Abitur auch für Azubis

Die Staatliche Berufsschule Ostallgäu wurde bayernweit als eine von zehn Versuchsschulen für das Projekt „Berufsschule plus” ausgewählt. Jugendliche haben dabei die Möglichkeit, parallel zu ihrer Ausbildung die Berechtigung für ein Studium an der Fachhochschule zu erwerben. In Marktoberdorf drücken derzeit 20 junge Leute neben ihrer Lehre die Schulbank, um ihr Ziel zu erreichen, später studieren zu können.

Mit Beginn des Schuljahres im Herbst 2008 traten zunächst 28 Auszubildende an, um sich der Herausforderung eines ergänzenden Unterrichts zu stellen. Nach neun Monaten sind jetzt noch 20 junge Erwachsene zwischen 17 und 20 Jahren in der Versuchsklasse. „Neben der Ausbildung noch der Unterricht bringt psychische und physische Belastungen mit sich”, erzählt die Schülerin Michaela Lidl aus Kaufering. Einigen war diese Doppelbelastung dann doch zu viel. „Wenn alle noch schlafen, müssen wir am Samstagvormittag in die Schule”, bedauert Christian Kledwig aus Kempten. Doch genau wie ihre verbliebenen Mitschüler nehmen sie die Anstrengungen auch gerne in Kauf, da alle ein klares Ziel vor Augen haben. Sie eint der Wunsch, nach Abschluss ihrer Ausbildung ein Studium zu beginnen. Während Michaela in Richtung Betriebswirtschaftslehre steuert, will Christian Ingenieur werden. Von den zwölf Mädchen und acht Jungen der Klasse haben 17 vorher die Realschule absolviert. Aber auch Auszubildende mit dem Mittleren Abschluss vom Gymnasium, einer Wirtschaftsschule oder dem M-Zug der Hauptschule können sich für die „Berufsschule plus” bewerben, wenn sie in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch mindes- tens einen Schnitt von 3,5 nachweisen. Außerdem müssen sie eine Ausbildung antreten. Parallel dazu wird dann jeden Mittwochabend und alle zwei Wochen am Samstagvormittag gepaukt. Nach drei Jahren Ergänzungsunterricht muss in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik eine Abschluss- prüfung bestanden werden; doch auch zwischendrin werden Lernkontrollen durchgeführt und benotet. So müssen die Schüler neben den wöchentlich sechs Unterrichtsstunden noch einmal in etwa die gleiche Zeit für Hausaufgaben und Lernen investieren. Da dies zusätzlich zu ihrer Arbeitszeit im Betrieb und dem normalen Berufsschulunterricht absolviert wird, erfordert es von den Jugendlichen ein hohes Maß an Motivation und Einsatzbereitschaft. Dieser Wille zum Durchhalten ist auch in der Klasse spürbar und äußert sich positiv in der Gemeinschaft, sind sich die Lehrkräfte einig. Genauso wie Schulleiter Remigius Kirchmaier sprechen sich Lehrer und Schüler gleichermaßen lobend über das Modellprojekt „Berufsschule plus” aus. Der Versuch wird im nächsten Schuljahr fortgesetzt. Im September beginnt die nächste Klasse mit maximal 28 Schülern. Interessenten mit mittlerem Bildungsabschluss, die im Herbst ihre Ausbildung beginnen, können sich ab sofort im Sekretariat der Berufsschule Ostallgäu über die Einzelheiten informieren.

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