Sternorden an OB Bosse verliehen

Deutsch-italienische Zeitreise

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Ordensverleihung „Stern von Italien“ an Oberbürgermeister Stefan Bosse (Mitte) mit dem OB von Ferrara, Tiziano Tagliani (links), und dem italienischen Generalkonsul Filippo Scammacca (rechts).

Kaufbeuren – Im Beisein des italienischen Generalkonsuls, Filippo Scammacca del Mungo e dell’ Agnone, des Oberbürgermeisters der italieni- schen Partnerstadt Ferrara, Tiziano Tagliani, und Oberbürgermeister Stefan Bosse wurde die Fotoausstellung zum Deutsch-Italienischen Fest „60 Jahre italienische Gastarbeit in Deutschland“ eröffnet. Sie ist noch bis 22. Mai in der Sparkassenpassage zu sehen.

Als Hausherr begrüßte der Vorstandsvorsitzender der Kaufbeurer Kreis- und Stadtsparkasse Winfried Nusser die Gäste zur Eröffnung der Photoausstellung in den Räumen der Sparkasse. Oberbürgermeister Stefan Bosse erinnerte sich in seiner Begrüßungsrede an die klingenden Namen seiner italienischen Freunde in der Jugendzeit und schilderte eine erfolgreiche Entwicklung der Städtepartnerschaft mit Ferrara in Italien. 

Wie selbstverständlich hatte man deshalb 2012 auch den Freunden in Ferrara mit einer Spendensammlung für die Erdbebenhilfe geholfen. Seinen Dank richtete er an Commandatore Carmine Macaluso als Vorsitzender des ACLI Baviera, der örtlichen Vertretung der Christlichen Arbeitnehmervertretung Italiens, für die Federführung beim Jubiläumspro- gramm. Danach erinnerte der italienische Generalkonsul, Filippo Scammacca del Murgo e dell' Agnone, an die schlechten Zeiten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, in der Italiener in Deutschland nicht gut gelitten waren. 

Um so wichtiger war und sei es weiterhin, Freundschaften auf persönlicher Ebene zu entwickeln, wie das Beispiel der Städtepartnerschaft zwischen Ferrara und Kaufbeuren zeige. Anschließend begrüßte der Oberbürgermeister von Ferrara, Tiziano Tagliani, seinen Amtskollegen und Freund Stefan Bosse, dankte nochmals für die finanzielle Hilfe nach dem Erdbeben und konnte das Ende der Wiederherstellungsarbeiten am Kastell und der historischen Altstadt in Ferrara vermelden. 

Für die Eröffnung der Fotoausstellung beschrieb Tagliani den ersten Artikel der italienischen Verfassung, in der sich Italien als demokratische, auf die Arbeit gegründete Republik festlegte. Viele Italiener konnten damals wegen schlechter Verhältnisse besonders im strukturschwachen Süden Italiens, nicht in Würde Arbeit finden. Indem sie ihre Heimat verließen und als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, erfüllten sie quasi ihre eigene Verfassung. 

Er wünschte sich, dass diese ehemaligen Gastarbeiter stolz auf das wären und auch vermehrt zeigen würden, was sie für den Aufbau in Deutschland geleistet haben. 

Als Nächster eröffnete Commandatore Carmine Macaluso, Vorsitzender von ACLI Baviera, seine Danksagung mit einem Wortspiel:“ Nicht jeder Deutsche kennt einen Italiener, aber jeder Deutsche hat einen Italiener!“ (ein italienisches Restaurant, Anm d. Redaktion). Die ersten Gastarbeiter wären eigentlich nur vorübergehend aus dem Mezzogiorno, dem Süden Italiens nach Deutschland gekommen, um etwas Geld zu verdienen. 

Viele seien dann hier geblieben und die Deutschen hätten viel Neues lernen müssen und dürfen: den Einsatz von Knoblauch beim Essen, das Flair in einem typisch italienischen Eiscafe und so manche neue Worte bei „Gemütsäußerungen“ der Italiener. Stellvertretend für die Italiener in Kaufbeuren wolle auch er die erhaltene Hilfe weitergeben und hatte zusammen mit dem Arbeitskreis Asyl, in Kaufbeuren lebende Flüchtlinge für den Nachmittag ins Kolpinghaus zu Pizza eingeladen. 

Abschließend stellte der Vorsitzende des Ausländerbeirates in Memmingen und Initiator der Fotoausstellung, Commandatore Antonio Tortorici, die Bildersammlung vor. Er selbst sei seit 1966 in Deutschland und erzählte mit Wehmut vom „Italienischen Traum“, dem Kartonkoffer des Gastarbeiters, vom Mangel an Spaghetti in Deutschland und von der Käse-Reibe, selbstgemacht aus einer durchlöcherten Konservendose. 

Zur Besichtigung der Fotoausstellung begab man sich dann in das Gewölbe der Sparkasse und erlebte eine Zeitreise. Auf 150 Schwarz-Weiss-Fotografien sind Zeitdokumente aus den Anfängen der Gastarbeiter in Deutschland zu sehen: „Salvatore als Pizzabäcker“, Sonntagsausflug, das erste Moped, Hochzeit in Deutschland, italienische Sänger und vieles mehr. Ein weißhaariger Zeitzeuge präsentierte sich stolz zusammen mit seiner Frau, zeigte auf einige Fotos, dann auf sich und lächelte:“ Früher... und jetzt!“

von Wolfgang Krusche


Verdientsorden an Kaufbeurer Stadtoberhaupt


Am Abend wurde in der Stadthalle in festlichem Rahmen, durch den italienischen Generalkonsul Filippo Scammacca, im Namen des inzwischen aus Altersgründen zurückgetretenen Ministerpräsidenten Italiens Georgio Napolitano, der Verdienstorden der Republik Italien an OB Stefan Bosse verliehen. Der Chor der Martinspatzen unter der Leitung von Wolfgang Gerle umrahmte die Feierlichkeiten mit italienischen Madrigalen aus der Renaissancezeit. 

In der Lobrede ehrte der Generalkonsul das Engagement von Stefan Bosse in der bilateralen Zusammenarbeit, insbesondere bei der hilfreichen und raschen Spendenaktion für die Stadt Ferrara nach dem Erdbeben 2012. Charakteristisch für dieses Zeichen von Solidarität waren besonders die vielen kleinen Spenden der Kaufbeurer Bürger. 

Diese wichtige Solidarität habe er auch heute erlebt, beim gemeinsamen Essen von frisch zubereiteter Neapolitanischer Pizza mit Flüchtlingen in Kaufbeuren. Der Oberbürgermeister von Ferrara, Tiziano Tagliani, beschwor ebenfalls die große Gastfreundschaft und gute Zusammenarbeit mit Kaufbeuren. 

In seiner Antwort bedankte sich Stefan Bosse für die Auszeichnung und verband sie mit einem Dank seinerseits an den Kaufbeurer Städtepartnerschaftsverein und seinem Vorsitzenden Bürgermeister Ernst Holy.

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