, er sagte u.a.: „Wie wir wissen, hat keine Gemeinde im Landkreis soviel Geld auf der hohen Kante wie Oberammergau, jetzt hat sich aber die finanzielle Situation auch in Oberammergau eingetrübt.“ Grund ist ein Steuerbescheid über 5,6 Millionen Euro, doch damit ist es noch nicht getan, wie Bürgermeister Arno Nunn erläuterte. Es kommen noch 1,5 Millionen Gewerbesteuer und 400.000 Euro Soli dazu, außerdem sind 2 Millionen mehr an Kreisumlage zu berappen und bei der Schlüsselzuweisung wird Oberammergau 2 Millionen weniger bekommen. Das macht unter dem Strich 11,5 Millionen Miese. Damit ist die bisherige Finanzplanung komplett über den Haufen geworfen. So wollte man mit den 39 Millionen umgehen: 16 Millionen für Investitionen, 15 Millionen für laufende Ausgaben und Defizitausgleich hauptsächlich der touristischen Einrichtungen sowie 8 Millionen Rücklage für die Passion 2020, wie vom Freistaat Bayern verlangt. Das harte Fazit des Bürgermeisters: „2016 ist die Kasse leer, vermutlich gehen wir mit 14 Millionen Euro Schulden in die Passion 2020.” Der Schock im Rathaus war groß, als der Steuerbescheid vorlag, da bohrte eine Bürgerin kräftig nach und meinte: „Wie kann man in einer solchen Sache einen Schock erleiden, schließlich hat man einen Steuerprüfer und jeder kleine Bürger weiß doch auch, ob eine Nachzahlung auf ihn zukommt.“ Die Antwort von Nunn: „Natürlich wussten wir über steuerliche Konsequenzen Bescheid, der Gemeinderat war nur über die Dimension der Belastung geschockt.“ Die Entwicklung war jedoch klar. Bis 2008 konnten Verluste mit dem Passionsgewinn aufgerechnet werden, durch eine Steuergesetzänderung ist das seit 2009 vorbei. Nach so viel Steueraufklärung blickte Bürgermeister Nunn doch noch in die Zukunft. Im Wellenberg wird saniert, die Alpengaststätte soll verkauft werden und das Ergebnis der Bürgerbefragung liegt vor. Von 2300 angeschriebenen Haushalten machten 733 mit, das sind immerhin 32 Prozent. Interessante Ergebnisse liegen dadurch vor. Die Bürger möchten einen Lebensmittelmarkt im Zentrum sowie eine Fußgängerzone, ein klare Absage erteilten sie hingegen einem Rathausneubau und einer Passionsausstellung. Nähere Details sollen bei Versammlungen am 13. und 18. September vorgestellt werden. Arno Nunn abschließend: „Wir haben eine sehr schwierige Situation, aber wir sollten uns trotzdem etwas zutrauen, in Oberammergau ist vieles da, das sollten wir nutzen.“ Wenig Fragen gab es aus dem Publikum, kein einziger schriftlicher Antrag lag vor. Mit düsterer Finanzprognose endete der gewittrige Abend, ein Rettungsschirm wie bei der Eurokrise ist nicht in Sicht. Vorschläge machte der Bayerische Rundfunk in seinem Mittagsjournal auf Bayern Eins, der Moderator meinte: Passionsspiele alle zwei Jahre oder sogar jährlich, Durchfahrtsmaut erheben, ebenso ein Eintrittsgeld für die Gemeinderatssitzungen, da diese hin und wieder einer Theateraufführung gleichen. Eine tägliche Seifenoper im Privatfernsehen und Theaterstücke über Themen wie Passionsspielfassung und fahrbare Überdachung. Stückl könnte dann Stückl und Nunn den Nunn spielen, Honorareinsparungen sind somit möglich . . .

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