Schlicht, preiswert, praktisch

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Bis zu 60 Menschen können in der Asylbewerberunterkunft in der Buchloer Löwengrube untergebracht werden. Derzeit steht das gerade fertiggestellte Gebäude noch leer. Der Stadtrat informierte sich vor Ort über das Konzept.

Buchloe – Sehr schlicht, einfach und trotzdem wohnlich ist die neue Unterkunft für Asylbewerber in der Buchloer Löwengrube. Davon konnte sich der Stadtrat bei einem Ortstermin vor einigen Tagen überzeugen. Das Holzhaus für die rund 60 Menschen ist fertig, nur die Bewohner fehlen.

Derzeit kommen kaum Flüchtlinge im Landkreis an. Bürgermeister Josef Schweinberger betonte bei der Ortsbesichtigung, das Problem der weltweiten Fluchtbewegungen sei noch lange nicht gelöst.

Ein weiteres baugleiches Haus gibt es in Buchloe in der Robert-Bosch-Straße. Dort sind inzwischen die knapp 30 Flüchtlinge und Asylbewerber aus den Wohncontainern im Industriegebiet eingezogen. Die Contai­neranlage im Industriegebiet gibt es nicht mehr.

„Container sehen alles andere als gut aus“, betonte Manfred Guggenmoos vom Bauunternehmen Hubert Schmid aus Marktoberdorf. Der Projektleiter für Flüchtlingsunterkünfte sagte bei der Vorstellung des Gebäudes, seine Firma habe das Konzept entwickelt, anstelle von Containern ansehnliche Gebäude zu errichten, die in jedes Dorf passen. „Alles was man braucht, kommt rein, alles was nicht gebraucht wird, kommt nicht rein“. Das sei eine wirtschaftliche Lösung.

Das ganze Gebäude besteht aus unbehandeltem Holz. Das habe den Vorteil, dass eine kostspielige Entsorgung entfalle. Guggenmoos betonte, man könne diese Häuser jederzeit abbauen und an anderer Stelle wieder aufbauen. Es gebe keine Fundamente.

Die Firma Hubert Schmid hat inzwischen zehn dieser baugleichen und somit preisgünstigen Asylunterkünften gebaut. Statisch ist das Gebäude auf eine Schneelast ausgelegt, wie sie in der Oberstdorfer Anlage berechnet ist. Damit sieht sich die Firma auf der sicheren Seite. Das Dach ist aus einfachem Trapezblech gefertigt.

Ein wichtiges Thema war für die Baufirma der Brandschutz. In Marktoberdorf weiß man natürlich, dass beispielsweise nicht alle Asylbewerber mit den modernen Herden umgehen können. Guggenmoos sagte, deshalb habe man bei den Herden eine automatische Abschaltung angebracht. Der Herd schaltet sich nach zehn Minuten ab, wenn kein entsprechender Knopf gedrückt wird. Trotz der Holzbauweise entspricht der Brandschutz der Klasse F30. Das bedeutet, dass im Brandfall eine halbe Stunde bleibt, um die Bewohner zu evakuieren.

Das zweigeschossige Gebäude hat PVC-Boden und Gipskartonwände sowie abgehängte Decken. Auf den Einbau von Anlagen für die regenerative Nutzung von Energie habe man bewusst verzichtet, sagte der Projektleiter. Auch eine Lüftungsanlage wurde aus Kostengründen nicht eingebaut. Betreten werden kann das Flüchtlingsheim nur über Außentreppen. Im Gebäude selbst gibt es kein Treppenhaus.

Auch schallschutztechnisch bewegt sich das Gebäude auf einfachstem Niveau. „Man hört, wenn im Obergeschoss jemand läuft“, betonte der Projektleiter.

Es gibt kleine Appartements für Familien und Gemeinschaftsunterkünfte für jeweils zwei Personen. Die Zimmer sind mit sehr preisgünstigen Gegenständen möbliert. Dazu gehören einfache Betten, Spindschränke, Tische und Stühle. In den Appartements sind Küche und Nassräume integriert. Die Bewohner der Zweibettzimmer haben Gemeinschaftsküchen mit vier Herden und Nassräume. Auf sechs Menschen kommt jeweils eine Dusche.

Anschlüsse für das Satellitenfernsehen sind vorhanden. Allerdings werden derzeit keine Fernsehgeräte gestellt, sagte Kreisrätin Brigitte Schröder. Auch kostenloses WLAN gibt es derzeit nicht.

Am Rande des Ortstermins wurde auch über die Erfahrungen mit Flüchtlingen diskutiert. Manfred Guggenmoos konnte berichten, dass es in vielen Einrichtungen positive Erfahrungen gebe. Dies sei aber vor allem engagierten Hausmeistern zu verdanken, die im Umgang mit den Menschen aus anderen Kulturkreisen nicht nur Respekt sondern auch Autorität mitbringen.

von Siegfried Spörer

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