Aktienbrauerei auf gutem Weg

Das Sudhaus der Aktienbrauerei Kaufbeuren

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen sieht Vorstand Werner Sill die Aktienbrauerei auf einem guten Weg. Das verkündete er kürzlich auf der Hauptversammlung der Aktienbrauer zu der rund 60 Kleinanleger in der „Zeppelinhalle“ erschienen waren. Vor allem die schwierige Branchensituation habe zu einer wirtschaftlich angespannten Lage der Gesellschaft geführt, was insbe- sondere auf die Liquiditätslage und die Eigenkapitalsituation negative Auswirkungen hat. Der Vorstand indes plant, den künftigen Entwicklungen durch Maßnah- men in allen Unternehmensbereichen zu begegnen.

Wie Sill ausführte, trinken die Deutschen immer weniger Bier. So sei erstmals seit der Grenzöffnung der Bierausstoß der deutschen Brauer unter die 100 Millionen-Hektoliter-Marke gefallen. Als Konsequenz wird der Kasten Premiumbier deutlich unter zehn Euro angeboten Verlierer aus Sills Sicht seien dabei die Regionalmarken, „die diesem Preisdruck nicht standhalten können“. Auch das Allgäu konnte sich diesem Trend nicht entziehen. Als Ergebnis steht bei den Allgäuer Brauereien für 2011 ein Minus von 1,9 Prozent. Auch die Aktienbrauerei verzeichnet bei seinen Marken im Zeitraum von Januar bis Oktober 2011 Absatzverluste im Bierbereich um fünf Prozent. Mit Ausnahme des ISO-Weizens (Plus 32 Prozent) haben sich laut Sill alle anderen Bierspezialitäten der Aktienbrauerei rückläufig entwickelt: Das Hell und Weizen um jeweils rund fünf Prozent, das Edel um 7,5 Prozent und die Bügelverschlussflasche um rund drei Prozent. Ungeachtet dessen werde die Kaufbeurer Brauerei ihre Preisposition nicht ändern, da die Deckungsbeitragsverluste durch Preisanpassungen nicht durch Mengenwachstum zu kompensieren wären. „Wir setzen weiter auf die Vermarktung von Bierspezialitäten in höchster Qualität“, erklärte Sill. Auch im wichtigen Geschäftsbereich Gastronomie musste das Unternehmen einen Absatzrückgang seiner Getränke von rund 5,7 Prozent für 2011 hinnehmen. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wurde bereits ein Managementsystem eingeführt, um den steigenen Risiken und Gastronomiefinanzierungen Rechnung zu tragen. Ferner habe die Aktienbrauerei Gastronomen mit einer Vielzahl attraktiver Maßnahmen unterstützt, „damit die Gastgeber für Einheimische und Touristen noch attraktivere Angebote bieten können“, so der Brauereivorstand. Trotz saisonal bedingter Zahlungsschwierigkeiten sowie der beschlossenen Kapitalerhöhung geht der Vorstand davon aus, dass bis zum Sommeranfang der Liquiditätsengpass überwunden ist. „Der Sanierungskurs wird ungeachtet dessen fortgesetzt“, erklärte Sill. Dies schließe auch eine weitere sozialverträgliche Reduzierung der Belegschaft mit ein. Auch im laufenden Geschäftsjahr rechnet Sill mit einer Fortsetzung des Preiskampfes der „Fernsehbrauereien“. Daher werde es für die Aktienbrauerei nicht einfach, den Absatzrückgang zu stoppen. „Damit bleibt die Lage weiter angespannt.“ Kurzfristig hat damit die Sicherung der Liquidität der Gesellschaft für den Vorstand oberste Priorität. Darüber hinaus führt das Unternehmen seine bereits eingeführten Kostensenkungsmaßnahmen, die Stärkung des Vertriebes, auch im Ausland, sowie eine weiter Optimierung innerbetrieblicher Strukturen und Produktionsabläufe fort. „Nach heutiger Einschätzung streben wir für das Geschäftsjahr 2011/2012 bestenfalls ein ausgeglichenes Ergebnis an“, erklärte Sill. Mit Blick auf die geleistete Arbeit und das erzielte Ergebnis wurde die Vorstandschaft einstimmig entlastet. Lob gab es von einem Aktionär (wurde von Beifall getragen), der vor allem den Einsatz der Unternehmensführung sowie das finanzielle Engagement der Großaktionäre, die Brüder Dr. Peter Ralf und Hans-Theodor Stritzl, würdigte: „Sill verdient weniger als seine Vorgänger, eine Gehaltserhöhung sollte drin sein“. Darauf Sill: „Mit Blick auf den Sanierungskurs gehe das nicht. Ich kann nicht Personal abbauen und 150000 Euro im Jahr verdienen, was einem Vorstand eigentlich zustünde.“ Sorge um Gesellschaft Ein weiterer Aktionär betrachtete den „Substanzverlust der Gesellschaft“ mit Sorge. Mit Blick auf die vielen Kleinaktionäre „die sowieso nichts zu sagen haben und nur eine Statistenrolle einnehmen, wäre es zu überlegen, ob man die Brauerei nicht auflöst“. Sill leicht verwundert erklärte, dass die Brüder Stritzl weit von einer Auflösung der Brauerei entfernt seien. Vielleicht hatte der Aktionär aber auch die Börsennotierung der Aktiengesellschaft bei seiner Forderung im Blick. Denn unter den Kleinanlegern wird bereits gemunkelt, dass die Brüder Stritzl nur noch wenige Anteilsscheine benötigen, um 95 Prozent des Gesamtkapitals des Unternehmens zu halten. Damit wären die Voraussetzungen für ein so genanntes „Squeeze out“ gegeben. Das heißt: Der Hauptaktionär, in diesem Fall die Stritzl-Brüder die mindestens 95 Prozent des Grundkapitals mittelbar oder unmittelbar halten, könne von den Minderheitsaktionären die Übertragung ihrer Aktien an sie verlangen. Im Gegenzug müssen die Brüder eine angemessene Barabfindung auszahlen. Offen angesprochen wurde dieses Szenario auf der jüngsten Hauptversammlung zwar nicht, jedoch nach der Sitzung bei Kaffee und Kuchen hier und da von so manchem Kleinanleger thematisiert.

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