Bewohnbar oder unzumutbar?

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Die Schäden in der Decke und in der Toilette sind mittlerweile behoben.

Stötten/Ostallgäu – Seit im November vergangenen Jahres 13 Flüchtlinge im so genannten Dillerhaus in der Dorfstraße in Stötten untergebracht wurden, schwelt die Diskussion, ob eine Bewohnung des alten Bauernhauses überhaupt zumutbar sei. Zu alt, feucht und zugig und mit ungünstiger Raumaufteilung für die zwei dort untergebrachten Familien aus Syrien, sagen Stimmen aus dem Dorf.

Letzte Woche dann schlugen die Wellen hoch, da die Decke zwischen Ober- und Erdgeschoss nachgegeben hatte und in der unteren Toilette Leisten, Schutt und Putz herabkamen. Der Helferkreis Asyl in Stötten schlug Alarm und wandte sich in einem Brief an das Landratsamt als Mieter des Hauses. Den Helfern geht es aber nicht nur um die Behebung der baulichen Mängel, sondern auch darum, erträgliche Rahmenbedingung für die verbliebenen Flüchtlinge im Haus zu schaffen.

Die liegen, nach Meinung der Ehrenamtlichen, bei einer vollen Belegung des Hauses nicht vor. 14 Personen können im Dillerhaus maximal untergebracht werden, sagt Ralf Kinkel, Hauptabteilungsleiter im Landratsamt und zuständig für Flüchtlingsfragen. An dieser Zahl werde der Landkreis auch festhalten. Das Haus sei zwar ein Altbau, aber durchaus für die Dauer eines laufenden Asylverfahrens bewohnbar. Die Mängel an der Zwischendecke seien im übrigen vom Vermieter, einem Unternehmer aus Füssen, der mehrere Unterkünfte im Ostallgäu betreibt, bereits beseitigt. Eindringender Regen habe Putz und Füllmaterial aufgeweicht. Zu einer statischen Beeinträchtigung der Deckenkonstruktion sei es aber nicht gekommen, beruhigt Kinkel.

Das sieht der Kreis der Asylhelfer anders. Baumängel und die ungünstige Raumaufteilung des alten Bauernhauses machen die Unterkunft für eine Belegung mit 14 Personen unzumutbar. „Das Bad ist mit ausgebrochenen Fliesen und einem auf dem blanken Betonboden unsachgemäß verlegtem Linoleum schlichtweg untragbar“, heißt es in dem Brief ans Landratsamt, der dem Kreisboten vorliegt. „Hinzu kommen sehr unsachgemäß vorgenommene Elektroinstallationen, die ein großes Sicherheitsrisiko für die im Haus lebenden Kleinkinder darstellen“. 

Bis Anfang Juni lebten in dem Haus insgesamt neun Kinder und vier Erwachsene. Sie teilten sich eine Küche und ein Bad, das über besagte Küche zu erreichen ist. Immer wieder hatte das zu Konflikten zwischen den zwei syrischen Familien geführt. Momentan bewohnen ein Witwer, dessen Bruder und fünf Kinder das Haus. Die Helfer hoffen, dass sich die traumatisierte Familie nun stabilisieren und zur Ruhe kommen könne. Auf keinen Fall aber sollten gleich wieder neue Bewohner in das Haus ziehen, sagen die Ehrenamtlichen. Das hatte der Betreiber erst jüngst beim Landratsamt angefragt. Er erhält eine Pro-Kopf-Pauschale als Miete, eine halbe Belegung hat naturgemäß wirtschaftliche Auswirkungen auf das Vermietungsgeschäft.

Für das Landratsamt stehen aber momentan weder die Bedenken des Asylkreises noch die Forderungen der Betreiber von Asylunterkünften im Vordergrund. „Für uns sind allein die Zahlen der dem Landkreis überstellten Flüchtlinge wichtig“, erklärt Kinkel. Momentan kommen im Landkreis weniger Flüchtlinge an als solche, die nach Beendigung des Asylverfahrens ihre Unterkunft verlassen müssen. „Sollten sich die Flüchtlingszahlen wieder erhöhen, werden wir zuerst auf die Neubauten im Landkreis, wie in Marktoberdorf und Buchloe, zurückgreifen.“ 

Kinkel ist zuversichtlich, dass die syrische Familie in Stötten so bald keine Mitbewohner zu erwarten hat. Und da das alte Bauernhaus baulich nicht optimal dastehe, wie er sagt, würden andere Asylbewerberheime zunächst bevorzugt. Er gab zu, dass der Landkreis Ende vergangenen Jahres noch händeringend nach Unterkünften gesucht habe und in einer Art Krisenmodus reagiert habe. Die Miete, die der Betreiber bei voller Belegung für das Haus in Stötten erhalte, sei gemessen an seinem Zustand „wohl höher als das, was auf dem freien Markt gezahlt würde“, so Kinkel. Allerdings sei darin auch eine gewisse Betreuung durch den Vermieter beinhaltet. Der Mietvertrag läuft noch bis Ende 2017.

von Angelika Hirschberg

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