Bewegte Bilder

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Die Videokünstlerin Gabriella Gerosa mit dem 2013 entstandenen Werk „KORB“.

Kaufbeuren – „He – das Bild bewegt sich ja!“ Wer unvorbereitet in die aktuelle Ausstellung „Des Künstlers Garten“ im kunsthaus Kaufbeuren geht, wird bei der Betrachtung der in prachtvollen Rahmen präsentierten „Gemälde“ der Schweizer Künstlerin Gabriella Gerosa früher oder später von dieser Feststellung überrascht.

Man muss sich jedoch eine ziemliche Weile – die erforderliche Dauer steht jeweils beim Bildtitel – der aufmerksamen Kontemplation hingeben, um ein unmerkliches Zucken, ein leises Atmen, ein Zwinkern, ein vorbei fliegendes Insekt oder die Veränderung von Licht und Schatten zu bemerken, selbst wenn man eine Bewegung erwartet. 

Diese Ausstellung der Werke von Gabriella Gerosa markiert den Auftakt der Zusammenarbeit zwischen dem Autorenfilmfestival „filmzeitkaufbeuren” und dem kunsthaus Kaufbeuren. Kunsthausleiter Jan T. Wilms bezeichnete sie als „mit zeitgenössischer Technik geschaffene digitale Aquarelle”. Dem Werk der Schweizerin lasse sich die Auseinandersetzung mit klassischen Bildgattungen wie Stillleben, Genrebilder, Gruppenbildnisse oder Porträts deutlich ablesen. 

Neben der niederländischen Stillleben-Malerei des 17. Jahrhunderts habe der Impressionismus wesentlichen Einfluss auf ihr Schaffen. Ähnlich wie die Impressionisten fange Gerosa Augenblicke ein, komponiert durch Licht und Schatten, so Wilms. Frühere Arbeiten zeichnen sich durch optische Präzision aus, derzeit arbeitet die Künstlerin jedoch verstärkt mit dem Stilmittel der abstrakten Unschärfe. 

In den mit einer Hochgeschwindigkeitskamera aufgezeichneten und langsam wiedergegebenen Videos gelinge ihr laut Wilms „eine eindrucksvolle Verschmelzung von Malerei, Fotografie und Film, die die Sehgewohnheiten des Betrachters immer wieder aufs Neue herausfordert”. Das zeigt sich besonders in dem wandfüllenden Werk „Ohne Titel I - III” aus dem Arbeitszyklus, welcher der Ausstellung den Namen gegeben hat. 

Nach ihrem eigenen Favoriten befragt, verwies die sympathische, bei der Vernissage persönlich anwesende Künstlerin auf das Bild „Gläschen” aus dem gleichen Zyklus, das den Übergang von Präzision zu Unschärfe besonders gut zeige. Darin fallen vor einem extrem unscharfen Hintergrund in ein extrem scharfes, bereits randvolles Glas langsam weitere Wassertropfen, so dass der Betrachter gespannt jeden Moment das endgültige Überlaufen erwartet. 

Gabriella Gerosa wurde 1964 in Mendrisio/Tessin geboren. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Basel und in Castel San Pietro, Schweiz. Seit früher Jugend autodidaktisch aktiv in den Bereichen Zeichnung, Malerei und Skulptur studierte sie von 1990 bis 1993 an der Schule für Gestaltung in Basel und schloss dort mit einem Diplom ab. 

Als sie, wie sie sagt, feststellen musste, dass sie für das, was ihr malerisch vorschwebte „nicht gut genug” war, absolvierte sie noch ein Zusatzstudium an der Videoklasse (1995 bis 1996), da sie sich neben den malerischen und installativen Arbeiten schon ab 1991 auch dem Videofilmen gewidmet hatte. „Das Interessante ist”, sagt Gabriella Gerosa, „dass ich über die Videostills wieder zur Malerei zurückgefunden habe”. Seit 2009 entstehen neben den Videoarbeiten vermehrt mit Pastellkreide überarbeitete Fotografien. 

Die Werke von Gabriella Gerosa werden international ausgestellt und sind in zahlreichen musealen und privaten Sammlungen vertreten. Dass, wie vom Ehepaar Birgit Kern-Harasymiw und Roman Harasymiw, den filmzeit-Organisatoren, bei der Ausstellungseröffnung verkündet wurde, das kunsthaus Kaufbeuren nun an den Öffnungstagen täglich eine Stunde länger als bisher offen ist und der Eintrittspreis von sieben auf sechs Euro gesenkt wurde, sollten nicht die einzigen Gründe sein, diese reizvolle Ausstellung zu besuchen.

Zur Ausstellung:

Ausstellung „Des Künstlers Garten” aus dem Videozyklus „Impressionistische Landvermessungen” von Gabriella Gerosa

Zu sehen noch bis zum 25. Oktober 2015

www.kunsthaus-kaufbeuren.de

Öffnungszeiten: 

montags geschlossen 

Di-Fr 11 bis 18 Uhr 

Do 10 bis 20 Uhr 

Sa/So/Feiertags 11 bis 17 Uhr

von Ingrid Zasche

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