Stadtbezogene Themen im Hintergrund

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Selah Okul (re), Berufschullehrer und Integrationsbeauftragter der Stadt, ist sichtlich stolz auf seine Schülerin, die 19-jährige Rima Ziad.

Marktoberdorf – Ja, sie sei sehr mutig gewesen, sagt Rima Ziad und lächelt dabei so bezaubernd, als habe sie gerade den Sprung vom Dreimeterbrett geschafft. Dabei wagte die heute 19-jährige Syrerin vor rund eineinhalb Jahren Unglaubliches: mit ihrer Mutter gelang ihr die Flucht übers Mittelmeer.

„Wir waren viele in dem Boot, acht Tage übers Meer, ohne Essen“, erzählt sie in dürren Sätzen. Man kann nur erahnen, wie mutig Rima tatsächlich war und ist. Von ihrer Flucht aus dem umkämpften Damaskus über Ägypten, das Mittelmeer und Italien ins Ostallgäu erzählte Rima Ziad anlässlich des Neujahrstreffens der CSU-Ortsverbände Marktoberdorf und Leuterschach. In ihrem Heimatland hätte sie Englischlehrerin werden wollen, doch eine Rückkehr nach Syrien kann sie sich momentan nicht vorstellen.

Zur Zeit besucht sie die Flüchtlingsklasse der Berufsschule Marktoberdorf im zweiten Jahr, mit guter Aussicht auf eine Lehrstelle im kommenden Herbst. Ihrem Lehrer Selah Okul, der sie auch in seiner Funktion als Integrationsbeauftragter der Stadt zum CSU-Abend begleitet hat, war anzusehen, wie stolz er auf seine Schülerin ist. Mit Ziads Bericht rückte denn auch bei diesem politischen Treffen, zu dem die CSU-Mitglieder zahlreich in den Gasthof Sailer gekommen waren, die Lage der Flüchtlinge und die Wege der Asylpolitik in den Fokus der Gespräche.

Information zur Flüchtlingslage 

Das sei manchmal auch bedauerlich, weil viele stadtbezogenen Themen hinten an stünden, sagte der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands, Eduard Gapp. Doch auch er kam in seiner Begrüßung nicht umhin, Stellung zur Asylpolitik der CSU zu beziehen. Merkel scheitere unweigerlich mit ihrer Politik der offenen Arme, so Gapp.

Problematisch sehe er die prekäre Sicherheitslage und die juristische Grundlage, auf der die Kanzlerin agiere. Dennoch sagte Gapp: „Die Politik der offenen Arme aufzugeben, bedeutet nicht, auf die der offenen Herzen zu verzichten.“ Wer sich allerdings nicht an die Regeln halte, der habe sein Gastrecht verwirkt.

Gapp und Okul berichteten von der Arbeit der Asylkreise und den Flüchtlingen an den Schulen. So sind mittlerweile an den Marktoberdorfer Grundschulen in allen Jahrgängen Flüchtlingskinder untergebracht, die mehrere Stunden am Tag auch Deutschunterricht genießen. Im Moment sei das zu bewältigen, berichtete Gapp, Direktor des zuständigen Schulamts.

Und Selah Okul informierte über die Erfolge der mittlerweile drei Berufsschulklassen für Flüchtlinge, die dort im ersten Jahr hauptsächlich Deutsch lernen und im zweiten Jahr eine praktische Berufsorientierung durchlaufen. Die Schüler seien willig, lernten gut – und überhaupt sei Schule der Schlüssel zur Integration. Er sehe nämlich auch die anderen: „Die schlafen lange und langweilen sich hernach“, sagte Okul. „Schule ist das beste Mittel.“ Bis September will die Berufsschule ihr Angebot ausbauen und dann sechs Klassen mit insgesamt 120 Flüchtlingen unterrichten.

Nach diesen ernsthaften Themen rundete die Wald­er Kabarettistin Maria Anna Scheuermann mit ihren Einlagen das Programm ab.

von Angelika Hirschberg

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