Der Zahn der Zeit nagt

Schön, aber marode

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Landgerichts-Präsident Dr. Johann Kreuzpointner (Mitte) und dessen Stellvertreter Alfred Reichert (li.) aus Kempten erläutern Staatssekretär Franz Josef Pschierer am Modell die geplante Generalsanierung.

Kaufbeuren – „Schön, dass der alte Baubestand erhalten bleiben kann, aber das Innenleben entspricht in keiner Weise mehr dem Stand der Zeit.“ Mit diesen Worten dokumentierte Staatssekretär Franz Josef Pschierer nach seinem Rundgang den Zustand des Amtsgerichts Kaufbeuren in der vergangenen Woche mit Blick auf eine geplante Generalsanierung.

Die beiden aus dem frühen und späten 19. Jahrhundert stammenden Hauptgebäude befinden sich in einem maroden Zustand. Mit der Sanierung und einem Teilneubau sollen auch die bisher ausgelagerten Bereiche zentralisiert werden. Laut Geschäftsleiter Robert Haßler betragen die Gesamtkosten nach einer derzeitigen Grobschätzung etwa 12,5 Millionen Euro. Er rechnet mit einer Bauzeit von etwa zwei bis zweieinhalb Jahren.

Pschierer zeigte sich angesichts der offensichtlichen Schäden betroffen und sicherte seine Hilfe zu. „Es sind derzeit insgesamt 1,2 Millionen Euro an Planungsmittel im Haushalt eingestellt“, so der Staatssekretär, „wir wollen einen zügigen Planungsfortschritt mit einem für 2018 anvisierten Baubeginn.“ Die Maßnahme sei zwingend erforderlich: für Mitarbeiter, Kunden und hinsichtlich der Barrierefreiheit. Für Rita Ostenried als Direktorin des Amtsgerichtes ist es ebenfalls ein Herzensanliegen, dass die Arbeitsbedingungen insbesondere für die Mitarbeiter verbessert werden. „Bei meinem Amtsantritt vor zwei Jahren war ich über den Zustand des Gebäudes schon etwas erschrocken“, sagte sie und ergänzte: „Neben der energetischen Problematik mit den alten Fenstern in den Räumen stellen auch die feuchten Keller hinsichtlich der Aktenaufbewahrung ein Problem dar.“

Die zwei denkmalgeschützten Gebäude aus den Jahren 1805 und 1890 waren 1970 durch einen seitlichen Anbau ergänzt und 1980 mit einem Zwischentrakt verbunden worden. Die räumliche Enge nahm zu, als 2005 die Außenstelle in Füssen aufgelöst und deren Mitarbeiter in Kaufbeuren integriert wurden. Ein gegenüber liegendes Gebäude musste für Betreuungs-, Nachlass- und Unterbringungsverfahren angemietet und an einer weiteren Stelle in der Stadt die Bewährungshelfer ausgelagert werden. Die Folge: lange Wege und dadurch entstehende Zeitverluste.

Mehrere Schritte

Die geplante Generalsanierung der beiden Bestandsbauten erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst wird der südliche Baukörper in Angriff genommen. Rita Ostenried als Direktorin des Amtsgerichtes würde sich wünschen – soweit die Planungen und sonstigen Rahmenbedingungen das zulassen – dass die Mitarbeiter für die Bauphase im jetzigen, dem Landkreis Ostallgäu gehörenden Landwirtschaftsamt untergebracht werden können, welches 2018 in das dann fertig gestellte „Grüne Zentrum“ verlagert werden soll. Gleichzeitig erfolgt ein kompletter mehrgeschossiger Neubau zwischen den Hauptgebäuden an der Stelle des jetzigen Eingangsbereiches, der sich aber weiter in den hinteren Teil des Geländes fortsetzt. Hier werden dann nicht nur alle Sitzungssäle und Räumlichkeiten für Güterichtertermine untergebracht, sondern es entsteht auch eine völlig neue Anlaufstelle für die Bürger. Diese als „Infopoint“ bezeichnete Serviceeinrichtung – ähnlich wie am Finanzamt – steht dann für Anfragen und die Abwicklung kleinerer Formalitäten zur Verfügung. In einem zweiten Bauabschnitt folgt dann die Sanierung des nördlichen Gebäudes sowie am Schluss der Abriss des bestehenden Flachbaus, in dem derzeit der große Sitzungssaal für etwa 60 bis 70 Personen untergebracht ist. Auch die bisher extern angemieteten Räumlichkeiten fallen weg.

Nebenaspekte

In dem neuen Konzept werden dann auch alle Sicherheitsaspekte berücksichtigt, welche für Gerichtsgebäude gelten. Das bedeutet, dass die beiden Bestandsgebäude mit den Dienstzimmern für Richter und Justizverwaltung vom mittleren öffentlichen Bereich besser abgesichert werden können. Aufgrund der aktuellen Situation bezüglich Wegfall des nahe gelegenen Eisstadions und einer möglichen Verlagerung der Polizeidienststelle im Umgriff des Areals sagte Pschierer: „Ich kann mir in diesem Umfeld auch ein Behördenzentrum des Freistaates in Kaufbeu­ren gut vorstellen.“

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