Wirtschaftsdialog mit Ilse Aigner

„Von der Landschaft und der schönen Kulisse allein können wir nicht leben“

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Lebhafte Diskussion im Dorint Sporthotel (v.li.): Garmisch-Partenkirchens Landrat Anton Speer im Gespräch mit Moderatorin Ursula Heller und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

GAP / Region – Alles perfekt durchgestylt und inszeniert. Kein Wunder, schließlich veranstaltet die Bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner die „Wirtschaftsgespräche in der Region“ seit eineinhalb Jahren quer durch den Freistaat. Sie will wissen, „wo der Schuh drückt.“ Diesmal war die Planungsregion 17 das Ziel, welche die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz-Wolfratshausen, Miesbach und Weilheim-Schongau umfasst. Im Dorint Sporthotel Garmisch-Partenkirchen wollte die Ministerin mit Vertretern aus Tourismus, Handel und Handwerk ins Gespräch kommen. Kein Monolog sollte es sein, sondern ein Dialog. So war es dann auch, es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, kompetent moderiert von Ursula Heller vom Bayerischen Fernsehen.

Zu Beginn der Veranstaltung verkündeten die beiden Damen unisono, wie schön die Region sei. Ilse Aigner: „Als ich nach Garmisch-Partenkirchen gekommen bin, ist mir das Herz aufgegangen“ und Ursula Heller sagte: „Als ich heute Morgen in München losgefahren bin, hatte ich das Gefühl, es geht in den Urlaub.“

Genau das ist aber auch das Problem dieser Region, für junge Leute gibt es kaum Perspektiven. Arbeitsplätze bieten sich vor allem in Niedriglohnbereichen, wie dem Gastgewerbe. Das betont auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer: „Von der Landschaft und der schönen Kulisse allein können wir nicht leben.“ So plädierte sie mit anderen Diskussionsteilnehmern für die Ansiedelung einer Hochschule oder zumindest einer Außenstelle. Peter Wiedemann, Inhaber der gleichnamigen Parfümerie mit Sitz in Bad Tölz und Filialen im ganzen Oberland, bat die Ministerin zu prüfen, ob man nicht die vier verkaufsoffenen Sonntage pro Jahr von den Märkten entflechten könne. Bisher dürfen die Geschäfte am Sonntag nur geöffnet haben, wenn ein Markt stattfindet. Wiedemann meint, „den Geschäftsleuten bringt das nicht viel. Entweder gehen die Leut‘ auf den Markt oder sie gehen einkaufen.“ Aigner will dies prüfen, obwohl für sie das Ladenschlussgesetz „eine heilige Kuh ist, an der man besser nicht rüttelt, da man sich dabei nur die Finger verbrennen kann.“

Der größte Teil der zweistündigen Veranstaltung dreht sich dann um das Thema Tourismus. Neben München ist Garmisch-Partenkirchen der Tourismusort mit der höchsten Übernachtungszahl in Bayern. Jutta Griess, Kreisvorsitzende des Hotel-und Gaststättenverbands, lobt die siebenprozentige Mehrwertsteuer, kritisierte aber die Ausnahmegenehmigungen und die Bürokratie, die dadurch entsteht. Gabriele Schober, die in Bad Kohlgrub ein Hotel betreibt, forderte die Ministerin auf, sich bei den Krankenkassen dafür einzusetzen, dass die Standards in Sachen Kuren eingehalten werden. „Viele Versicherte verbringen ihre Kur in osteuropäischen Ländern – da gelten diese Vorgaben nicht.“ Landrat Anton Speer sprach das Thema Nationalpark Ammergebirge an und appellierte eindringlich: „Wir wollen diesen Nationalpark nicht.“ Konkrete Ergebnisse brachte der Vormittag freilich keine, aber Ilse Aigner versprach, „Ihre Anliegen sind notiert und ich werde mich darum kümmern.“

Von Lilian Edenhofer

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