Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren informiert sich über aktuelles Einzelhandelskonzept

Kein wirklicher "Bringer"

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Kein Thema für die erste Reihe? Auch über das anvisierte Fachmarktzentrum im Forettle wurde beim „ImpulsDialog“ der Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren diskutiert.

Kaufbeuren – Im Rahmen eines Diskussionsforums zum anvisierten Fachmarktzentrum am Forettle haben die Mitglieder der Kaufbeurer Aktionsgemeinschaft, sämtlich Einzelhändler rund in der Innenstadt, sich durchaus kritisch zum Projekt geäußert. Die Vielzahl an offen gebliebenen Fragen zeigt, dass dessen Nutzen für die Stadt längst nicht erwiesen ist. 

Jetzt schaltet sich auch die Aktionsgemeinschaft Kaufbeuren (AK) in die Diskussion um das anvisierte Fachmarktzentrum im Forettle ein. In Abstimmung mit der Stadtverwaltung hatte die AK vergangene Woche ins Stadtmuseum geladen, um mit dem städtischen Einzelhandelsgutachter Dr. Manfred Heider wesentliche Inhalte und Zielsetzungen des aktuellen Einzelhandelskonzepts zu erörtern. 

„Wir müssen eine Gesamtperspektive für den Einzelhandel gemeinsam erarbeiten und hieraus die notwendigen und sinnvollen Schlussfolgerungen für die Entwicklung im Forettle ziehen“, warb Stefan Geyrhalter, Vorsitzender der AK, in seiner Begrüßung für eine umfassende Sichtweise. Die sogenannte „einzelhandelsrelevante Kaufkraft“ wird sich im Lauf der kommenden Jahre laut AK in Stadt und Region nicht erhöhen, sondern vielmehr tendenziell verringern. Dies betrifft gerade den Ladeneinzelhandel und das Ladenhandwerk – zwei Bereiche, die zunehmend durch den Online-Handel bedrängt werden. Darauf wies Dr. Stefan Leuninger, Moderator der zweistündigen Abendveranstaltung, schon zu Beginn hin. 

Demnach zeigen auch die regionalen Bevölkerungsprognosen und das Konsumverhalten der Bürger, dass die Entwicklungsspielräume im Einzelhandel eher begrenzt sind. „Vor diesem Hintergrund sind Investitionsmaßnahmen sehr sorgfältig zu prüfen und abzuwägen“, so die Meinung der AK. Überrascht zeigten sich die anwesenden Gäste von der Aussage Dr. Heiders, dass es selbst durch den Modepark Röther, als der mit Abstand bedeutendsten Einzelhandelsansiedlung der vergangenen Jahre, nicht gelungen sei, das Marktgebiet des Oberzentrums Kaufbeuren auszuweiten: „Das war ein Beitrag, um das Marktgebiet und den Wettbewerb um Kunden zu stabilisieren“. Insgesamt verfügt Kaufbeuren laut Gutachter heute über rund 125.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, davon rund 20 Prozent in der Altstadt. Die Entwicklung der Altstadt in den vergangenen Jahren sieht jedoch eher trüb aus: „Abnehmende Bedeutung als Handelsstandort!“ 

Im Mittelpunkt der Diskussion standen zum einem die Perspektive des Einzelhandelsstandortes Altstadt und zum anderen der konkrete Nutzen des geplanten Investitionsvorhabens am Forettle. Laut AK waren sich die Teilnehmer des ImpulsDialogs einig, dass das größte Hindernis für die weitere Handelsentwicklung in der Altstadt darin besteht, dass es derzeit an passenden, marktfähigen Immobilien mangelt. „Es ist notwendig, in einem neuen Gesamtkonzept das Thema aufzugreifen und auch das Potenzial der Altstadt als Wohnstandort zu beleuchten. Denn Wohnen bedeutet Frequenz und Belebung“, fordert die AK. Erwartungsgemäß gab es zum Investitionsvorhaben Forettle die größten Meinungsunterschiede. 

Zwar bestand laut AK überwiegend Einigkeit dahingehend, dass das derzeitige Konzept „nicht der große Bringer“ sei und aufgrund Größenordnung und Sortimentsstruktur kaum zusätzliche Kaufkraft in Stadt und Region binden wird. Andererseits gab es Meinungen, die gerade in der Ankerfunktion Impulse für diesen Teil der Altstadt sahen. Das Thema „Lebensmittelsortiment“ wurde hierbei kritisch gesehen, da es bereits zahlreiche Lebensmittelmärkte im Stadtgebiet gebe und spürbare Umsatzumverteilungen in Millionenhöhe im Stadtgebiet zu erwarten seien. 

Hier wurde aus Sicht der AK das Dilemma des Projektes deutlich: „Mit der jetzigen Konzeption gibt es überwiegend eine Umsatz-Umverteilung in Kaufbeuren – deutlich größere Projekte, die auch eine regionale Strahlkraft besitzen, führen möglicherweise zu größeren strukturellen Verwerfungen im Stadtgebiet“. Wie die AK berichtet, sicherte Oberbürgermeister Stefan Bosse am Ende der Veranstaltung den Teilnehmern zu, den Fachdialog fortzusetzen zu wollen und hierfür auch die notwendigen Unterlagen und Pläne – unter anderem das Einzelhandelskonzept für Kaufbeuren sowie die Verkehrsuntersuchungen – zur Verfügung zu stellen. 

Die AK hat noch offene Fragen

Im Hinblick auf die anstehenden Informationsveranstaltungen (die erste findet am 5. November um 20 Uhr, im Stadtsaal Kaufbeuren statt) wurde zum Forettle unter anderem eine Reihe von Fragen formuliert, die es kurzfristig zu beantworten gilt: 

• Wie leistungsfähig ist die PKW-Anbindung an das Forettle? 

• Ist mit einer zusätzlichen Verkehrsbelastung in der Altstadt durch „Schleichverkehr“ zu rechnen? 

• Was bringt eine Anbindung für Fußgänger vom Forettle an die Altstadt und welcher Kosten fallen an? 

• Wird ein städtebauliches Gesamtkonzept für das Areal benötigt – inklusive angrenzender Grundstücke? 

• Wie ist die architektonische Ansicht des Projektes? • Wie gestalten sich die konkrete Sortimentsplanung und die geplanten baurechtlichen Festlegungen? 

• Welchen Nutzen hat das Projekt für die Stadt- und Handelsentwicklung? (auch vor dem Hintergrund des diskutierten „Scheibel-Projektes“) 

• Welche verfügbaren Entwicklungspotenziale gibt es für die Altstadt?

von Kreisbote

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