Wie Feuerlöscher Leben retten können

"Nicht das Feuer, der Rauch ist der Feind"

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Eine solch heftige Explosion entsteht, wenn man fälschlicherweise brennendes Fett mit Wasser löschen will.

Kaufbeuren – Wer hätte gedacht, dass ein Feuerlöscher so schwer ist? Darauf muss man auch erst einmal vorbereitet sein, wenn der Ernstfall eintritt. Gut, dass ich kürzlich die Möglichkeit hatte unter Schulungsbedingungen ein „echtes“ Feuer zu löschen und zusammen mit etwa 15 Teilnehmern den Umgang mit Feuerlöschern und das richtige Verhalten im Brandfall lernte.

Meine Fragen vorab waren: Wie lösche ich ein Feuer richtig? Was muss ich dabei beachten? Diese beantwortete mir Thomas Walther von der Aktion „Richtig Feuer löschen“. Mit seinem Infomobil Handfeuerlöscher, das bayernweit unterwegs ist, war er kürzlich bei der Feuerwehr Kaufbeuren und trainierte insgesamt 350 Personen. 

Zur Sensibilisierung nannte Christoph Heider von der Freiwilligen Feuerwehr Kaufbeuren uns rund 15 Teilnehmern dieser Schulung anfangs ein paar statistische Zahlen: Im Durchschnitt beträgt ein Brandschaden in Deutschland 125000 Euro, die Folgeschäden sind dreimal so hoch. Pro Jahr sterben 700 Menschen in der Bundesrepublik aufgrund eines Brandes, wobei die Opfer selten durch Verbrennungen ums Leben kommen, denn über 90 Prozent davon ersticken schon am Rauch, bevor das Feuer sie überhaupt erreicht – da musste ich erst einmal schlucken. 

„Ganz wichtig“ ist demnach für Thomas Walther, den Menschen die „Berührungsängste zu nehmen“. „Nicht das Feuer ist der Feind, sondern der Rauch“, nahm er das Fazit der Veranstaltung vorneweg. Häufigste Brandursachen seien brennende Kerzen, ein Kurzschluss oder ein defektes Elektrogerät. Der gefährliche Rauch, der beim Brand entsteht, enthält giftiges Kohlenmonoxid, das zuerst zu eingeschränkter Sauerstoffaufnahme, dann zu Bewusstlosigkeit und schließlich zum Tod führt. Besonders nachts, wenn alle schlafen, bestehe die größte Gefahr. 

Aus diesem Grund besteht seit dem 1. Januar 2013 die Pflicht (für vorhandene Bauten besteht eine Nachrüstpflicht bis zum 31. Dezember 2017), Kinder- und Schlafzimmer – das schließe laut Walther auch Wohnzimmer mit ein – sowie Flure mit Rauchwarnmeldern auszustatten, damit sich ein Entstehungsbrand bestenfalls nicht ausbreitet. Der Rauchmelder meldet den Brand frühzeitig und schafft so die Möglichkeit, angemessen zu reagieren, indem man sich in Sicherheit bringt und die Feuerwehr alarmiert, oder einen Löschversuch unternimmt. Bemerkt man einen Brand, soll man „unbedingt zuerst die Feuerwehr unter der europaweiten Nummer 112 rufen“, so unser Ausbilder. Danach sollte man alle Personen außer Gefahr bringen. 

Zusätzlich können Personen, die es sich zutrauen und den Umgang mit Feuerlöschern kennen, erste Löschversuche unternehmen. Dazu sollte man die fünf Brandklassen kennen (siehe unten). Für jede gibt es gesonderte Feuerlöscher mit verschiedenen Inhalten, auf denen jeweils die Brandklassen stehen, für die ein Feuerlöscher geeignet ist. Es ist jedoch gesetzlich nicht vorgeschrieben einen Feuerlöscher zuhause zu haben. Ein falsches Löschmittel kann einen Brand unvermittelt um ein Vielfaches vergrößern, was wir später noch „hautnah“ erfahren sollten. 

Nach der Theoriestunde folgte die mit Spannung erwartete Praxisschulung im Freien. Dabei durfte jeder Teilnehmer einen Entstehungsbrand mit dem richtigen Feuerlöscher bekämpfen. Für Frauen und Kinder gar nicht so leicht, denke ich mir, mit einem schweren Feuerlöscher, der durchaus bis zu 20 Kilogramm wiegen kann, auf einen Brand zuzugehen. Beeindruckend zu sehen war, was geschieht wenn eine Sprühdose in kleine Teile explodiert. Zur Demonstration war diese zwar in einem Käfig, doch die Explosionskraft war nicht zu übersehen. Man will sich gar nicht vorstellen, dass eine solche Spraydose im eigenen Bad umherfliegen könnte. 

Das große Highlight kam zum Schluss. Mit Spannung beobachteten wir, wie der Ausbilder einen Topf mit Speiseöl füllte und so stark erhitzte, bis er Flammen schlug. Nun zeigte er, was passiert, wenn man fälschlicherweise versucht, diesen Fettbrand mit einer Tasse Wasser zu löschen: Eine riesige Explosion, die für ein paar Augenblicke ganz schön heiß war. Zum Glück standen wir einige Meter weit weg, denn „viel bleibt nicht von einem übrig“, wenn das wirklich in einer Küche passiert, machte uns Walther eindrucksvoll klar. 

Besser sei es bei einem Fettbrand, wenn der Raum noch nicht verraucht ist, eine spezielle Löschdecke auf den Topf zu legen und diese „mindestens eine halbe Stunde drauf zu lassen“, wie Walther demonstrierte – sonst wird die Flamme wieder mit Sauerstoff versorgt und größer. Ist der Raum hingegen schon verraucht, sollte man ihn schleunigst verlassen, beziehungsweise nicht betreten, die Türe von außen schließen und die Feuerwehr alarmieren. 

Nach dieser eindrucksvollen Show bekam ich ganz schön Respekt vor Feuer und hoffe, dass ich mein gewonnenes Wissen niemals anwenden muss. Von Martina Staudinger

Die Brandklassen:

• Brandklasse A: Feste, glutbildende Stoffe wie Holz, Papier, Textilien, Autoreifen. Löschmittel: Wasser, Schaum, ABC-Pulver. 

• Brandklasse B: Flüssige und flüssig werdende Stoffe wie Benzin, Fett, industrielles Öl, Wachs, Harz, Teer, Alkohol, Kunststoff (auch synthetische Textilien). Löschmittel: Wasser mit Zusatz B, ABC- oder BC-Pulver, Schaum, CO2. 

• Brandklasse C: Gasförmige Stoffe, auch unter Druck wie Methan, Wasserstoff. Löschmittel: ABC- oder BC-Pulver. 

• Brandklasse D: Metalle wie Natrium, Lithium, Aluminium, Magnesium, Kalium und deren Legierungen. Löschmittel: Metallbrandpulver (D-Pulver). 

• Brandklasse F: Öle und Fette in Frittier- und Fettbackgeräten. Löschmittel: Sonderlöschmittel.

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