Kinotipp: "Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn"

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Im Wahnsinn vereint: Victor Frankenstein und sein Assistent Igor.

Im Jahr 1818 veröffentlichte die englische Autorin Mary Shelley ihren Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus”. Basierend auf ihrer Geschichte über den verrückten Wissenschaftler, der tote Materie zum Leben erweckt, entstanden zahlreiche Verfilmungen. Paul McGuigan erzählt die Geschichte nun aus der Perspektive von Frankensteins Assistenten Igor.

Inhalt 

Um im Jahr 1860 überleben zu können, muss sich der namenlose Buckelige (Daniel Radcliffe) täglich im Londoner Zirkus als tollpatschiger Clown herumschubsen lassen. Seine äußere Erscheinung trügt: Unter der unansehnlichen Erscheinung verbirgt sich ein kluger Geist, der in der wenigen Freizeit den menschlichen Körper studiert. Als die Seiltänzerin Lorelei (Jessica Brown Findlay) von ihrem Trapez stürzt, gelingt es dem Clown, gemeinsam mit dem herbeigeeilten Studenten Victor Frankenstein (James MyAvoy), ihr das Leben zu retten. 

Frankenstein ist angetan von dem Wissen des Clowns und befreit ihn aus den Händen des sklaventreibenden Zirkusdirektors. Frankenstein behandelt die Fehlhaltung seines neuen Assistenten, den er Igor tauft. Gemeinsam experimentieren die Männer im geheimen, bis es ihnen gelingt, tote Materie zum Leben zu erwecken. 

Rezension 

Die Geschichte des fanatischen Victor Frankensteins ist bereits dutzendfach verfilmt worden. Um dem altbekannten Mythos gerecht zu werden und gleichzeitig eine neue Faszination zu erwecken, bedarf es einer innovativen Idee. „Sherlock“- Regisseur Paul McGui­gan erzählt die Geschichte aus dem Blickwinkel von Igor, der das Eingreifen in die natürlichen Prozesse des Lebens skeptisch beäugt. In einer malerischen Kulisse des viktorianischen Londons frönen die Wissenschaftler ihrer Obsession. Mit dem Wunsch, den Tod zu überwinden, kreieren sie ein monströses Wesen. 

Nach anfänglicher Euphorie offenbart sich jedoch schnell die Kehrseite der Medaille. Denn die Erschaffung neuen Lebens aus toter Materie zieht grauenhafte Konsequenzen nach sich. 

Autor Max Landis versucht, der Geschichte durch den Perspektivwechsel neuen Esprit zu verleihen. Die Freundschaft und geteilte Obsession von Victor und Igor wird zum Herzstück der Geschichte. Die Sympathie von Daniel Radcliffe („Harry Potter“) und James McAvoy („X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“) überträgt sich auf ihre Filmfiguren. McGui­gan nimmt sich Zeit, um die Motivation seiner Figuren zu erläutern und sie als Persönlichkeiten zu etablieren, was nicht vollends gelingt. 

Die Schöpfung des Monsters wird zur Nebensache, die erst im Finale ihre ausführliche Betrachtung erfährt. Interessant sind die anfänglichen Experimente, die sich im Laufe des Films leider verlieren. Während die Belebung einzelner Organe zunächst im Detail bebildert wird, erfährt die Zusammensetzung des Monsters keine detaillierte Darstellung. Dies ist durchaus schade, weil die Erwartungen des Zuschauers nach dem spannenden Ansatz nicht gestillt werden können. 

Der Zuschauer wird dafür mit malerischen Bildern des atmosphärischen London versöhnt. Heruntergekommene Gebäude erstrecken sich vor dem grauen Himmel in die Höhe und schicken das Publikum auf eine Zeitreise der besonderen Art. Igors Streifzüge durch die düsteren Straßen und der Besuch im modrigen Krankenhaus erinnern an traditionelle Monsterfilme und sorgen für wohligen Schauer. 

Trotz des lohnenswerten Ansatzes gelingt es McGui­gan jedoch nicht, seine Geschichte wie erhofft völlig neu zu interpretieren. Vielmehr findet man grob die bekannten Elemente wieder, die bereits in zahlreichen Verfilmungen verwendet wurden. So verfällt auch sein Frankenstein zusehends dem Wahnsinn und lässt sich nicht von seinem Eingreifen in die natürlichen Lebensprozesse abbringen, was ihm selbst fast das Leben kostet.

 Den Verfall des Wahnsinns weiß McAvoy mit überzogenen Ausbrüchen in Szene zu setzen, was der Handlung mitunter eine ungewollt komische Note verleiht. Die Verfolgung der ungleichen Wissenschaftler durch Inspector Turpin, gespielt von Andrew Scott („James Bond 007 – Spectre“), dient hingegen der Auflockerung und der Erweiterung der Geschichte um einen im Ansatz spannenden Nebenhandlungsstrang. 

„Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ ist ein detailverliebtes und atmosphärisches Drama, das mehr mit seinem Look, als mit seinen Schreckmomenten und der Neuinterpretation der Geschichte begeistern kann.

von Sandy Kolbuch


Zum Film:

Originaltitel: Victor Frankenstein 

Land: USA 2015 

FSK: 16 

Regisseur: Paul McGuigan 

Darsteller: James McAvoy, Daniel Radcliffe, Jessica Brown Findlay, Bronson Webb, Andrew Scott, Mark Gatiss u.a


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